Bulgarien in Ziffern und Daten;
Bulgarien gestern und heute

Abbildung 1 Bulgarien im Überblick

Allgemeines

Bulgarien ist ein relativ kleines Land und befindet sich im nordöstlichen Teil der Balkanhalbinsel. Die gesamte Fläche Bulgariens umfaßt 110 993,6 qkm.1. Im Norden bildet die Donau eine natürliche Grenze mit Rumänien, ebenfalls ist die Schwarzmeerküste im Osten eine natürliche Grenze. Im Westen grenzt Bulgarien an das ehemaligen Jugoslawien (mit den Republiken: Mazedonien und Serbien), im Süden an Griechenland und die Türkei.2 Die geographische Lage Bulgariens macht es zu einem bedeutenden Knotenpunkt internationaler Verkehrsverbindungen. Hier kreuzen sich die wichtigsten Wege, die Nord- und Osteuropa mit dem Ägäischen und dem Mittelmeer einerseits, andererseits West- und Mitteleuropa und Adria mit dem Schwarzen Meer und dem Nahen und Mittleren Osten verbinden.3 (siehe Abbildung 1 Bulgarien im Überblick) Hauptstadt von Bulgarien ist Sofia, die im Zentrum der Balkanhalbinsel liegt, am Schnittpunkt der oben erwähnten Wege. Sofia gehört zu den ältesten Städten Europas, ja sogar der Welt. Die ersten Spuren menschlicher Siedlungen datieren aus der Neusteinzeit, also von vor 8000 Jahren.4

Bevölkerung

Das bulgarische Volk ist als sehr fleißig, friedvoll und außergewöhnlich geduldig bekannt. Größter Wunsch, Ziel und Traum eines jeden Bulgaren ist es, im Laufe seines Lebens ein eigenes Haus zu bauen. Die Bevölkerung des Landes betrug, gerechnet bis zum 31.12. des jeweiligen Jahres in Tausenden:

Tabelle 1 Bevölkerungszahlen:

1960 1970 1980 1990 1991 1992 1993
7905,5 8514,9 8876,6 8669,3 8595,5 8484,9 8459,8

Quelle:5

Verfolgt man die Daten nach Jahren, so zeigen sie eine relative Stabilität, aber ab dem Jahre 1990 ist eine Tendenz zur Verringerung der Bevölkerung zu sehen. Beweis dafür ist auch die Tabelle für den gesamten jährlichen Zuwachs der Einwohner Bulgariens:

Tabelle 2 Bevölkerungszuwachs in %:

1960 1970 1980 1990 1991 1992 1993
9,7 6,0 3,4 -11,3 -8,6 -13,0 -3,0

Quelle: 6

Der ganz extrem negativen Zuwachs erreicht im Jahre 1992 sein Höhepunkt. Das bedeutet, daß die Bevölkerung immer älter wird, da die jüngere Generation auch von Jahr zu Jahr weniger wird. Eindeutig dafür sprechen auch die folgenden Tabellen:

Tabelle 3 jährliche Geburten in %

1960 1970 1980 1990 1991 1992 1993
17,8 16,3 14,5 12,1 11,1 10,4 10,0

Quelle: 7

Tabelle 4 jährliche Todesfälle in %

1960 1970 1980 1990 1991 1992 1993
8,1 9,1 11,1 12,5 12,8 12,6 12,9

Quelle:8

Analytiker, Wissenschaftler und Politiker erklären das mit der schweren Krise, die Bulgarien erlebt nach dem Umbruch des sozialistischen Systems im November 1989. Die traurigsten Prognosen erwähnen immer mehr eine langsame Assimilation des bulgarischen Volkes. Das bulgarische Volk besteht nach den letzten Daten der Zählung vom 04.12.1992 aus den folgenden ethnischen Gruppen:

Tabelle 5 ethnische Gruppen:

Total:

8 487 317

Bulgaren:

7 271 185

Türken:

800 052

Zigeuner:

313 396

Tartaren:

4 515

Juden:

3 461

Armenier:

13 677

Circassian:

573

Gagaouzen:

1 478

Andere:

70 499

Unbekannt:

8 481

Quelle: 9

Der religiöse Glaube der Bevölkerung ist hauptsächlich Griechisch - Orthodox, was man auch durch die offiziellen Daten sehen kann:

