Das Bestreben der Ministerien ist es, die Medienpädagogik im Unterricht als festen Bestandteil zu integrieren - die Schule wird sich in Zukunft mehr oder weniger drastisch verändern. Hierbei sollen die Schüler, aber auch die Lehrer Medienkompetenz erlangen. Heute verbringen wir Menschen teilweise schon den halben Tag mit den Medien, die uns in unserer Welt umgeben. Die Medien sind in unserer Gesellschaftsform zu einer Überlebensnotwendigkeit geworden. Viele wesentliche Informationen über unsere Welt können wir nur noch über Medien erfahren. Wir nehmen über Schrift, Bild, Ton und Elektronik am Weltgeschehen teil. In der Schule lernen wir mit Schrift und Sprache umzugehen, jedoch findet eine Ausbildung mit den neuen Medien kaum oder gar nicht statt. Die Jugendlichen sind bei der sinnvollen Handhabung mit den neuen Medien bisher weitgehend auf sich selbst gestellt. Wer den Umgang mit ihnen sinnvoll und nutzbringend gestalten möchte, müßte vorab über Medienkompetenz verfügen. "Der Umgang mit den neuen Medien müßte ebenso geübt und gelernt werden wie der Umgang mit dem ABC."

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von Prof. Dr. Baacke über Medienkritik
· Wie funktioniert ein PC?
· Welche Hardwarelemente sind in einem herkömmlichen Computer enthalten?
· Was ist das Internet und welche Möglichkeiten kann es mir bieten?
· Was bedeuten die neuen Medien für uns?
· Wie wird der Computer die Zukunft verändern?
· Gesellschaftliche Bedeutung des Internets und von Multimedia?
Dieses theoretisches Wissen über Medien gehört heutzutage bereits zum Alltagswissen und sollte nicht vernachlässigt werden. „Schüler [...] sollen befähigt werden, Veränderungen in der Informations- und Kommunikationskultur zu reflektieren und dies mit eigenen Erfahrungen in Beziehung zu setzen".
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von Prof. Dr. Baacke über Medienkunde
Beispiele hierzu sind:
· Radioprogramme und Videofilme unter eigener Regie erstellen
· eigene Webseiten, Schülerzeitungen oder Referate im Internet publizieren
· mit geeigneten Suchmaschinen Daten aus großen Datenmengen selektieren
· Gemeinsame Zusammenarbeit mit anderen Schulen via Internet, z.B. zwischen verschiedenen internationalen Schulen, die eine gemeinsame Schülerzeitung erstellen
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von Prof. Dr. Baacke über Mediennutzung / Medienhandeln
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von Prof. Dr. Baacke über Mediengestaltung
Die Bildungskommission des Landes Nordrhein-Westfalen stellt sich „Medienkompetenz als Element allgemeiner und beruflicher Bildung [...]" vor.
Medienkompetenz soll vor allem...
· „als Befähigung zum Umgang mit allen Medien und den Produkten der Informations- und Kommunikationstechnik,
· als Befähigung der Nutzung der Medien zum Lernen und Gestalten,
· als Urteilsfähigkeit gegenüber den Botschaften der Medien" verstanden werden.
Die technischen Voraussetzungen für den Multimediaeinsatz sind bereits vorhanden und werden über kurz oder lang in den Klassenräumen Einzug halten. Die Aufgabe der Schulen wird es sein, den Schülern die Grundlagen für den Umgang mit der multimedialen Technik zu vermitteln, um sie auf das zukünftige Leben und die Arbeitswelt in einer von Medien geprägten Informationswelt vorzubereiten. „Medienkompetenz ist so wichtig wie nie zuvor, nicht zuletzt auf dem Hintergrund des lebenslangen Lernens".
In den 80er Jahren hatten wir eine völlig andere Auffassung von den „Neuen Medien" (vgl. Abb. 8). Damals - man denke nur an die brotkastenförmigen Commodore C64 Computer - war das Medium Fernseher im Zentrum. Alle anderen Medien, wie z.B. Home Computer, Videorecorder, Bildschirmtext usw. waren nur sekundär.

Gegenwärtig hat sich der Begriff der „Neuen Medien" einer nahezu revolutionären Modifikation unterzogen. Der Computer hat die Stellung des herkömmlichen Massenmediums Fernseher eingenommen und steht im Zentrum. Alle bisher verwendeten Medien lassen sich mit Hilfe des PC zu einem Medienverbund verschmelzen. Der Computer ist nun in der Lage, Texte, Grafiken, Standbilder, Töne, Animationen und Videosequenzen so zu kombinieren und aufzubereiten, daß schwierige Sachverhalte und komplexe Zusammenhänge schneller vom Benutzer verstanden und verarbeitet werden können (vgl. Abb. 9). Bedingt durch dieses Zusammenwachsen der Medien wurde der Grundstein für das Multimediazeitalter geschaffen.

Dennoch gibt es bis heute noch keine allgemeingültige Definition des Bergriffs Multimedia, da verschiedene Interessengruppen aus dem Bereich von Politik, Wirtschaft und Journalismus versuchen, ihre persönlichen Interessen in die Begriffsdefinition einfließen zu lassen.
Gegenwärtig versteht man unter dem Begriff Multimedia „die digitale Verknüpfung von alten und neuen Medien, Verbindung von Schrift, Standbildern (Fotos, Zeichnungen) mit Bewegtbildern (Real- und Animationsfilm) und Ton (Sprache, Musik, Geräusche), einschließlich interaktiver Zugriffsmöglichkeiten auf diese Materialien [...]". Aber auch Computeranwendungen, bestehend aus Text-, Bild-, und Toninformationen, die man über einen Online-Zugang empfangen kann, werden dem Multimediabegriff zugewiesen. Hierzu zählt insbesondere das Internet mit seinen weltumspannenden Informationsressourcen.

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von Prof. Diepold über Multimedia
Aus: Kinder + Medien (1997): "Gutenberg in Cyberspace". (Südwest 3), 07.07.97, 10:20-10:50
Die interaktiven Zugriffsmöglichkeiten ermöglichen es dem Benutzer nicht nur, Empfänger zu sein, wie es bisher beim Fernsehen der Fall war, sondern er kann unter Verwendung von Rückkanälen das Programm direkt beeinflussen und sogar eigenständig gestalten. Der Benutzer kann neuerdings die Rolle des Senders oder Kommunikators zu übernehmen.
Dies beinhaltet z. B. :
· Unterbrechen und Wiederholen von Aufgaben und Darstellungen
· Auswahl und Änderung des Schwierigkeitsgrades
· Abrufen von Sekundärinformationen
· Überspringen oder Wiederholen von Lernschritten
· Verzweigung in andere Lernsequenzen oder Darstellungsarten
· eigene Ideen und Kommentare hinzufügen
Diese interaktiven Möglichkeiten bedeuten für den Lernenden sowohl ein individuelles Lerntempo, als auch die Möglichkeit, zwischen individuellen Lernwegen auszuwählen. Dies resultiert in einen höheren Grad an Selbstbestimmung und wirkt sich positiv auf die Lernmotivation aus. Zusätzlich erreicht man mit Interaktivität, daß der Lernende die Aufmerksamkeit auf den Lerninhalt fixiert.
Der klassische Text läuft linear ab. Die Leser lesen den Text in derselben Reihenfolge, Wort für Wort, Satz für Satz und Seite für Seite durch, um die darin enthaltene Information zu bekommen (vgl. Abbildung 10).

Hypertext dagegen verläuft nicht linear, er ist immer dynamisch, d.h. er enthält Querverweise oder Hintergrundinformationen zu anderen Texten und Definitionen. Ein gedrucktes Lexikon z.B. ist auch ein nichtlinearer Hypertext. Der Leser wird bei der Schlagwortsuche nach einem Begriff darauf hingewiesen, daß es eventuell dazu noch weitere Querverweise gibt, die er nach eigenem Belieben nachschlagen kann. Bei einem elektronischen Lexikon kann der Leser durch einfaches Anklicken entscheiden, ob er noch zusätzliche Information zu dieser Thematik bekommen möchte oder nicht (vgl. Abbildung 11).

Vorteile nichtlinearer Hypertexte:
Nichtlineare Hypertexte erlauben drei unterschiedliche Formen des Lesens:
1. Gründliches Lesen (reading)
2. Flüchtiges Blättern (skimming)
3. Forschendes Stöbern (browsing)
Dadurch ergeben sich dem Leser größere Freiheiten, die zu einer erhöhten Motivation führen und sogar im selbstgesteuerten Lernen den Höhepunkt erreichen können. Aber auch die sinnvolle inhaltliche didaktisch überlegte Kombination von Texten, Bildern, Tonsequenzen, Videos, Animationen usw. kann die Lernwirksamkeit erhöhen. Neben diesen aufgeführten Chancen von Multimedia können Hypertexte dem Leser auch Probleme bereiten.
Nachteile nichtlinearer Hypertexte:
1. Wenn ein zusammenhängender Sachverhalt mit Hilfe von Hypertexten zerstückelt wird, besteht die Gefahr, daß der Leser mit inhaltlichen Verständnisproblemen zu kämpfen hat, weil der Kontext aufeinander aufbaut.
