Die Arbeitsmarktstruktur in Bulgarien vor und nach der Wende im Vergleich

Die Arbeitsmarktstruktur vor der Wende

Der untersuchte Zeitraum vor der Wende von 1980-1989 wurde beliebig ausgewählt und soll einen Überblick über die Phase des sogenannten entwickelten Sozialismus geben.

Aus den folgenden Tabellen kann man deutlich erkennen, daß Bulgarien in diesem Zeitabschnitt ein entwickeltes industrielles Land ist und unter den anderen ehemaligen sozialistischen Ländern keine Ausnahme bildet. Über 1/3 des gesamten arbeitsfähigen Personals ist in der Industrie beschäftigt und davon sind fast die Hälfte Arbeiter.

Tabelle 1: Beschäftigtenzahlen nach Wirtschaftszweigen(%)

Wirtschaftszweige

1980

1983

1984

1985

1986

1987

1990

Allgemein

100

100

100

100

100

100

100

Industrie

34

34,3

34,4

34,5

34,4

35

35,6

Bauwesen

8,5

8,6

8,7

8,8

8,8

8,8

8,7

Landwirtschaft

23,8

22,5

22

21,5

20,8

20,1

19,3

Forstwirtschaft

0,4

0,4

0,4

0,4

0,6

0,6

0,6

Transport

6,4

6,4

6,3

6,3

6,5

6,3

6,3

Kommunikation

1

1

1

1

1,1

1,1

1,1

Handel, mat.Versorgung

8,2

8,7

8,7

8,7

8,8

9

8,8

Andere produzierende

0,7

0,8

0,8

0,6

0,6

0,6

0,6

Wohnungsversorgung

1,3

1,2

1,3

1,3

1,4

1,4

1,5

Wissenschaft

1,6

1,8

1,9

2

2

2,1

2,2

Bildung

6

6,3

6,4

6,4

6,6

6,5

6,7

Kultur und Kunst

1,1

1,1

1,2

1,2

1,2

1,1

1,1

Gesundheitswesen

4,6

4,8

4,8

4,9

5

5

5,2

Finanzen

0,5

0,5

0,5

0,5

0,5

0,6

0,6

Geschäftsführung

1,5

1,3

1,3

1,3

1,3

1,4

1,4

Andere nicht produz.

0,4

0,3

0,3

0,4

0,4

0,4

0,3

 

Tabelle 2: Anteil der Arbeiter an den Beschäftigten (%)

Wirtschaftszweige

1980

1983

1984

1985

1986

1987

1990

Allgemein

100

100

100

100

100

100

100

Industrie

42,4

43,5

43,7

44,1

44,7

45,6

46,7

Bauwesen

9,8

10,2

10,4

10,6

10,9

11

10,8

Landwirtschaft

28,3

26,5

26

25,2

25

24

22,7

Forstwirtschaft

0,6

0,5

0,5

0,5

0,8

0,8

0,9

Transport

8,6

8,6

8,6

8,6

8,8

8,6

8,6

Kommunikation

1,3

1,4

1,4

1,5

1,5

1,5

1,5

Handel, mat.Versorgung

8,4

8,6

8,7

8,8

7,9

8,1

8,4

Andere produzierende

0,6

0,7

0,7

0,7

0,4

0,4

0,4

Beschäftigung nach Wirtschaftszweigen

Tabelle 1, Tabelle 2 und Tabelle 3 zeigen uns eine relativ stabile Entwicklung der Industrie im Land, aber eine augenfällige Abnahme der Beschäftigten in der Landwirtschaft. In knapp 10 Jahren beträgt der Rückgang des Personals in diesem Zweig fast 5%, was für ein ehemaliges Agrarland wie Bulgarien sehr bedeutend und beunruhigend ist. Ein Beweis dafür sind auch die damals unter den Studenten und Schülern ab 14 Jahre vorgeschriebenen Arbeitseinsätze vorwiegend in der Landwirtschaft.1

Tabelle 3: Beschäftigte in der Wirtschaft in %

Wirtschaftszweige

1980

1985

1988

Industrie

35,2

37,3

38,1

Bauwesen

8,2

8,4

8,3

Landwirtschaft

23,8

20,4

19,2

Transport

5,9

5,7

5,7

Handel,mat. Versorgung

8

8,4

8,5

Andere

18,9

19,8

20,2

Tabelle 1 bis Tabelle 3 Quelle: 2

Tabelle 4 zeigt uns eine leichte Tendenz der Abnahme in der Industrie um ca. 1,5%. Die rückläufigen Tendenzen in Industrie und Landwirtschaft zeugen von einem allmählich sich verschlechternden Lebensstandard der Bevölkerung.