Tabelle 6 religiöse Gruppen:

Total:

8 487 317

Christen:

7 349 544

Moslem:

1 110 295

Andere:

18 997

Unbekannt:

8 481

Quelle: 10

Kurze Geschichte

Offiziell existiert Bulgarien als Staat nach der bulgarischen Geschichte seit dem Jahre 681. In 1981 feierten die Bulgaren 1 300 Jahre seit der Begründung des Landes. Die älteste bekannte Volksgruppe, die auf dem Territorium des heutigen Bulgarien gewohnt hat, sind die "Thraken", die eine reichhaltige Kultur hinterlassen haben.11 Zusammen mit den Protobulgaren und mit den Slawen haben sie den Grundstein des Landes gelegt. Eine bedeutende Rolle für die historische Entwicklung des Landes spielt die Annahme und Anerkennung des Christlichen (Orthodoxen) Glaubens als offizielle Religion im Jahre 864. 12

Im neunten Jahrhundert wurde die bulgarische bzw. die kyrillische Schrift erstellt. Sie wurde von den beiden bulgarischen Brüdern Kiril und Methodi entworfen und später durch ihre Schüler verbreitet. Zu Ehren der beiden Autoren wurde die Schrift auch "kyrillisch" genannt. Diese Schrift verwenden bis heute nicht nur die Bulgaren, sondern auch die Russen, Mazedonen u.a. Völker. So wurde Bulgarien das erste slawische Buch- und Kulturzentrum.
Ein besonders dramatische Zeit ist das 500-jährige Joch der Bulgaren unter der türkischen Macht. Eine Zeit grausamer, feudaler Ausbeutung, politischer Ungerechtigkeit, Willkür und Gewalt gegenüber der bulgarischen Bevölkerung.
13 Es wurde versucht, die Bevölkerung national und religiös zu diskriminieren und zu assimilieren. Trotz allem ist dies den Türken nicht gelungen und mit großer Mühe und Kampf haben sich die Bulgaren als Volk erhalten. Im Jahre 1878 wurde das Land mit Hilfe der Russen vom türkischen Joch befreit. Heutzutage leben die Bulgaren mit den Türken im Lande(siehe Tabelle der Nationalitäten), sowie außerhalb des Landes - die südlichen Nachbarn - in Frieden und unterhalten diplomatische Beziehungen.
Zwei Daten sind für jeden Bulgaren sehr wertvoll und werden in Ehren gehalten : der 3. März, Tag der Befreiung von den Türken und der 24. Mai - Tag der kyrillischen Schrift.

Am 9.9.1944 beginnt die Besetzung Bulgariens durch die Rote Armee. Es ist gleichzeitig der Beginn einer neuen Epoche für das Land - des totalitären Regimes, des Kommunismus, der sowjetischen Orientierung und Angleichung. Das bedeutet auch, daß viele Traditionen der Bulgaren auf zahlreichen Gebieten, besonders auf dem der Kultur völlig liquidiert wurden.

Wirtschaftliche Entwicklung

Bulgarien war vor 1944 als ein Agrarland bekannt. Es wurde ähnlich wie in Ungarn viel Obst und Gemüse angebaut. Früher wurden viele bulgarische Gärtner wegen ihrer Fähigkeiten und Talente auch im Ausland gefragt.14 Ganz typisch waren und sind die Zucht von Tomaten, Weintrauben, Tabak, Rosenblüten (wegen des Rosenöls), Schafe (Schafskäse)u.a.
Im ehemaligen Ostblock war das Land Hauptexporteur von Tomaten, Weintrauben und Pfirsichen nicht nur in den sogenannten "Bruderländer", sondern auch für einige kapitalistische Länder, darunter auch die BRD. Von den Weintrauben werden nach alter nationaler Tradition Rot- und Weißweine produziert. Einige Sorten darunter wie "Merlot", "Misket", "Cabernet", "Muskat", "Traminer", "Gamza", "Rosenthaler Kadarka" sind besonders beliebt in Ländern wie Großbritannien, Kanada und der BRD. Für Jahre im voraus werden Verträge abgeschlossen für den Export der entsprechenden Weine.