2. Die Redewendung "Lost in Hyperspace" ist uns bereits geläufig. Es kann passieren, daß man in komplexen und großen Hypermedia-Systemen die Orientierung verliert und nur noch blind umherirrt.

Wenn der Leser Zusatzinformationen in der Form von Texten, Bildern, Grafiken, Animationen, Audio- und Videosequenzen abrufen kann, so spricht man von „nichtlinearer Hypermedia" (vgl. Abbildung 12). Dem Leser ist es freigestellt, in welcher Reihenfolge er die Zusatzinformationen abruft. Er muß nun selbst abschätzen und selektieren, welche Informationen für sein besseres Auffassungsverständnis wichtig sind.
Hierzu zählen elektronische Lexika, Bücher, Zeitschriften, Lernsoftware, Versandhauskataloge, Telefonbuch-Datenbanken und Computerspiele, die in der Regel wegen der großen Speichermöglichkeiten auf CD-ROMs vertrieben werden. Aber auch das World Wide Web besitzt eine nichtlineare Hypermediastruktur. Viele Konzerne, Zeitungen, Fernsehsender, aber auch Schulen haben ihre eigene „Homepage" im WWW publiziert. Oft sind bestimmte Begriffe im Text hervorgehoben, d.h. hinter diesem Begriff verbergen sich noch weitere Informationen, (sogenannte „links"), in Form von weiteren Dokumenten, Multimedia-Elementen (Audio-Videosequenzen) oder Software jeder Art.
In vielen Publikationen findet man folgende Zahlen und Illustrationen über die Wirkung von Sinnesmodalitäten und Lernaktivitäten:
Die Annahme, daß wir 10 Prozent, von dem was wir lesen, 20 Prozent von dem, was wir hören, 30 Prozent von dem, was wir sehen, 50 Prozent vom dem, was wir hören und sehen, 70 Prozent von dem, was wir sagen und 90 Prozent von dem, was wir sagen und tun, behalten, ist leider falsch (vgl. Abbildung 13). Keine Forschungsergebnisse können diese aufgeführten Zahlen stichhaltig belegen und untermauern.

Außerdem können sich unterschiedliche Medien (z.B. das Betrachten eines Bildes und das Hören eines Textes) auch gegenseitig stören.
In einer Meta-Analyse wurden 1992 200 Lehramts- und Psychologiestudenten an der Universität Gießen verglichen. Gruppe A lernte nach traditionellen Lehrmethoden, Gruppe B lernte mit multimedial gestützten Formen. Die Untersuchung kam zu dem Resultat, daß sich ein Multimedia-Lernkurs eher für die Vermittlung von Faktenwissen und eher für elaborierende Aufgaben eignet.
Multimedia-Anwendungen haben ihre Stärken im:
· Lese- und Rechenunterricht
· Geometrieunterricht
· Geschichts- und Wirtschaftskundeunterricht (Veranschaulichung von Modellen)
· Biologieunterricht (Darstellung/Simulation von Vorgängen)
· Fremdsprachenunterricht
· Physikunterricht (Veranschaulichung besonders schwer vermittelnder Lerninhalte wie z.B. Elektronenstrahl am Doppelspalt, wellentheoretische Inhalte)
· musisch, künstlerischen, ästhetischen Bereich
Multimedia kann und soll jedoch nicht die Begegnung des Lernenden mit der Wirklichkeit ersetzen. Soziale Interaktionen, wie sie in einer Diskussion vorkommen, kritisches Hinterfragen, spontane Fragen oder eine emotionale Verarbeitung kann Multimedia nicht übernehmen.
Neuere Forschungen im Bereich der Lernwirksamkeit sind zu der Erkenntnis gekommen, daß Multimedia zwar zu motivierterem, rascherem und besserem Lernen führt, jedoch bleibt die Verarbeitung der Informationen oberflächlicher.
Der Erwerb von Wissen wird immer noch mit Mühe und Arbeit verbunden sein. „Auch Multimedia-Systeme sind kein Nürnberger Trichter, kein Lehrmittel, das den Lernerfolg in jedem Falle verbürgt". Lernen ist bei jedem Schüler ein individueller, entdeckender, kreativer Prozeß, der an bereits Bekanntem anknüpft. Die neuen Medien fördern eigenaktive Tätigkeiten wie z.B. das Lesen, Stöbern, Schreiben, Anordnen, Strukturieren, Umgestalten, Modellieren und Simulieren. Der Lernerfolg von Multimedia-Systemen ist letztendlich vom inhaltlichen Aufbau, von der didaktisch-methodisch sinnvollen Darstellung und von der Berücksichtigung des Lernenden abhängig.
Diesbezüglich möchte ich auf das millionenteure „Comenius Projekt" näher eingehen, das vor knapp einem Jahr sein erstes Debüt hatte. Seit dem Schuljahr 1995/96 sind fünf Berliner Schulen per 155-Megabit-Glasfaserleitungen und Computer miteinander verbunden. Die Bereitstellung dieses ATM-Hochgeschwindigkeitsnetzes und die Durchführung des derzeitig aufwendigsten Telelearning-Projektes wird von der Deutschen Telekom mit acht Millionen Mark finanziert. Die technische Betreuung erfolgt durch das Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht, durch das Ponton European Media Art Lab und durch die Condat DV-Beratung Organisation Software GmbH.
Nach anfänglichen Startschwierigkeiten bei der Datenübertragung konnte das Projekt erst im Januar 1996 vollkommen fehlerfrei starten. Die immensen Übertragungskapazitäten ermöglichen den fünf Berliner Schulen, untereinander gemeinsam per Audio- und Videokonferenz zu lernen und zu kommunizieren. Jede Pilot-Schule ist mit ca. 12 hochwertigen multimedialen Personal-Computern ausgestattet. Für alle fünf Schulen wurde eine spezielle 3D-Benutzeroberfläche von der Softwarefirma „Ponton European Media Art Lab" gemeinsam mit Wissenschaftlern, Künstlern und Pädagogen entwickelt und programmiert - das DisNet . Hier im DisNet (vgl. Abbildung 14) treffen sich Lehrer und Schüler gleichermaßen, um im virtuellen Raum gemeinsam unterschiedliche Themenprojekte zu erarbeiten.
Nr.1: Konferenzhaus: Hier finden die Multimediakonferenzen statt.
Nr.2: Gemeinschaftshaus: Hier treffen sich Lehrer, Schüler und Eltern zum Austausch von Informationen.
Nr.3: Projekthaus: Hier werden die klassen- und schulübergreifenden Projekte bearbeitet.
Nr.4: Die fünf angeschlossenen Erprobungsschulen.
Nr.5: Landesbildstelle.
Innerhalb der dreidimensional gestalteten Benutzeroberfläche kann sich der Benutzer virtuell im Raum bewegen und zwischen folgenden Menüoptionen wählen:
1. Informationsaustausch zwischen Lehrern, Schülern und Eltern.
2. Multimediale Videokonferenzen mit anderen Schulen.
3. Zugang zur Landesbildstelle: Sie stellt den Schülern ein reichhaltiges Angebot an Lehrmedien verschiedenster Themen zur Verfügung, die jederzeit abgerufen werden können. Sie beinhalten sowohl einfache digitalisierte Fotos bis hin zu tausenden digitalisierten Videosequenzen. Diese Lehrmaterialien werden vom Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) in digitaler Form bereitgestellt.
4. Material- und Informationsrecherche im Internet.
5. Direkter Zugang zu einer der fünf Erprobungsschulen über die Landesbildstelle.
6. Zugang zum „Projekthaus": Hier können die Schüler eigens erstellte Text-, Bild-, und Tonmaterialien bearbeiten und den übrigen angeschlossenen Schulen zur Verfügung stellen. Die angeschlossenen Schulen haben jederzeit Zugang auf diese Materialien und können gegebenenfalls diesbezüglich Ergänzungen und Verbesserungsvorschläge vornehmen.
„In einer virtuellen Welt soll den Schülern kommunikatives Lernen vermittelt werden" , erklärt Schulrat Joachim Thoma von der Berliner Senatsverwaltung. „Die Benutzer sehen sich im 3D-Raum und können schriftlich wie auch per Audio- und Videokonferenz miteinander Kontakt aufnehmen."
Inhalte des Projekts:
Der pädagogische und methodisch-didaktische Gegenstandsbereich dieses Multimedia-Projektes sieht drei fächerübergreifende Themenschwerpunkte vor:
Hierbei handelt es sich um die Bereiche „Gewässeruntersuchungen", „Schulteich", „Verkehr" und „Klima". Besonders der ökologische Aspekt steht an dieser Stelle im Vordergrund. Die Schüler der Bettina-von-Arnim-Gesamtschule beschäftigen sich während der Projekttage mit dem Thema Ozon. Hierbei werden draußen an verschiedenen Orten z.B. die Ozonwerte zu unterschiedlichen Tageszeiten gemessen, ausgewertet und schriftlich festgehalten. Am Computer wird den Ergebnissen noch der letzte Schliff verpaßt, anschließend werden sie über das DisNet den anderen Schülern zu Verfügung gestellt.