Tabelle 4: Beschäftigte nach Branchen in %

Jahr

1980

1985

1988

Produktion

83

82,2

81,5

Nicht Prod.

17

17,8

18,5

Quelle:3

Tabelle 5: in der Wirtschaft beschäftigte Frauen in Tausenden.

Jahr

1980

1985

1988

Insgesamt

1870

1920

2700

davon Arbeiterinnen

1267

970

850

Quelle:4

Tabelle 5 zeigt uns die Beschäftigung von Frauen im Land. Im Sozialismus ist eine hohe Beschäftigungsquote unter Frauen zu verzeichnen. Fast die Hälfte sind Arbeiterinnen, allerdings mit rückläufiger Tendenz und statt dessen einer Steigerung der Beschäftigten in den nicht produzierenden Wirtschaftszweigen. Der Begriff „Hausfrau” kommt in der Beschäftigungsliste fast nicht mehr vor.

 

Bildung und Berufsbildung

Tabelle 6: Arten von Schulen bis 1989

Arten von Schulen 1980/81 1983/84 1984/85 1985/86 1986/87 1987/88 1988/89
Insgesamt

4229

4209

4182

4190

4187

4187

4231

ESPU

3577

3521

3496

3508

3501

3489

3516

Spezielle

129

130

129

129

128

128

129

PTU

3

3

3

3

4

3

3

SPTU

297

274

272

267

260

261

262

Techn.,Kunstschulen

234

229

231

232

237

248

265

Technika nach Abitur        

8

9

10

Halbhochschulen

24

22

21

21

19

16

16

Hochschulen

29

30

30

30

30

30

30

Tabelle 7: Anzahl der Schüler bis 1989

Arten von Schulen 1980/81 1983/84 1984/85 1985/86 1986/87 1987/88 1988/89
Insgesamt

1457848

1523500

1555065

1583534

1616727

1631402

1631402

ESPU

1092299

1202558

1229864

1244369

1261544

1260042

1234851

Spezielle

17420

17101

16944

16947

17272

16764

16587

PTU

1514

1451

1430

1461

1292

1343

1586

SPTU

149686

115038

114299

114036

110615

106654

107964

Techn.,Kunstschulen

97575

91102

90716

95651

104953

115036

124953

Technika nach Abitur        

1332

4671

7120

Halbhochschulen

14024

9975

9126

9536

10428

11019

11377

Hochschulen

85330

86275

92636

101507

109291

116407

126964

Quelle:5

Tabelle 6 und Tabelle 7 zeigen uns die Anzahl der Schulen und Schüler in dem selben Zeitabschnitt. Alle Arten von Schulen außer dem Technikum zeigen eine gewisse Stabilität. Die Zunahme der Technika um 31 Schulen und ca. 28.000 Schüler in knapp 10 Jahren ist bedeutend für ein kleines Land wie Bulgarien. Sie reflektiert ein Vertrauen zu dieser Art von Schulen und vor allem der erwünschten Doppelqualifikation, die hier erworben wurde. Letzteres ist auch der Grund, der im Schuljahr 1986/1987 zur Eröffnung von 8 neuen Technika geführt hatte mit ca. 1000 Schülern, die bereits im Gymnasium das Abitur absolviert hatten. Diese hatten die Notwendigkeit einer Doppelqualifikation erkannt, nachdem sie im Berufsleben gescheitert waren.