Das Rosental bekam seinen Namen durch die Rosenbüsche, die dort angesetzt sind. Es besteht aus großen Flächen, die mit speziellen, ölgebenden Rosen besetzt sind. Im Mai jedes Jahres ab 3.00 bis 8.00 Uhr am Morgen werden nur die Blätter gepflückt. Für die Produktion von nur 1 Liter Rosenöl werden tonnenweise Blätter benötigt. Deshalb sagt man, daß der Preis des Rosenöls mit dem des Goldes vergleichbar ist. Das bulgarische Rosenöl ist sehr wichtiger und unentbehrlicher Bestandteil berühmter französischer Parfüms.
Traditionen hat das Land auch im Tabakanbau, was eine sehr harte, verantwortungsvolle und ziemlich lange saisonmäßige Arbeit ist. Vorwiegend die Türken beschäftigen sich mit dem Tabak. Der bulgarische Tabak unterscheidet sich mit seinem Aroma und Würze und ist mit einigen Sorten "Virginia" der USA vergleichbar. Jahrelang wurde bulgarischer Tabak auch für die BRD exportiert. Im Jahre 1923 wurde die Tabakernte in Bulgarien besonders gut und erfolgreich und wurde in großen Mengen nach Deutschland geliefert. Zu Ehren dieser Ernte wurden die deutschen Zigaretten, die davon produziert wurden, „Ernte 23" genannt. Der deutsche Tabakkonzern "Reemstma" kaufte und verarbeitete die bulgarischen Tabakblätter, finanziert durch die Kreditbank.
15

Der erste Vertrag zwischen Bulgarien und Deutschland wurde am 24. August 1915 in Sofia abgeschlossen und war für Freundschaft und Bündnis. Später entstanden die bulgarisch - deutschen Clearing - Verträge, der erste im Jahre 1939 und der zweite 1940. Deutschland hielt jahrelang den ersten Platz im Ex- und Import Bulgariens.16

Tabelle 7 Anteil deutscher Export - Import:

Jahr: %
1926 23
1930 25
1939 65,5 bis 67,8
1944 Import: 75,1
1944 Export: 89,0

Quelle:17

Bulgarien ist auch als Touristenland bekannt. Die günstigen klimatischen Bedingungen, das kulturhistorische Erbe, die Denkmäler, die Kirchen und die Kloster, die Schwarzmeerküste und die Gebirge ziehen Touristen aus aller Welt an.18

Von einer industriellen wirtschaftlichen Entwicklung kann man erst ab dem Jahre 1944 sprechen. Nach den Weisungen, die aus der ehemaligen UdSSR kamen und für die meisten sozialistischen Länder dieselben waren, wurde das grüne Licht einer schnellen, großen und umfangreichen Industrie gegeben. Es wurden zum ersten Mal Berufsgebiete geplant, die früher nie erwähnt worden waren, wie z.B.: Metallurgie, Maschinenbau; später Elektronik, Robotertechnik, Atomkraftwerke u.a..

Hier wollen wir auch einige Beispiele von anderen Ländern geben. Rumänien wurde vor dem Zweitem Weltkrieg auch wie Bulgarien als ein Agrarland bekannt. Im Jahre 1938 wurde das gesamte Nationaleinkommen durch landwirtschaftliche Produktion erwirtschaftet.19 Mit der Änderung des politischen Systems wurde in den fünfziger Jahren die Industrialisierung, besonders im Maschinenbau und der Petrochemie, stark forciert. 20 Stark ausgeprägt ist diese Richtlinie der industriellen Entwicklung auch in Polen zu sehen und besonders stark wieder in den 50-er Jahren.

"In den 50-er Jahren entstanden auch zahlreiche berufliche Schulen in Fachrichtungen, die es vorher überhaupt nicht oder nur vereinzelt gegeben hatte, wie Bergbau, Bauwesen, Metallurgie, Energetik, Ernährung, Verkehrswesen.".21

Die Erfahrungen der ehemaligen DDR sprechen auch eindeutig dafür. In den Bildungspolitischen Zielen des ehemaligen Ministeriums für Volksbildung entdecken wir Begriffe wie :

Ausrichten auf die wirtschaftlichen Erfordernisse;

Orientierung am sowjetischem Vorbild und schöpferische Aneignung ihrer schulpolitischen und pädagogischen Erfahrungen;

Entwicklung eines Erziehungs-, Bildungs- und Ausbildungssystems auf höchstem Niveau." 22

Natürlich könnte man noch zahlreiche Beispiele geben, die immer wieder kurz gefaßt uns das Bild der Planwirtschaft in allen Bereichen des Lebens, der materiellen und intellektuellen Arbeit geben.