Jede Schule kann dort auf die Ergebnisse anderer Schulen zugreifen und diese durch Kommentare ergänzen. Die Jugendlichen tragen dabei selbständig etwas zum Unterricht bei und sind dadurch höher motiviert. Später diskutieren sie die Ergebnisse per Bildtelefon mit ihren Mitschülern am anderen Ende der Stadt und entwickeln ein Rollenspiel, in dem die verschiedenen Positionen der jeweiligen Gesellschaftsgruppierungen dargestellt werden.
· Unsere Schule - mittendrin
Dieses Thema ist im musisch-ästhetischen Gegenstandsbereich einzuordnen und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Thema „Stadtteilerkundung" und „Stadtteilarchitektur". Hier wird vor allem Wert auf die Kooperation und Kommunikation der fünf angeschlossen Schulen gelegt, indem ein reger Erfahrungs- und multimedial erstellter Materialaustausch untereinander erfolgen soll.
Dafür werden so komplexe Themen wie „Lebensgrundfunktionen im Umkreis der Schule: Wohnen, arbeiten, sich versorgen" behandelt und bearbeitet. Die Schüler erkundeten - ausgestattet mit Fragebögen, Videokameras und Bandmaschinen - drei Tage lang ihren Stadtteil. Es wurden Anwohner interviewt, Grünflächen erfaßt, eine Kartographie der Bebauung erstellt, das Geschäftsleben untersucht, die Architektur im Viertel dokumentiert.
Stolz berichtet die stellvertretende Direktorin des Schiller-Gymnasium Gabriele Schulze-Reckzeh: „Herausgekommen ist ein selbsterarbeiteter Stadtteilführer, den wir jetzt als Text-Bild-Tondokumentation aufbereiten und ins Netz einspeisen. So können wir, wenn die anderen Schulen das gleiche machen, unseren entsprechend mit den anderen Stadtteilen Berlins vergleichen."
· Elektronisches Publizieren
Im Rahmen eines Themas sollen die Schüler eine elektronische Multimedia-Zeitung herausbringen und dabei gleichzeitig die Charakteristika herkömmlicher und neuerer Informationsdarstellung kennenlernen. Gleichzeitig sollen sich die Schüler den Umgang mit Computer, Scanner, Mediengestaltung und die Erstellung von Multimedia aneignen.
„Wir haben sehr lange gebraucht, um die Technik in den Griff zu bekommen. Pädagogische Aspekte hatten dabei erst einmal das Nachsehen" [...], bekennt der Schulrat Joachim Thoma. Auch ich kann mich dieser Aussage nur anschließen. Im Herbst 1995 suchte ich voller Erwartung die Landesbildstelle Berlin am Winkingerufer auf, um aus erster Hand Informationen über das Comenius-Projekt zu erhalten. Wegen zahlreicher Fernsehwerbespots der Deutschen Telekom und mehrseitigen DIN-A 4 Hochglanzwerbeanzeigen wurde ich auf dieses Projekt aufmerksam und wollte nun meine wissenschaftlichen Unklarheiten aufgeklärt haben. Inhaltlich versprachen die Werbekampagnen, endlich über Patentrezepte für den momentan herrschenden Bildungsnotstand an deutschen Schulen zu verfügen. „Telelearning" hieße das neue Zauberwort, mit Hilfe dieser Technologie ließe sich das traditionelle Bildungssystem angeblich problemlos modernisieren und reformieren.
An der Landesbildstelle Berlin angekommen, wurde ich von dem damaligen Netzwerkbetreuer vertröstet, ich solle nochmals in einem halben Jahr vorbeikommen, um nähere Informationen und wissenschaftliche Zwischenberichte zum „Comeniusprojekt" zu erhalten.
Der Grund hierfür war folgender: Zu diesem Zeitpunkt konnte das Hochleistungsglasfasernetz noch nicht stabil laufen und stürzte ständig ab. Die Übertragungsgeschwindigkeit von 155 Megabit, die für das digitale Versenden der Lehrfilme erforderlich ist, konnte damals noch nicht einwandfrei unterstützt werden.
Hintergründe und Zielsetzungen des Projektes:
Das Multimedia-Pilotprojekt „Comenius" bezieht sich auf den Theologen, Philosophen, Humanisten und Pädagogen Jan Amos Comenius, der im 17. Jahrhundert lebte und das Lernen mit Bildern im Unterricht postulierte. Er setzte sich schon damals für eine bessere Anschaulichkeit im Lehrvortrag ein. Seine Doktrin läßt sich am Besten mit den Worten umschreiben: „Ein Bild sagt mehr als tausend Wörter". „Comenius, der Schutzpatron der Medienpädagogik, wurde daher zum Namensgeber des Multimedia-Pilotprojektes ‘Comenius’ gewählt".
Folgende Zielsetzungen verfolgt die High-Tech-Pädagogik:
„Comenius soll die Anfertigung, die Verwaltung und den Austausch von Informationen, von Fotos und Grafiken im Computerzeitalter lehren. Der Schüler müsse , so das hehre Ziel, sich und anderen selber zum Lehrer werden, Fragen stellen, Antworten suchen und verbreiten. Denn kein Lehrer der Welt könne soviel Wissen vermitteln, wie die Datennetze anbieten". Außerdem werden die immer bedeutsameren Arbeitsformen, wie fächerübergreifender, schulübergreifender und handlungsorientierter Unterricht im digitalen Klassenzimmer durchgeführt, was im ‘normalen’ Unterricht eher die Ausnahme darstellt. Besonders die Verknüpfung und die eigene Herstellung verschiedenen Medien zu einem bestimmten Gegenstandsbereich, „das schult das strukturierte Denken [...]". Das Projekt untersucht, ob die gemeinsame Projektarbeit zwischen Lehrern, Schülern und externen Schulen mit Hilfe von Multimedia überhaupt realisiert werden kann. Ferner wird erforscht, welche neuen Anwendungsmöglichkeiten sich im Multimediabereich für den Unterricht eröffnen. Aber auch Grenzen und Probleme, die durch den Multimediaeinsatz entstehen, sollen erkannt und analysiert werden.
Tatsache ist, daß Multimedia und Telekommunikation in naher Zukunft einen immer stärkeren Einfluß auf Beruf, Gesellschaft und besonders auf Bildung haben werden. Der Reichtum der führenden Nationen beruht heute schon darauf, Wissen zu produzieren, zu vernetzen und zu verarbeiten. Aus diesem Grunde beabsichtigt das Projekt, möglichst frühzeitig gewonnene Erfahrungen auszuwerten, um schnell Rahmenbedingungen im Bildungsbereich festzulegen, damit Deutschland auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben kann.
Gegenwärtige Probleme des „Comenius"- Projektes: Die fünf angeschlossenen Erprobungsschulen sind von ihrer Schulart teilweise völlig unterschiedlich. Es handelt sich dabei um folgende Berliner Schulen:
* Schiller-Oberschule in Charlottenburg
* Bettina-von-Arnim-Gesamtschule
* Kunst-Schule Atrium
* Jules-Vernes Schule in Hellersdorf
* 17.Grundschule Prenzlauer Berg
Auf Grund dessen, daß die fünf Schulen untereinander so stark differieren, mußte ein Unterrichtsstoff entwickelt werden, [...]"den Grundschüler genauso bearbeiten können wie Abiturienten, der zugleich in den Deutschunterricht von Klasse 9 und den Physik-Leistungskurs paßt und der sich multimedial umsetzen läßt".
Die Lösung hierzu war schließlich das erarbeitete Globalthema „Stadtteilerkundung", das auch im Lehrplan aller Schulstufen und -typen verankert ist. Als Außerordentlich hinderlich offenbarte sich der übliche 45-Minuten-Takt bei der Arbeit mit Multimedia. „Kaum hatten die Schüler die Videokamera richtig in Gang gesetzt, klingelte es bereits wieder".
Ferner mußten eigens initiierte Projekttage eingeführt werden, um den multimedial gestützten Unterricht in den Fächern Biologie, Erdkunde und Kunst fächerübergreifend durchführen zu können.
Eine Umfrage in der zehnten Klasse im Fach Deutsch des Schiller-Gymnasiums hat ergeben, daß 85 Prozent aller Schüler den Unterricht in Verbindung mit Videokonferenzen und E-Mails als interessanter beurteilten. 21 Prozent der Schüler beurteilten ihren Lernerfolg unter Verwendung von Multimedia sogar als äußerst positiv. Negative Lernerfolge konnte kein Schüler verbuchen.
Die ersten Erfahrungen haben gezeigt, daß Multimedia kein Wundermittel für den Bildungsnotstand ist, aber auch keine potentielle Gefahr für das Lernen der Schüler darstellt. Jedoch muß an den pädagogischen Konzepten noch gefeilt werden, damit der Umgang mit Computer und Internet sinnvoll in den Unterricht integriert werden kann.
3.4.2 Das Staatliche-Evangelische-Stiftische-Gymnasium in Gütersloh (ESG)
Im westfälischen Gütersloh wird schon seit 15 Jahren untersucht, wie sich die Schule durch den Einfluß der neuen Medien verändern muß und welchen neuen Bildungsauftrag die Schule in Zukunft vermitteln muß. Die Zielsetzung heißt, den Schüler „medienkompetent" zu machen.
