Mein erster intensiver Kontakt mit Multimedia wurde mir an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten vermittelt. Wegen der großen Motivation, die ich im Zentrum für Computernutzung an informationstechnischen Dingen hatte, konnte ich von nun an als Tutor fungieren. Dies ermöglichte mir noch tiefere Einblicke in die Welt der „Neuen Medien". Durch den näheren Kontakt mit Informatik-Professoren, wie z.B. Herrn Brenner, wurde ich auf das Computer-Camp-Projekt in Friedrichshafen aufmerksam. In gemeinsamen Gesprächen an der Multimediaakademie wurden die Konzeptionsvorstellungen zu einem Computerkurs für Kinder erarbeitet. Im späteren Verlauf leitete ich einen fünfwöchigen Pilotkurs, der sich schwerpunktmäßig mit der Textverarbeitung beschäftigte. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen hielt ich es für angebracht, meine Examensarbeit dem Thema „Multimediales Lernen im Unterricht" zu widmen.
Mittlerweile haben die Unterhaltungskonzerne und die Buchverlage Multimedia für sich entdeckt. Dieser Wirtschaftszweig verbucht zweistellige Wachstumsraten. Ständig kommen neue Titel und Themen auf den Markt, die bislang nur in gedruckter Form vorlagen und neuerdings auf CD-ROM erhältlich sind. Kinder und Jugendliche stehen den neuen Medien und Informationstechnologien weitgehend offener und weniger ängstlich gegenüber als dies bei den Erwachsenen der Fall ist. Der Umgang mit dem Computer hilft ihnen beim Erwerb von Kompetenzen, die für ihr zukünftiges Leben in der Informations- und Medienwelt von bedeutender Rolle sein werden.
Wir dürfen jedoch weder den Fehler begehen, die Möglichkeiten von Multimedia zu hoch zu bewerten, noch ihnen mit übertriebenen Ängsten gegenüber zu stehen. Der Bildungsbereich Schule wird sich diesen neuen Medien in naher Zukunft nicht länger entziehen können, sondern muß die Möglichkeiten einer pädagogisch sinnvollen Integration des Computers im Unterricht realisieren. Leider werden diesbezüglich die finanziellen Mittel immer knapper (vgl. dazu besonders Kap. 5). Deutschland kann es sich wirtschaftlich nicht leisten, der internationalen Entwicklung im Bildungsbereich hinterher zu hinken. Infolgedessen laufen an deutschen Schulen einige Pilotprojekte, die Aufschlüsse über die Möglichkeiten und Grenzen des Computereinsatzes im Unterricht liefern sollen.
Oft jedoch bleiben bei der Konzeption einer Multimedia-Anwendung kindgerechte, pädagogische, benutzerfreundliche und gestalterische Aspekte auf der Strecke, so daß die Vorteile von Multimedia nicht genutzt werden und ein herkömmliches Buch diese Thematik genauso und sogar vielleicht besser vermittelt hätte. Dennoch sind gelungene Multimedia-Programme eine echte Alternative zu der Computerspielsoftware, die vorrangig mit Gewalt- und Actionelementen arbeitet. Aufgrund der Tatsache, daß ich über das Thema Multimedia schreibe, muß ich mich in besonderer Weise um eine mediengerechte Präsentation bemühen, mit der Intention, die Verständlichkeit und die Lesemotivation zu forcieren. Ich habe mich deswegen sehr um die grafische und bildliche Aufbereitung bemüht.
In einem Zeitraum von mehr als zwei Jahren habe ich nahezu alle deutschen Fernsehsendungen aufgenommen, die in irgendeiner Weise etwas mit der Thematik „Multimedia in der Schule" zu tun hatten. Während dieser Zeit füllten sich bei mir zu Hause 17 Videokassetten mit Bildmaterial.
Es war für mich nicht einfach, die 68 Stunden Filmmaterial auf ca. 60 Minuten zu reduzieren, weil mir noch so vieles als wichtig und brauchbar erschien. Diese Video- und Audiobeispiele sollen die verschiedenen Kapitel besser erläutern und vertiefenden Charakter haben. Die Video- und Audiosequenzen tragen zusätzlich dazu bei, die positiven Aspekte von Multimedia zu veranschaulichen.