 

Bulgarien nach der Wende im November 1989

Den Umbruch des Systems kann man auch anhand der Daten der offiziellen bulgarischen Statistik verfolgen und analysieren. Um einen besseren Überblick zu bekommen, werden sie nach folgenden Kriterien eingeordnet:

Anteil der staatlichen Produktion und Zweige der Wirtschaft

Anteil des privaten Sektors

Arbeitslosigkeit

Inflation

Einkommen, Gehälter, Renten und Preise.

 

Anteil der staatlichen Produktion und Wirtschaftszweige

Viele staatliche Betriebe und Fabriken waren wegen ihrer uneffektiven und unrentablen Arbeit und Technologien nicht konkurrenzfähig und durch schlechte Produktion und Mangel an Materialien und Rohstoffen geschlossen oder teilweise reduziert. Die Import - Export - Verhältnisse im Rahmen des Ostblocks wurden auch schon durch Devisen geregelt. Viele Arbeiter und hochqualifizierte Spezialisten wurden zunehmend entlassen.

Die untenstehende Tabelle zeigt uns die Beschäftigungszahlen in einigen (staatlichen) Branchen der nationalen Wirtschaft. Die Branchen sind ganz zufällig ausgewählt.

Tabelle 8 Beschäftigungszahlen

Branchen:

1989

1990

1991

1992

1993

Industrie

1.570.354

1.491.662

1.125.146

1.013.902

891.540

Bauwesen

343.674

315.473

221.729

173.788

133.600

Landwirtsch.

701.893

650.873

552.673

374.032

223.834

Bildung

274.054

275.935

270.407

263.389

259.756

Quelle:23

In den Produktionsbranchen ist das Personal ganz drastisch reduziert - 2 bis 3fach, was natürlich auch zu negativen sozialen Folgen führte. Eine relative Stabilität ist bei der Bildung zu sehen, da der Lehrerberuf gestern wie heute wegen schlechter Arbeitsbedingungen nicht besonders attraktiv war und ist. (siehe Tabelle der Gehälter) Nach Angaben des bulgarischen Bildungsministeriums MONT gibt es für das Jahr 1995 insgesamt für das ganze Land 120 000 Lehrerplätze, davon - bis September -
1 816 nicht besetzt.
24

Nach der offiziellen Meinung der Gewerkschaft hat der bulgarische Lehrer ein besseres Schicksal verdient, da er bei einem durchschnittlichen Gehalt von ca. 90 Dollar unter sehr schweren Arbeitsbedingungen und mit einer unwahrscheinlichen Selbstaufopferung arbeitet.25

Anteil des privaten Sektors

Die ersten privaten Firmen entstanden auch zunehmend nach 1989. Vorwiegend waren das kleine Unternehmen in bestimmten Branchen wie: Bäckereien, Konditoreien, kleine Textiliengeschäfte, "Boutiques", Friseursalons, Immobilienhändler, Vermittlung, Übersetzungen, kleine Hotels, Restaurants und Lebensmittelgeschäfte, Taxi - Transport, Dienstleistungen, Apotheken u.a.. Alle hatten einen komplizierten und labyrinthhaften Weg, oft mit vorangegangenen unschätzbaren Schwierigkeiten, Krediten, Hypotheken. Nicht selten gingen einige davon pleite oder waren gezwungen, andere Tätigkeiten zu suchen. Zum ersten Mal kam im täglichen Leben der Begriff der „Konkurrenz" auf, Arbeit von 12 und mehr Stunden am Tag, auch manchmal am Wochenende.

Tabelle 9: Beschäftigung im privaten Sektor in %:

Branchen:

1989

1990

1991

1992

1993

Insgesamt

5,5

5,9

10,1

17,7

28,3

Industrie

0,5

0,5

0,9

1,2

2,4

Bauwesen

0,1

0,3

0,7

0,9

2,1

Landwirt.