Trotzdem nimmt der Computer auch hier keine Zentralposition ein, denn es wird noch nach den herkömmlichen Lehr- und Lernmethoden unterrichtet. Dr. Ulrich Engelen, Rektor am ESG in Gütersloh, charakterisiert sein Medien- und Schulkonzept folgendermaßen: „Bei uns konzentrieren sich die Schüler nicht nur auf den Computer oder auf die Videoarbeit. Zu unserem Konzept gehört eine intensive Leseförderung ebenso, wie ein breit gefächertes Angebot im künstlerischen Bereich und im Sport. Man kann nicht nur einseitig den Umgang mit den Medien lehren, man muß eine ganze Fülle von Aktivitäten anbieten. Das Leben ist schließlich vielfältig. Außerdem können weder wir Lehrer uns, noch die Schüler blind halten, wir müssen über die Vorzüge, die Schwächen, die Manipulationsmöglichkeiten der Medien aufklären und reflektieren."
„Am Evangelischen-Stiftischen-Gymnasium in Gütersloh wird daher neben klassisch humanistischer Bildung mit Schulandacht, Posaunenchor und Kantoreiorchester auch der Umgang mit den elektronischen Medien gepflegt. Lernsoftware und Internet-Anschlüsse, Computerräume, Videozimmer, Tonstudio - das „ESG" ist vermutlich die Schule mit der modernsten technischen Ausstattung in Deutschland."
Realisiert werden konnte diese einmalige Medienausstattung nur in Verbindung mit der ortsansässigen Bertelsmann-Stiftung. In gemeinsamer Kooperation zwischen Sponsor und Schule wird untersucht, welche Medien sich besonders gut in den Schulalltag integrieren lassen und wie die Schule der Zukunft aussehen soll. Bertelsmann unterstützt das Gütersloher Gymnasium auf finanzieller Ebene außerordentlich großzügig.
„In das Projekt Stiftisches Gymnasium, das noch bis Mitte 1999 fortgesetzt werden soll, hat die Stiftung bislang mehr als 13 Millionen Mark investiert, insgesamt sollen es 17,45 Millionen werden. Dimensionen, von denen andere Schulen nicht zu träumen wagen."
Am Anfang stand bei der Bertelsmannstiftung die primäre Fragestellung im Vordergrund, [...] „ob der Lernprozeß durch die Kombination verschiedener Medien verbessert werden könnte?" In der Zwischenzeit kann diese Frage anhand einiger Untersuchungen mit einem klaren „Ja" untermauert werden.
Computerausstattung am Gütersloher-Gymnasium:
Das 250 000 Mark teure elektronische Klassenzimmer verfügt über zwanzig Internetanschlüsse, reichlich genug, um eine ganze Klasse per E-Mail kommunizieren zu lassen oder im Internet nach Informationen recherchieren zu lassen. Der Raum ist multifunktional verwendbar - zusätzlich zur elektronischen Post und zum Internet kann er als „visuelles Sprachlabor" genutzt werden, [...] „in dem die Schüler den fremden Sprecher nicht nur hören, sondern ihm auch via Bildschirm auf den Mund sehen können."
Zusätzlich wird der Raum als Multimedialabor genutzt, um mit Software auf CD-ROM zu lernen. Das Außergewöhnliche dieses Raumes basiert auf individuell entwickelten Tischen, bei denen sperrige und klobige Computer und besonders Computerbildschirme im Tisch selbst eingelassen wurden und mit einer Glasscheibe versehen wurden. Die Bildschirme, die unter den Tisch verbannt wurden, ermöglichen in ihrer leicht schrägen Lage ein gleichermaßen gutes Lesen wie bei einem Heft, das auf dem Tisch liegt. Diese Neuentwicklung bietet den Schülern direkten Blickkontakt zum Lehrer und Mitschüler. Dadurch wird die Kommunikation der Schüler und Lehrer untereinander nicht beeinträchtigt (vgl. Abbildung 15).

Projektbeispiel „Renaissance" am ESG:
Im Schuljahr 1996/97 arbeitete die Klasse 9 am Evangelischen-Stiftischen Gymnasium in Gütersloh an dem Projekt „Renaissance". Möglich wurde dieses Projekt erst dadurch, daß sich traditionelle Schulorganisationen veränderten. So wurden die verfügbaren Schulstunden aus den Fächern Deutsch und Geschichte fächerübergreifend zu einer Doppelstunde zusammenaddiert. Die Erfahrung am ESG hat gezeigt, daß innerhalb des knapp bemessenen 45-Minuten Takts ein Arbeiten mit dem neuen Medium nicht sehr effektiv und sinnvoll ist. Aber auch die Kooperation und das Arbeiten im Lehrerkollegium untereinander muß im Vorfeld gewährleistet sein - in diesem Fall arbeitete der Deutschlehrer Hans-Werner Küster und der Geschichtslehrer Harald Schumacher eng miteinander zusammen. Nur durch solche engen Kooperationsformen der Lehrer untereinander kann der Einsatz der neuen Medien zur Geltung kommen.
Aufgabe der Schüler ist es, aus den herkömmlichen Medien, wie z.B. aus Büchern, in Kleingruppen Informationen zu einem selbstgewählten Thema aus dem Bereich „Renaissance" zu suchen, wie z.B „Das Leben und Wirken des Leonardo da Vinci". Jede Gruppe erstellt nun am Computer ihre eigene Internetseite, die multimedial aus Texten, Bildern, Fotos und Karten besteht. Schließlich werden alle Ergebnisse der Klasse in einer gemeinsamen Homepage zu einem Gesamtkunstwerk zusammentragen und im Internet publiziert. Nun können alle Internetbenutzer, aber auch andere interessierte Schulen der ganzen Welt auf diese Seite zugreifen. Besonders die spätere Veröffentlichung im Internet motiviert die Schüler und stärkt ihr Selbstbewußtsein.
Aber auch die intensive Auseinandersetzung jedes einzelnen Schülers mit einem Thema führt zu selbstgesteuertem Lernen. Dies erlaubt dem Schüler, individuelle Lernwege zu gehen, er kann im eigenen Lerntempo arbeiten. Außerdem ist bei dieser Art des Lernens die Konzentration und Motivation um ein vielfaches höher, als wenn man den Stoff nur rezeptiv vom Lehrer vermittelt bekommt.
Stimmen von Schülern über das Projekt:
Eine Gruppe fünfzehnjähriger Schüler, die sich mit dem Leben Leonardo da Vincis beschäftigte, zieht folgendes Resumée: „ ‘Mit der Zeit interessiert einen das Thema immer mehr’, meint Ole, ‘wir wußten zum Beispiel gar nicht, daß Leonardo schwul war’ ". Aber auch das Arbeiten mit dem Computer, z.B. eine eigene Homepage erstellen zu können, macht den Schülern viel mehr Spaß, als nur mit Büchern zu arbeiten. In Gütersloh versucht man auch, die jungen Menschen auf die erdrückende Informationsflut vorzubereiten. Sie sollen kritisch, mündig und selbstbestimmt die Informationen selektieren und beurteilen können.
Aus: NZZ Format (1997): "Lernen mit dem Internet". (Vox), 20.05.97, 22:50-23:35
Wo und wie werden die neuen Medien in der zukunftsweisende Musterschule außerdem eingesetzt:
· Die Schüler kommunizieren im Englischunterricht per E-Mail mit internationalen Schulen u.a. aus den USA. Hierbei wird die Kommunikations- und Sprachfähigkeit erheblich gesteigert. Anfangs treten häufig Defizite im Bereich der englischen Rechtschreibung und Grammatik auf, die sich mit der Zeit verringern. Als Besonders zweckmäßig erweist es sich, wenn man die E-Mail-Korrespondenz mit einer Kooperationsschule über ein Geschichtsthema z.B. „Reformation" koppelt. Als Ziel steht die Erstellung eines gemeinsam erarbeiteten Dokuments beider Schulen im Vordergrund. Von dieser neuen Form der gemeinsamen Arbeit profitieren die Schüler selbst viel mehr als dies im traditionellen Unterricht möglich wäre.
Videobeispiel:
Englischunterricht
Aus: NZZ Format (1997): "Lernen mit dem Internet". (Vox), 20.05.97, 22:50-23:35
· Interessierte Schüler haben in Verbindung mit dem Geographieunterricht eine Wetter-AG gegründet. Mit Hilfe moderner Computertechnik und durch direkte Verbindung zum Wettersatellit Meteosat, stellen engagierte Schüler am Anschlagbrett ihre individuell ermittelte Wetterprognose für den folgenden Tag den übrigen Schülern zur Verfügung. „Nach dem Golfkrieg konnten die Schüler dank dieser Technik die Folgen der brennenden Ölquellen für die Umwelt berechnen."