Das Durchforsten nach geeigneten Filmsequenzen, die Bearbeitung des Schnittes und die nachträgliche Digitalisierung und Komprimierung mit einer TV-Video-Karte gab mir Aufschluß darüber, wie aufwendig eine Multimedia-Produktion sein kann.
Die erstellte CD-ROM mit Text, Ton und Videosequenzen wurde in HTML programmiert und kann mit den gängigen Internetbrowsern wie z.B. mit dem Netscape Navigator (Communicator) oder mit dem Microsoft Internet Explorer sichtbar gemacht werden. Die Multimedia-CD-ROM befindet sich in einem Kuvert auf der zweitletzten Seite.
Die vorliegende Arbeit ist durch folgenden Aufbau gekennzeichnet: Im einführenden Kapitel 1 werde ich anfangs die historische Entwicklung im Blickfeld von Multimedia näher beleuchten. Im späteren Verlauf wird besonders auf die sozioökonomischen Auswirkungen durch Multimedia eingegangen. Ich möchte hierbei aufzeigen, in welchen Bereichen Multimedia unser Leben verändern wird.
Im folgenden Kapitel werde ich auf die verschiedenen Lernprogrammtypen eingehen und mich der Frage widmen, in welchem Maße der Computer in die Unterrichtsprozesse integriert werden kann.
Was sich hinter den Begriffen Multimedia und Medienkompetenz verbirgt, wird im Kapitel 3 näher erläutert. Aber wie auch bereits multimediales Lernen an deutschen und amerikanischen Schulen stattfindet, wird anhand zweier Pilotprojekte aufgezeigt. Diese Pilotprojekte liegen auch als digitalisiertes Videobeispiel auf der CD-ROM vor und können mit einem Internet-Browser oder AVI-Abspielsoftware angeschaut werden. Welche Unterrichtsformen dabei für die Schulpraxis in Frage kommen, wird am Ende dieses Kapitels dargestellt. Fest steht, daß unsere Bildungseinrichtung nicht starr bleiben darf, sie muß sich simultan zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozessen verändern, wie sie es auch bisher in ihrer historischen Entwicklung getan hat.
In welchem Umfang sich Schule, Schüler und Lehrer gegenüber den neuen Medien verändern müssen, wird im Kapitel 4 beschrieben. Welche Intentionen verfolgt die informationstechnische Grundbildung und wie ist sie im Unterricht an den deutschen Schulen verankert? Sind die technischen Voraussetzungen hinsichtlich der Computerausstattung an deutschen Schulen überhaupt vorhanden, um multimediales Lernen praktizieren zu können? Welchen internationalen Rang nimmt Deutschland im Vergleich zu anderen ausländischen Schulen dabei ein? Wie nutzen Jugendliche den Rechner in ihrer Freizeit? Die Antworten werden mit Hilfe von Erhebungen und Studien im Kapitel 5 gegeben und erläutert.
Das Computer-Camp an der Multimedia-Akademie in Friedrichshafen (Kapitel 6) soll einen Überblick geben, wie anspruchsvolle Textverarbeitung mit Kindern in Schulprojekten oder Freizeitaktivitäten eingesetzt und verwirklicht werden kann. Die daraus resultierenden Ergebnisse sind im Anhang einsehbar.
Abschließend möchte ich mich recht herzlich bei Herrn Prof. Dr. Decker bedanken, der mir bei einer Betriebserkundung der Multimediaakademie in Friedrichshafen die Anregung gab, die Examensarbeit multimedial zu gestalten. Ferner bedanke ich mich bei Herrn Prof. Dr. Brenner, der den Kontakt mit der Medienakademie hergestellt und dazu beigetragen hat, daß dieses Computer-Camp realisiert werden konnte. Schließlich möchte ich meiner lieben Freundin einen Dank aussprechen, die mich immer und besonders in schwierigen Stunden unterstützte.