3,8

3,9

4,8

9,7

14,4

Transport

0,1

0,2

0,5

0,5

1,2

Handel

0,5

0,6

2,4

4,3

5,8

Quelle: 26

Der Akzent fällt auf die Branchen Landwirtschaft und Handel, die aber nicht genügen, um das Land aus der Krise herauszuführen.
Sehr beunruhigend ist die Lage der Industrie, die sich außergewöhnlich langsam entwickelt, da sie großer Investitionen bedarf, die zur Zeit nicht vorhanden sind, großes Produktionsrisiko hat u.a. Auch die Westkreditoren und Unternehmer sind wegen der großen Auseinandersetzungen zwischen den politischen Kräften im Lande, der politischen Instabilität, des Chaos und der Unsicherheit sehr vorsichtig und reserviert.

Arbeitslosigkeit

Als eine der sozialen Folgen der schweren politischen und wirtschaftlichen Situation im Lande kam die Arbeitslosigkeit. In einigen Familien wurde das als schwerer Psychoschock aufgenommen. Untenstehende Tabelle entspricht lediglich der Zahl der offiziell in den Arbeitsämtern registrierten Personen. Die genaue Zahl ist nicht zu ermitteln, da sich nicht alle unbedingt registrieren lassen.

Tabelle 10 in Bulgarien registrierte Arbeitslose:

Jahr:

1991

1992

1993

Total:

419.123

576.893

626.141

Mit Studienabschluss:

34.158

34.930

30.365

Quelle:27

 

Die Tendenz zeigt wieder eine Steigerung der Arbeitslosigkeit von Jahr zu Jahr. Diejenigen mit Hochschulabschluß haben eine gewisse Flexibilität gezeigt und haben entweder private Firmen gegründet, sich umqualifiziert, sind ausgewandert, oder haben eine Arbeit mit niedrigerer Qualifikation übernommen.

Inflation

Die Inflation ist auch eine Nebenwirkung der geänderten sozialwirtschaftlichen Situation. Diese Erscheinung begleitet alle Länder des ehemaligen Ostblocks. Zum ersten Mal, ähnlich wie in Polen, wurde über "Preispolitik", "Schocktherapie" der Preise u.a. gesprochen. Nach der offiziellen Statistik entwickelt sich die Inflation folgendermaßen:

Tabelle 11 Jährliche Inflation in %

Monat

1992

1993

1994

 

105,40

106,90

103,77

 

106,30

104,74

104,60

 

103,50

105,57

107,45

 

103,60

103,90

121,69

 

110,90

105,30

107,88

 

105,40

104,09

104,12

 

103,20

100,96

100,63

 

101,80

102,55

105,22

 

104,50

103,83

111,01

 

104,90

104,21

106,90

 

105,50

104,55

104,50

 

103,90

103,93

104,50

Quelle:28

Diese Tabelle gibt eine ziemlich abstrakte Vorstellung der Inflation. Es wäre interessant, diese Inflation mit der in anderen Ländern zu vergleichen, aber es ist nicht das Ziel unserer Untersuchung. Eine bessere Vorstellung und Erläuterung der finanziellen Lage des Landes bekommt man im nächsten Absatz.

 

Einkommen, Gehälter, Renten, Preise

Die untenstehenden Gehälter umfassen nur einige Gruppen des gesamten Personals, die im staatlichen Sektor beschäftigt sind. Das Einkommen der Arbeitskräfte in den privaten Firmen wird nicht veröffentlicht.

Tabelle 12 Gehälter (1)

Branche, Tätigkeit. Mittleres Bruttoeinkommen (Lewa) Entsprechung in DM
1.Gesundheitswesen

5 237

109,56

2.Bildungswesen

4 916

102,85

3.Kultur

4 702

98,37

4.Sozialwesen

5 122

107,15

Quelle:29

Vermerke:* Die Gehälter sind in Kraft getreten seit dem 1. April 1995.* Die Daten in DM sind nach meine eigene Verrechnungen, gemäß dem offiziellen Devisenkurs der BNB (Bulgarische National Bank) vom 1. April 1995: 1 DM = 47,80 Lewa.

Die Intensität der Änderungen in der Finanzpolitik des Landes zeigt auch eine ähnliche Tabelle, die nur 3 Monate später, am 1.Juli 1995 im Kraft getreten ist.

Tabelle 13 Gehälter (2)

Branche, Tätigkeit. Mittleres Bruttoeinkommen (Lewa) Entsprechung in DM
1.Gesundheitswesen

5 462

114,50

2.Bildungswesen

5 127

107,48

3.Kultur

4 904

102,81

4.Sozialwesen

5 342

111,99

Quelle:30

Vermerk: Beträge in DM sind meine eigene Verrechnungen nach dem offiziellem Devisenkurs des Tages am 1. Juli 1995 der BNB: 1 DM = 47,701 Lewa.