· Im Mathematikunterricht werden mathematische Gleichungen ergänzend zum normalen Unterricht mit Hilfe computergestützter Software von den Schülern bearbeitet. Einerseits hat der Computer nur den Taschenrechner abgelöst. Andererseits erhöht er bei Schülern das mathematische Verständnis, weil sich die Gleichungen im Vergleich zum Taschenrechner auch noch grafisch darstellen lassen. Das Softwareprogramm stellt die Aufgaben und begleitet jeden einzelnen Schüler individuell zum Ziel. Dadurch steht dem Lehrer mehr Zeit für die individuelle Betreuung zur Verfügung.
Videobeispiel:
Mathematikunterricht am ESG
Aus: NZZ Format (1997): "Lernen mit dem Internet". (Vox), 20.05.97, 22:50-23:35
· Auch bei den verflixten Kommaregeln im Deutschunterricht bietet sich der Computereinsatz geradezu an. Michael Kerber, Deutschlehrer am Gütersloher-Gymnasium: „Um die Kommaregeln zu üben, brauche ich immer Beispielsätze. Hier ist der Computer mit einem entsprechendem Programm ein ideales Instrument. Ich habe so viele Beispielsätze zur Verfügung, wie ich sie selbst gar nicht zusammenstellen könnte, oder nur mit sehr großer Mühe und ganz viel Fotokopien. Wir haben ein Computerprogramm mit genügend spezifizierten Sätzen, die Schüler können sich gleich dazu die entsprechenden Begründungen aus dem Regelwerk anschauen und individuell ihre Fehleranalyse machen. Diese Form von Binnendifferenzierung und Training läßt sich mit herkömmlichen Mitteln wohl kaum verwirklichen."
Die Absicht der Bertelsmannstiftung ist es keineswegs, die herkömmlichen Medien wie z. B. Bücher zu verbannen und durch die neuen Medien zu ersetzen. Es geht hierbei nur um eine Ergänzung. Altes soll mit Neuem kombiniert werden. Trotz der Millioneninvestitionen seitens der Stiftung mischt sich der Medienriese Bertelsmann keineswegs in die inhaltliche Gestaltung des medienangereicherten Unterrichts ein.
Jedoch genießen die Schüler nicht die grenzenlose Freiheit auf der Datenautobahn. Sie werden von der Schulbehörde vorerst kräftig ausgebremst. Zu stark sind die Befürchtungen, daß rechtsradikales Propagandamaterial oder Pornographie auf den Schülerbildschirmen flimmern könnte. Mit entsprechender Schutzsoftware, die den unerwünschten Zugang zu solchem Material verhindern soll, will man dieses Problem in Gütersloh in den Griff bekommen. „Da jedoch auch in Gütersloh bekannt ist, daß diese Programme keinen vollständigen Schutz bieten, sollen Schüler und Eltern eine Verpflichtungserklärung unterzeichnen, in der sie versprechen, bestimmte Bereiche des Internet nicht zu betreten, kostenbewußt zu arbeiten und Copyright-Bestimmungen konsequent zu achten."
Welche Vorteile ergeben sich für die Arbeit mit den neuen Medien am Gymnasium Gütersloh?
· Kein lehrerzentrierter Unterricht
· Schüler erarbeiten sich ihren Lernstoff selbst
· Erforschender, entdeckender Unterricht
· Selbständiges und gemeinsames Lernen wird auch für das weitere Berufsleben erworben
· Erhöhte Arbeits- und Lernmotivation der Schüler
· Lehrer hat mehr Zeit für individuelle Schülerbetreuung
· Verstärkte Gruppenarbeit im Unterricht
· Vernetzte, fächerübergreifende Aspekte bieten dem Schüler eine Ganzheitlichkeit des Lernstoffs
Besonders in den Bereichen der Schülerselbständigkeit, Differenzierung, Teamarbeit und bei der Integration der Lebens- und Arbeitswelt können die neuen Medien die traditionelle Schule bereichern und den Schülern einen beschleunigten Lernprozeß eröffnen.
Videobeispiel:
Vorteile der "Neuen Medien"
Aus: NZZ Format (1997): "Lernen mit dem Internet". (Vox), 20.05.97, 22:50-23:35
Firmen und Schulen erhoffen sich von der Vernetzung der Klassenräume, die Bildungskrise, in der Amerika momentan steckt, zu bewältigen. Die Clinton-Regierung möchte bis zum Jahr 2006 150 Milliarden DM in die computerisierte Schulausausstattung, Vernetzung von Schulen und in die Lehrerausbildung investieren.
Videobeispiel:
Multimediaeinsatz in den USA
Aus: NZZ Format (1997): "Lernen mit dem Internet". (Vox), 20.05.97, 22:50-23:35
Ich möchte anhand der kalifornischen Schule „San José" aufzeigen, welche Maßnahmen ergriffen wurden, um den Computer auf dem Gebiet des projektorientierten Unterrichts effektiv und wirkungsvoll in den Unterricht einzubetten.
Um den Computer sinnvoll in den Unterricht integrieren zu können, müssen folgende Kriterien im Vorfeld partiell erfüllt sein:
1. Technische Voraussetzungen:
In der San José-Schule verfügen nun sämtliche Klassenräume über einen Internetanschluß, die schulintern wiederum miteinander verbunden sind. Die 335 umliegenden kalifornischen Schulen sind außerdem über das Netz miteinander verbunden. Die Realisation dieser Vernetzung wäre zweifellos nicht so schnell erzielt worden, wenn ansässige Firmen wie Sun oder Novell nicht tatkräftige Hard- und Software-Unterstützung geleistet hätten. Selbstverständlich möchten diese Firmen auch hier neue Märkte erschließen.
2. Pädagogische Voraussetzungen:
Neben dieser technischen Hürde müssen die Pädagogen an der Schule über eine gewisse Medienkompetenz verfügen. Das heißt, die Lehrer müssen den sinnvollen Umgang mit Hard- und Software zuerst einmal selbst lernen, bevor sie den Schülern vermittelt werden. So wurden in den letzten beiden Sommerferien 1100 Lehrer der umliegenden Schulen in jeweils vierwöchigen Seminaren über die pädagogisch sinnvolle Verwendung der neuen Medien im Unterricht geschult.
3. Inhaltliche Voraussetzungen:
Jede Schule verfügt über ein entsprechendes Sortiment an pädagogisch wertvoller Software, die zum größten Teil aus computergestützten Lehrprogrammen besteht. Diese Palette reicht von „Krieg im 20. Jahrundert" bis „Mathematik", von „Alternativer Erziehung" bis zu den „Ureinwohnern von Kalifornien".
Die Lehrer haben gemeinsam ein Projekt entwickelt, dessen Kerngebiet das Thema „Der Baum" darstellt. Es wird nun versucht, möglichst viele Unterrichtsfächer an diesem Projekt zu beteiligen. Die folgende Aufführung gibt in Kurzform die beteiligten Fächer und deren Kerninhalte wieder.
Biologie: Wie wachsen Bäume? Welche Nährstoffe brauchen sie?
Sozialkunde: Welche Bedeutung haben die Bäume für die verschiedenen Kulturen?
Geographie: Welche Rolle spielen die Bäume im Hinblick auf das Klima? In welchen Breiten siedeln sich bestimmte Bäume an?
Religion: Welche Bedeutung haben Bäume in der Bibel?
Technik: Wie entsteht aus Bäumen das Endprodukt Papier ?
Mathematik: Rechnen mit Textaufgaben zum Thema Baum
Diese Aufzählung der Anwendungsbeispiele in den verschiedenen Unterrichtsfächern zeigt nur einen Ausschnitt der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und läßt sich noch unerschöpflich ausweiten.
Diesem Baum-Projekt gehören neben der San José-Schule noch fünf weitere Schulen aus Kalifornien an. Sogar eine japanische Grundschule aus Tokio nimmt am Baum-Projekt teil. Die untereinander vernetzten Schulen tauschen ihre gewonnen Ergebnisse untereinander aus und arbeiten zusammen an verschiedenen Aufgaben. Die Zusammenarbeit und Recherche nach wichtigen Informationen erfolgt zum Teil über das Internet, aber auch Bücher und andere Medien genießen einen hohen Stellenwert. Der Vorzug dieser Arbeitsweise ist, daß die Kinder neben dem inhaltlichen Wissenszuwachs gleichzeitig die Handhabung und Funktionsweise von E-Mail, Suchmaschinen und Anwendersoftware beherrschen.
Selbstverständlich darf der Computer nicht eine Dominanz im Unterricht darstellen, sondern darf nur eingesetzt werden, wenn er gegenüber dem herkömmlichen Unterricht eine gewisse Überlegenheit und Vorzüge bietet. Die alten Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen müssen weiterhin gelernt und gehandhabt werden. Infolgedessen werden an der kalifornischen Schule weiterhin die erarbeiteten Texte und Ergebnisse zuerst auf Papier mit Tinte oder Bleistift festgehalten. Anschließend werden sie auf vorhandene Rechtschreibfehler hin untersucht und gegebenenfalls korrigiert. Erst jetzt werden die Sätze in ein Textverarbeitungsprogramm eingetippt und später weiterverarbeitet.