 

Renten:

Besonders kritisch ist in der Gegenwart die Lage des bulgarischen Rentners. Eine Orientierung dafür gibt uns die Tabelle der Renten. Sehr oft sind die Rentner gezwungen, eine zusätzliche Arbeit oder Tätigkeit zu suchen, um ihr eigenes Leben zu verbessern.

Tabelle 14 Renten

Jahr:

1989

1990

1991

1992

1993

Jahresrente(Lw.)

1.401

1.680

5.157

8.040

13.066

 

Jahr:

1992

1993

Währung:

Lewa

DM

Lewa

DM

Jahresrente:

8.040,00

540,00

13.066,00

742,40

Monatsrente:

670,00

45,00

1088,80

61,87

Quelle: 31

Um die Daten zu aktualisieren haben wir die Renten nur für die Jahre 1992 und 1993 in DM verrechnet nach dem offiziellen Devisenkurs der BNB für die jeweiligen Jahre.

Tabelle 15 Devisenkurse.


Monat

Kurs:
DM/Lewa
1992

Kurs:
DM/Lewa
1993

 

14,850

16,230

 

14,727

16,283

 

14,149

16,292

 

13,915

16,721

 

14,227

16,547

 

15,150

15,723

 

15,305

15,832

 

15,795

16,439

 

15,854

17,425

 

15,393

17,481

 

15,410

18,164

 

15,170

18,985

Quelle:32

 

Preise:

Eine besonders gute Vorstellung von der ständig steigenden Inflation kann man auch durch die Preise der Waren bekommen. Es ist gleichzeitig eine Orientierung über das Vermögen und die Einkaufsmöglichkeiten der Bulgaren. Es werden die Preise von 10 Produkten verfolgt. Es sind vorwiegend Produkte, die unentbehrlich für jeden Bulgaren sind und die fast immer in dem täglichen Menü vorkommen. In den beobachteten Jahren: 1992 und 1993 wurden ca. 45% der Ausgaben jedes Haushalts für Lebensmittel ausgegeben und nur ca. 3,5% für Bildung und Freizeit.33 An erster Stelle im Verbrauch rangieren Brot und Brotprodukte, Gemüse, Obst, Schafskäse, Milch und Joghurt.34 Aus diesen Gründen sind nur Lebensmittel als Beispielprodukte gegeben.

Tabelle 16 Lebensmittelpreise (1 kg):

Jahr:

1992

1993

Preis: Lewa DM Lewa DM
1. Weißbrot

4,66

0,31

7,51

0,43

2. Weizenmehl

11,11

0,75

17,84

1,01

3. Schweinefleisch

41,96

2,82

66,11

3,76

4. Schinken

72,07

4,84

120,89

6,87

5. Sonnenblumenöl

14,84

1,00

21,89

1,24

6. Milch

3,95

0,27

7,96

0,45

7. Schafskäse

34,28

2,30

64,29

3,65

8. Bohnenkaffee

82,34

5,53

100,87

5,73

9. Tomaten

5,25

0,35

9,82

0,56

10.Weintrauben

9,62

0,65

17,42

1,00

Quelle: 35

Vermerk: Die Preise in DM sind nach meine eigene Verrechnungen, gemäß den offiziellen Devisenkurs der BNB für die Jahre 1992 und 1993.

So konnte sich ein Rentner im Jahre 1992 im Monat z.B. 45 l Sonnenblumenöl oder ca. 9 kg Kaffee oder 10 kg Schinken kaufen usw.

Ähnliche Überlegungen könnte man auch für die Renten im Jahre 1993 machen, für die Einkaufsmöglichkeiten der Angestellten im staatlichen Sektor u.a.

Diese Studie zielt vor allem darauf ab, einen kurzen Überblick über einige Seiten des bulgarischen Lebens zu geben und nicht auf eine ausführliche Analyse der Wirtschaft im Lande. Hauptziel der Untersuchung ist vor allem das Bildungswesen im Lande, das Berufsbildungssystem, deren Geschichte, Entwicklung, Besonderheiten und Tendenzen.