Der Lern- und Arbeitsort spielt sich nicht nur in Klassenräumen ab. Die Kinder gehen dabei wie richtige Wissenschaftler vor und gewinnen ihre Meßdaten und Erfahrungen in der freien Natur. Ausgerüstet mit Bleistift, Notizblock und Thermometer machen sich die Schüler auf den Weg, die Temperatur unterhalb von Bäumen zu messen, die in Tabellen festgehalten wird. Im Klassenraum werden die gewonnenen Ergebnisse ausgewertet, untersucht und vorgetragen. Die Schüler kommen zu dem Ergebnis, daß es in der Nähe von Bäumen kühler ist. Anschließend wird in einer Diskussionsrunde erarbeitet, welche Konsequenzen das Abholzen und Aufforsten von Bäumen für unser Klima darstellt. Die gewonnen Meßwerte werden nun in den Rechner eingegeben und an die vernetzten Schulen aus Kalifornien und Japan über das Internet verschickt und untereinander ausgetauscht. Die Schüler vergleichen ihre gewonnen Ergebnisse mit denen der anderen Schulen. Um noch weitere Informationen im Rahmen dieser Untersuchung zu erhalten, können die Schüler direkten Kontakt zu Wissenschaftlern, Universitäten und Forstbehörden über das Internet herstellen.
Durch die globale Kooperation von Schulen aus unterschiedlichen Kontinenten lernen die Schüler auf direktem Weg neue Kulturen und Lebensweisen fremder Ländern kennen und tragen gleichzeitig zur Völkerverständigung bei. In diesem Fall haben sich die japanischen und amerikanischen Kinder mit Hilfe der elektronischen Post am Anfang über ihr Leben und den Alltagsablauf untereinander ausgetauscht und dabei einiges voneinander erfahren. Selbst die Rechtschreibung hat sich in der amerikanischen Klasse - im Vergleich zu vorherigen Klassen - durch den gegenseitigen E-Mail-Austausch mit der japanischen Klasse verbessert. Die amerikanischen Schüler müssen nun verstärkt auf richtige Schreibweise und klare Formulierung achten, damit die japanischen Schüler die elektronischen Botschaften richtig in ihre Landessprache übersetzen können. Diese neue Art des Unterrichts und des Lehrens setzt für die Lehrer anfangs zusätzliche Aktivität und Leistung voraus, die sich jedoch auf Dauer sicherlich bezahlt macht.
Selbst am freien Nachmittag verbringen einige Schüler einen Teil ihrer Freizeit in der Schule, um mit Lernprogrammen ihr Wissen zu erweitern. Sie arbeiten aber auch an ihren eigenen Homepages, die später im Internet veröffentlicht werden und der ganzen Welt zur Verfügung stehen.
In erster Linie zeigt die Wirtschaft reges Interesse für Schüler mit Computer- und Telekommunikationskenntnissen. Schon heute gibt es in der Wirtschaft zu 50% Berufe für Erwerbstätige, in denen Informationen aufbereitet und verarbeitet werden müßten. „Im Jahr 2000 könnten nur noch ein Drittel der Arbeitnehmer ihren Beruf ohne Computerkenntnisse ausüben". Infolgedessen wird dem Lernen mit und in Datennetzen künftig für Schule und Unterricht immer mehr Bedeutung eingeräumt. Der isolierte Einsatz des Computers als Rechen- und Datenspeichergerät wird an Bedeutsamkeit verlieren. Der Schulunterricht der Zukunft mit Computer, Modem, CD-ROM und E-Mail wird trotzdem keinesfalls Füller, Hausaufgabenheft, Schulglocke und Klassenklatsch verdrängen.
Die Mediengeschichte hat bisher offenbart, daß noch nie ein neues Medium ein altes Medium verdrängt hat, sondern immer ergänzt und sogar bereichert hat. Es ist heute noch zu früh, konkrete Aussagen zu machen, wie sich das schulische Lernen durch den Einsatz von Telekommunikation verändern muß und wird. Konkrete Unterrichtskonzepte müssen sich zuerst einmal entwickeln und bewähren. Hierfür wurden an einigen Schulen Pilotprojekte initiiert und die Initiative „Schulen ans Netz" in die Welt gerufen. Das Bildungswesen ist mit der Telekommunikation derartig rasch und unmittelbar konfrontiert worden, daß es sich damit erst einmal intensiv beschäftigen und auseinandersetzen muß, um diesen Bereich vernünftig und zweckmäßig in den Unterricht einzubinden.

Nikolaus
Huß (Pressesprecher) über Schulen ans Netz e.V.
Aus: Computerclub (1997): Online-live ins Netz. (WDR), 15.03.97, 14:30-15:00
Neben der Ausstattung vieler Schulen mit der neuen Technologie müssen im Bildungswesen erst einmal folgende Rahmenbedingungen erfüllt werden, damit das Lernen in und mit Datennetzen auf jeden Fall über eine Erfolgschance verfügt:
· Reale Schulkonzepte für ein verändertes Lernen müssen vorhanden sein
· Die Netze müssen technisch betreut werden
· Der Stundenplan muß flexibel gestaltet werden
· Lehrpersonen und Schüler müssen leichten Zugang zum Internet besitzen
· Flexible Internetzugänge müssen im Schulgebäude vorhanden sein
· „Medieninseln" müssen in den Klassenräumen und in der Bibliothek vorhanden sein
Im Frühjahr 1996 hat das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie sowie die Deutsche Telekom das Projekt „Schulen ans Netz" initiiert. Finanziell wird das Programm mit 23 Millionen DM vom Bundesministerium und mit 36 Millionen von der deutschen Telekom unterstützt.
Prof.
Diepold über "Schulen ans Netz"
Aus: Kinder + Medien (1997): "Gutenberg in Cyberspace". (Südwest 3), 07.07.97, 10:20-10:50
Abbildung 16: Logo von „Schulen ans Netz"
Aber auch Computerhersteller wie z.B. Apple stellen diesem Projekt Rechner und Serviceleistungen im Wert von sechs Millionen Mark zur Verfügung. Online-Dienste wie z.B. AOL und Compuserve verzichten bei den Schulen auf Gebühren. Novell, Microsoft und Star Division verschenken Software an die Schulen. Insgesamt sind es 31 Soft- und Hardware-Unternehmen, Schulbuchverlage, Online-Dienste und Forschungszentren, die sich an diesem Projekt beteiligen.
Dennoch ist bis heute noch nicht geklärt, wer nach der Anlauffinanzierung durch die Telekom die Folgekosten für Telefon und Serviceleistungen übernimmt. Es bahnt sich schon jetzt ein Konflikt zwischen Landes- und Bundesministerien an. Wahrscheinlich müssen die Schulträger selbst die Folgekosten tragen. Das Ziel der Initiative „Schulen ans Netz besteht darin, bis zum Jahr 2000 10 000 Schulen der insgesamt 44 000 Schulen vorerst einen kostenlosen Internetzugang zu verschaffen. Das sind etwa 25 Prozent aller Schulen in der BRD. Dennoch nimmt Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern keine Führungsposition ein. In den USA hatte 1995 bereits jede zweite Schule einen Netzzugang. Dort sollen bis zum Jahr 2000 alle Klassenzimmer der insgesamt rund 130 000 Schulen an das weltweite Internet angeschlossen sein.
Audiosequenz
über Schulen ans Netz (SWF 3)
Aus: Topthema (Ulli Becker) (1997): (SWF3), 28.04.97, 1740-1750
US-Präsident Bill Clinton und Vizepräsident Al Gore möchten mit der „Netday"-Kampagne, die sich durch private Initiativen auszeichnet, die amerikanischen Schulen auf die Datenautobahn bringen. Als die Initiative Anfang 1996 in Kalifornien startete, beteiligten sich bisher über eine Viertelmillion Menschen freiwillig bei der Vernetzung von 50 000 Klassenzimmern. So legt der Präsident schon einmal selbst Hand an und verlegt ein Datenkabel für einen neuen Anschluß ans Internet - den Anschluß ans World Wide Web übernahmen schließlich gelernte Fachleute.

Videobeispiel:
„Netday"-Kampagne
Aus: NZZ Format (1997): "Lernen mit dem Internet". (Vox), 20.05.97, 22:50-23:35
Noch ehrgeiziger verfolgen die Kanadier ihr Projekt. Sie wollen bereits 1998 alle Bildungseinrichtungen am Internet haben. In Deutschland dagegen wird eine Komplettvernetzung und Verkabelungswut zunächst nicht beabsichtigt. Modellhaft soll aufgezeigt werden, [...] „welche Möglichkeiten vernetzte multimediale Kommunikation für das Lernen bietet." In Europa sind andere Länder bereits auf der Überholspur und versuchen die nachfolgenden Generationen für die Zukunft vorzubereiten. Die skandinavischen Länder wie z.B. Finnland und Schweden sind bereits zu 66 Prozent mit ihren Schulen auf der Datenautobahn vertreten. Auch der Inselstaat England ist uns Deutschen mit 15 Prozent Schulen am Netz voraus. In Deutschland waren es im Vergleich dazu nur zwei Prozent der Schulen, die einen Internet-Zugang aufweisen konnten. Aufgrund dieser desolaten Computer- und Internetausstattung an deutschen Schulen erhielten im September 1996 3200 deutsche Schulen finanzielle Unterstützung, um die ersten Gehversuche in die Multimedia-Welt zu unternehmen.
Jedoch konnten in der ersten Phase des Projektes nicht alle 6500 Schulen berücksichtigt werden, die einen Antrag auf Unterstützung beim Verein „Schulen ans Netz" gestellt hatten. Die 3200 glücklichen Schulen bekamen nun ein Einstiegspaket im Wert von ca. 5000 Mark, bestehend aus einem Multimedia-PC, einem ISDN-Anschluß, einem Software-Paket, sowie einem Gebührenfreibetrag von jährlich 1600 Mark. Daneben wird der kostenlose Zugang zum Wissenschaftsnetz des DFN gewährt. 250 Schulen wurden für Modellprojekte vom Verein ausgewählt und wurden je nach Bedarf jeweils mit 6000 bis 30 000 Mark unterstützt. Der Durchschnitt liegt bei ca. 15 000 Mark.
Trotz allem kann ein einziger Multimedia-PC mit Zugang zum Internet den Unterricht keineswegs revolutionieren. Die Freieinheiten von jährlich 1600 Mark reichen umgerechnet gerade einmal aus, um eine Schulstunde täglich online zu sein. Bei einer Schule mit elfhundert Schülern könnte jeder Schüler pro Jahr nur acht Minuten im Netz surfen. Oft fehlt den Lehren das gewisse Know-How, um bestehende Computerräume oder lokal vernetzte Schulcomputer über den neuen Multimedia-PC an das Internet zu verbinden. Andererseits ist es noch immer besser, anfangs mit einem Netzcomputer zu arbeiten als mit keinem. Die damit gewonnenen Erfahrungen können für den weiteren Ausbau sinnvoll genutzt und verwertet werden.
Bisher fehlt es den verunsicherten Lehrern an klaren Konzepten, Vorstellungen und Orientierungshilfen, wie sie das Internet sinnvoll in den Unterricht einbinden können. Walter Thomann vom Institut für Schulforschung und Lehrerbildung an der Universität Wuppertal spricht die Befürchtung aus, „daß Schulcomputer und Internetanschlüsse - wie die alten „neuen Medien" Sprachlabor oder Schulfernsehen, die in den siebziger Jahren auch mit großer Euphorie in die Schule eingeführt wurden - dort nicht zuletzt wegen mangelnder Lehrerausbildung verstauben".
Das Projekt „Schulen ans Netz" sieht vor, 20 Prozent seines Budgets für Lehrerfortbildung auszugeben. Bisher hat man bei der Lehrerfortbildung den Fehler gemacht, immer nur Informatiker auszubilden, die hauptsächlich die Fächer Mathematik und Physik unterrichteten. Nun sollen auch Englisch-, Französisch- und Geschichtslehrer in den Genuß der Lehrerfortbildung kommen, damit auch in diesen Fächern der Umgang mit dem World Wide Web gezielt und effektiv genutzt werden kann.
Der Fachverband Informationstechnik stellte Mitte 1995 lediglich 331 Schulanstalten fest, die über einen Internetanschluß verfügen - umgerechnet in Prozent sind das nur 0,9 Prozent. 1995 hatte Kanada 4000 Schulen am Netz - das entspricht ca. 25 Prozent aller Schulen. In den USA waren Ende 1995 schon alle 12 000 kalifornischen Schulen auf dem Datenhighway vertreten.
Abbildung 18: Schulen am Netz
Anfang 1997 waren insgesamt bereits 3500 deutsche Schulen im Netz vertreten. 1996 waren es noch knapp 3000 Schulen. (vgl. Abbildung 16)
| Bundesland | Internetanschlüsse |
| Baden-Württemberg |
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| Bayern |
|
| Berlin |
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| Brandenburg |
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| Bremen |
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| Hamburg |
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| Hessen |
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| Mecklenburg-
Vorpommern |
|
| Niedersachsen |
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| Nordrhein-Westfalen |
|
| Rheinland-Pfalz |
|
| Saarland |
|
| Sachsen |
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| Sachsen-Anhalt |
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| Schleswig-Holstein |
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| Thüringen |
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| Gesamt |
|
Aber selbst die Idealausstattung mit einem Netzanschluß in jedem Klassenzimmer kann das Bildungsproblem nicht lösen und wird den Schulunterricht nicht revolutionieren. Die Vereinigten Staaten, die mit ihrer zwei Milliarden schweren „Netday"-Kampagne bis zum nächsten Jahrtausend alle 130 000 amerikanischen Schulen am Netz haben wollen, sind in den wesentlichen Fragen nicht viel weiter als andere Länder. Selbst die Schulen in den USA sind sich noch nicht im Klaren darüber, wie der Unterricht mit dem Datenhighway sinnvoll konzipiert werden muß. Man befindet sich noch auf einem Experimentier- und Testfeld.
Eines steht jedenfalls fest: Noch immer ist unklar, wie das neue Medium sinnvoll in den Unterricht integriert werden kann. Aber auch in Sachen Lehrerausbildung ist man sich noch nicht einig - wie soll man die Lehrer darauf vorbereiten? Die wirklich gravierenden Probleme an amerikanischen Schulen - wie unterfinanzierte Schulen, schlecht ausgebildete Lehrer, hohe Zahlen von Schulabgängern ohne qualifizierten Schulabschluß und die wachsende Gewalt an den Schulen - sind bisher nicht gelöst.
Dennoch kann die Initiative „Schulen ans Netz" dazu führen, daß sich ein Lehrerkollegium über neue pädagogische Konzepte verständigt und andere Formen des Unterrichtens ausprobiert. „Mit den Medien allein ist es nicht getan: Aber das Nachdenken über ihren sinnvollen Einsatz könnte den Schulunterricht wirklich verändern."
Videobeispiel:
Internetbeispiele aus den USA
An den pädagogischen Konzepten wird noch viel experimentiert, so daß es bisher nur wenige ausgefeilte Konzeptionen und Projekte an deutschen Schulen gibt. Über die aktuell laufenden Projekte und inhaltlichen Angebote der vernetzten Schulen können sich die Lehrer unter folgenden Adressen intensiver informieren:
· Schulen ans Netz e.V. (http://www.san-ev.de)
· Deutscher Bildungsserver (http://www.dbs.schule.de)
· Schulweb (Schulen im Netz) (http://www.schulweb.de)
· Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (http://www.bmbf.de)
· Deutsche Telekom AG (http://www.dtag.de)
Wie eine Hauptschule in Köln das Internet im Unterricht einsetzt
· Im Englischunterricht kommunizieren und diskutieren New Yorker Kids mit nordfriesischen Schülern über das Thema „Rassismus", um auf eine andere Art und Weise die Sprache zu lernen.
· Im Geographieunterricht werden neueste Satellitenbilder und Wetterbilder aus dem Netz ausgewertet, dabei gewinnt der Unterricht an Reiz und Aufmerksamkeit.
· Im Physikunterricht wird nach den neusten Bildern des Kometen Hale-Bopp gesucht und später werden diese analysiert.
· Im Deutsch- und Geschichtsunterricht arbeiten Schüler fächerübergreifend an einem Gemeinschaftsprojekt, deren Ergebnisse später in Form einer Homepage im Netz publiziert werden. Sogar Grundschüler der Schwerter Reichshofgrundschule (http://www.ins.net/schule) veröffentlichen mehrmals jährlich ihre Schülerzeitung im Netz.
Videobeispiel:
Schülerzeitung "Füchslein"
Aus: Computer statt Kreide (1996): (WDR)
· Mehrere Schulen im In- und Ausland stellen gemeinsam im Internet eine Zeitung her. Hier findet fächerübergreifendes Lernen in den Fächern Deutsch, Fremdsprachen, Politik und Informatik statt. Hierbei müssen die Schüler lernen, sich mit Hilfe des Netzes zu organisieren und gemeinsam zusammenzuarbeiten. (http://www.uni-duisburg.de/schulen/EBG01)
· In dem internationalem Projekt „Kids as Global Scientists" sammeln die Schüler Wetterdaten, die regelmäßig an einen zentralen Rechner übertragen werden. Von dort aus haben alle anderen teilnehmenden Schulen Zugriff und können wie Wissenschaftler die Daten auswerten und interpretieren.
Ein Vorteil hierbei ist, daß Lehrer und Schüler nicht an einen Ort oder an eine Zeit gebunden sind. Sie können ihre Zeit flexibel einteilen und gestalten. Es besteht an dieser Stelle die Möglichkeit, besonders [...] „viele Lernende zu erreichen und diese in kurzer Zeit zu aktuellen Themen ‘just in time’ zu schulen."
Jedoch hat diese Wissensvermittlungsmethode den großen Nachteil, daß die Wissensaufnahme nur rezeptiv erfolgt und direkte Fragen und Unklarheiten zum Thema nicht sofort an die Lehrperson gestellt werden können. Fernunterricht in Verbindung mit dem Computer hingegen kann diese einseitige Wissensaufnahme, wie wir sie bisher kannten, kompensieren.
An einer holländischen Berufsschule wird das Telelearning via Computer bereits mit Erfolg durchgeführt. Die theoretischen Unterrichtsinhalte werden zwei Mal pro Woche über das Datennetz zu den jeweiligen Berufsschülern verschickt. Insgesamt nehmen 60 Schüler, die das Hotelfach lernen, an diesem Telelearning-Pilotprojekt teil. Hintergrund dieses Projektes war es, herauszufinden, ob man das Verkehrsproblem mit Hilfe von Telelearning verkleinern kann.
Der Schüler „logt" sich über ein Modem in den Zentralrechner der Schule ein und bekommt vom Lehrer die Aufgaben über die Telefonleitung zugeteilt. Der Lehrer kontrolliert die Aufgaben und beantwortet sofort die Fragen der Schüler. Er lobt und tadelt seine Schüler über das Datennetz, gleichzeitig hat er live den Überblick über den Wissensstand der Klasse. Die vernetzten Schüler können in ihrem individuellen Lerntempo zu Hause arbeiten. Außerdem lernen die Schüler, eigenverantwortlich mit ihren Aufgaben umzugehen und werden so selbständiger und kreativer.
Führt diese Art von Fernunterricht schon zur sozialen Isolation?
Die gesammelten Erkenntnisse an der holländischen Schule haben gezeigt, daß der Fernunterricht nur einen geringen Stellenwert einnimmt. Insgesamt kann diese Art des Lernens nur zehn bis fünfzehn Prozent des Gesamtunterrichts einnehmen. Telelearning macht nur Sinn bei Wiederholungen und beim Abfragen von Wissen. Wenn ein neues Thema im Unterricht eingeführt wird, braucht man trotzdem noch den Lehrer vor der ganzen Klasse, der den unbekannten Stoff vermittelt. Der Lehrer kann nicht durch einen Computer ersetzt werden. Diese neue ergänzende Form des Lernens ist jedoch eher auf Erwachsene im Bereich der Weiterbildung zugeschnitten und wird kaum für Kinder und Jugendliche in Betracht kommen. „Unsere Gesellschaft wird sicherlich der Institution Schule verbunden bleiben, denn diese spielt bei der Sozialisierung und Integration der Kinder in ein Umfeld, das über den Rahmen der Familie hinausgeht, eine tragende Rolle, und sie macht es den Eltern leichter, ihrer beruflichen Tätigkeit nachzugehen.
Es ist unwahrscheinlich, daß die Schule mittelfristig aufgehoben und nicht durch ähnlich organisierte Institutionen ersetzt wird [...]. Weit wahrscheinlicher ist hingegen, daß die Schule ihre Monopolstellung bei der Wissensvermittlung zunehmend einbüßen wird [...]."
Ganz neuzeitliche Wege verfolgt man an den virtuellen Universitäten, deren Stärken überwiegend im Wegfall bzw. in der Reduktion der Anfahrtswege, der Unterrichtsräume, des Organisationsaufwands und des Lehrpersonals liegen. Aber auch für den Studenten persönlich bietet diese neue Form des Lernens den Vorteil, seine Zeit flexibel gestalten und einteilen zu können. Ferner verkürzt das Studieren ohne Hörsaal und Dozent die Studienzeiten. In Deutschland gibt es bereits drei virtuelle Universitäten, an denen Studenten mit dem Internet ihr Studium absolvieren können.
· An der Fernuniversität Hagen kann man viele virtuelle Studiengänge wie Jura, Informatik, Mathematik und Elektrotechnik belegen, die mit einem anerkannten Studienabschluß abschließen. Texte und Skripte zu den einzelnen Vorlesungen können über das Internet von den jeweiligen Teilnehmern abgerufen werden. „Verschickt sie heute noch tonnenweise Studienmaterialien per Post, wird sich Deutschlands größte Fernuniversität mit 55 000 Studenten mehr und mehr des Netzes der Telekom bedienen." Darüber hinaus hat der Student die Möglichkeit, gemeinsame Gespräche mit anderen Studenten oder dem Dozenten via E-Mail, Newsgroups, Chat und Videokonferenzen durchzuführen. „Die Studenten können über das Internet mit Bild- und Tonverbindungen Lerngruppen bilden oder sich per Videokonferenz mit dem Tutor kurzschließen." Selbst Prüfungen können schon über das Netz abgenommen werden. Informationen im Internet gibt es unter der Adresse : http://vus.fernuni-hagen.de
· Wirtschaftsinformatik wird an der virtuellen Uni Saarbrücken offeriert: http://lehre2000.iwi.uni-sb.de
· Die Uni Chemnitz bietet das Aufbaustudium „Informations- und Kommunikationssysteme" online an. In nur vier Semestern kann der Studiengang Informations- und Kommunikationssysteme abgeschlossen werden. Dabei bekommen die Studierenden die Informatik-Professoren der Technischen Universität Chemnitz / Zwickau nur dreimal zu Gesicht: Zum Studienbeginn und jeweils zu den zwei Klausuren am Ende des Semesters. „Die Chemnitzer Web-Vorlesungen richten sich in erster Linie an Berufstätige. 261 sind es bereits, die ausgestattet mit PC und Modem, auf die multimedial aufbereiteten Lehrinhalte zugreifen können." http://www.tu-chemnitz.de
Videobeispiel:
Studieren im Netz
Aus: Neues... (1997): Das Magazin. (3Sat), 23.06.97, 21:30-22:00
Wir müssen uns offen gegenüber der Vielfalt der multimedialen Möglichkeiten zeigen und diese ausprobieren. Nur so ist es möglich, eine gut durchdachte Auslese zu treffen, die den einzelnen Ansprüchen gerecht wird.
Folgende Unterrichtsformen eignen sich für den Computereinsatz besonders gut :
Die Präsentation vor den Mitschülern fördert das Selbstvertrauen, das sprachliche Ausdrucksvermögen und die Persönlichkeitsbildung. Gleichzeitig werden soziale Beziehungen untereinander positiv verstärkt; das gemeinsame Erarbeiten der Wissensinhalte fördert die Teamfähigkeit, die für das spätere Berufsleben von enormer Bedeutung ist! Der Nachteil dieser Unterrichtsform ist, daß sich nicht alle Schüler so intensiv mit den Thema auseinandersetzen können, wie dies bei der Präsentationsgruppe der Fall war.
Offener Unterricht strebt folgende Unterrichtsziele an:
· Rücksichtnahme auf jeden Schüler hinsichtlich der Verschiedenheit (Lerntempo / „Lernweg")
· Schüler sollen Selbständigkeit und Selbstverantwortung erlernen
· Methodenvielfalt kennenlernen und anwenden können z.B. selbständige Informationsbeschaffung und -erarbeitung, Planungskompetenz, Präsentationsformen usw.
· Schüler sollen über Fächergrenzen hinweg lernen (Zusammenhängendes/Verknüpfendes Lernen)
· Fähigkeit zu lebenslangem Lernen
· Lehrerrolle verschiebt sich in Richtung Lernberater
· Offener Unterricht geht auf Fragen und Interessen der Schüler ein
· Offener Unterricht schafft Beziehungen und Verbindungen zu außerschulischen Erfahrungen
In der Freiarbeit und im offenen Unterricht wird der Unterrichtsstoff verschiedener Fächer mit Hilfe von Multimediaprogrammen vor- und nachgearbeitet und gegebenenfalls vertieft. Auch hier werden mehrere Rechner im Klassenraum benötigt. Im Vergleich zum arbeitsteiligen Unterricht behandeln nun alle Schüler zu unterschiedlichen Zeiten ihre Themeninhalte in Verbindung mit Lernprogrammen.
Der Computer kann produktiv und effektiv in Projektarbeit integriert werden. Dabei stehen „Werkzeugprogramme" bzw. Anwenderprogramme wie z.B. Textverarbeitungsprogramme und Datenfernübertragungsprogramme im Vordergrund. Die Schüler arbeiten an einem bestimmten Projektausschnitt in Kleingruppen zusammen. Die Arbeit ist jedoch nicht auf das Klassenzimmer allein beschränkt, sondern wird verstärkt auf Medienräume, Werkstätten, freistehende Räume, Naturerkundungen usw. ausgeweitet.
In letzter Zeit wird verstärkt im Bereich der Telekommunikation Projektarbeit betrieben. Die Projektarbeit findet vorwiegend in sprachlichen und geschichtlichen Fächern Verwendung. So unterhalten sich z.B. im Fremdsprachenunterricht die Schüler aus verschiedenen Kontinenten miteinander und können gleichzeitig auf direktem Weg fremde Lebensweise und Kultur kennenlernen. Aus diesem internationalen Klassenverbund entstehen vielfach langjährige Korrespondenzfreundschaften. Auch die Schule knüpft mit Hilfe dieser Kommunikationsform schneller Kontakte zu ausländischen Schulen, um z.B. einen Schüleraustausch vorzubereiten. Die Schüler können sich bereits vor dem stattfindenden Schüleraustausch gegenseitig bekanntmachen.
Auch Zeitungsprojekte werden verstärkt an Schulen initiiert, die weltweit von allen Schulen via Internet abrufbar sind. Noch anspruchsvoller ist eine internationale Zeitung, die von Schülern mehrerer Kontinente zu verschiedenen aktuellen Themen gemeinsam erstellt und im weltweitem Netz der Öffentlichkeit präsentiert wird.
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