Tabelle 8: Absolventen nach Schularten bis 1988

Art der Schule 1945-1950 1956-1960 1961-1965 1966-1970 1971-1975 1976-1980 1981-1985 1986-1988
Gymnasium

139342

104222

129205

149343

148365

164145

158985

131517

PTU

23533

58002

106035

129438

84852

12386

3410

1744

SPTU    

2631

27597

118319

193063

190752

103000

Techn.,Kunstschulen

37319

68752

108343

172290

195331

164701

125014

74063

Technika nach Abitur              

908

Halbhochschulen

6244

8467

17633

21707

22516

60647

24246

10827

Hochschulen

17860

29591

35024

59275

71148

93881

80560

49174

Quelle:6

 

Tabelle 8 gibt uns durch Ziffern eine bessere Vorstellung über die Entwicklung der Schulen. Die Periode 1945-1950 ist von folgenden Schularten gekennzeichnet: Allgemeinbildende Schulen, Technika und Berufsschulen ohne Abitur. Eine große Stabilität in der Zahl der allgemeinbildenden Schulen sowie der Abiturienten ist zu erkennen. Erst im Zeitabschnitt 1961-65 wird die dritte Art von Berufsschulen „SPTU” (3-jährig mit Abitur) gegründet, in welchen bis zum Jahre 1986-1988 eine 5-fache Anzahl von Absolventen ihre Bildung abschlossen. Auch an diesen Daten ist die Industrialisierung des Landes und ein dadurch erhöhter Bedarf an Fachkräften bzw. qualifizierten Arbeitern eindeutig zu erkennen. Die oben angeführten Beobachtungen über die Anzahl der Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren, die ihre Bildung in allgemeinbildenden sowie Berufsschulen absolvieren, werden auch durch Untersuchungen der UNESCO bestätigt. So sind dies z.B. im Jahre 1975 in den mittleren Schulen 89% aller Jugendlichen in Bulgarien, in den Nachbarländern Griechenland 78%, Albanien 65%, Rumänien 65%, Türkei 29%.7 Das Streben der jungen Leute zur Bildung, das in Bulgarien traditionelle Wurzeln hat, ist unbestritten und wandelt sich in den letzten Jahren zu einem regelrechten Bildungsboom.

Als von uns zu beobachtende Wirtschaftszweige, die in der offiziellen Statistik aufgezählt sind, wählen wir folgende aus: Industrie, Bauwesen und Landwirtschaft, da sie eine bedeutende Rolle für die Entwicklung jedes Landes spielen.

 

Beziehungen Wirtschaft - Bildung - Berufsbildung

Tabelle 9 Anzahl der PTU´s bis 1989

PTU nach Art 1980/81 1983/84 1984/85 1985/86 1986/87 1987/88 1988/89
Insgesamt

3

3

3

3

4

3

3

Industrie, Bauwesen        

1

1

1

Land- u. Forstwirtsch.

3

3

3

3

2

2

2

Tabelle 10 Anzahl der SPTU´s bis 1989

SPTU nach Art 1980/81 1983/84 1984/85 1985/86 1986/87 1987/88 1988/89
Insgesamt

297

274

272

267

260

261

262

Industrie, Bauwesen

271

252

250

247

240

240

240

Land- u. Forstwirtsch.

20

18

18

17

17

16

16

Tourismus, Wirtschaft

6

4

4

3

3

5

6

Tabelle 11 Anzahl der Technika bis 1989

Technikum nach Art 1980/81 1983/84 1984/85 1985/86 1986/87 1987/88 1988/89
Insgesamt

234

229

231

232

237

248

265

Technikum

231

215

217

218

223

234

251

Industrie

110

109

110

112

116

127

138

Bauwesen

18

17

17

18

19

20

20

Landw. Maschinen

11

11

11

10

10

10

11

Land- u. Forstwirtsch.

18

19

20

20

20

19

20

Transport

3

3

3

3

3

4

4

Kommunikation

2

2

2

2

2

2

2

Wirtschaft

34

30

30

28

30

30

32

Medizin

16

15

15

16

14

13

15

Gastronomie

9

9

9

9

9

9

9

Kunstschulen

13

14

14

14

14

14

14

Tabelle 12: Zahl der Absolventen nach Fachschulen

PTU nach Art 1980/81 1983/84 1984/85 1985/86 1986/87 1987/88 1988/89
Insgesamt

824

669

683

712

665

495

584

Industrie, Bauwesen

482

349

339

390

340

265

423

Land- u. Forstwirtsch.

342

320

344

322

325

230

161

SPTU nach Art 1980/81 1983/84 1984/85 1985/86 1986/87 1987/88 1988/89
Insgesamt

40756

38326

35555

33926

34838

35566

32596

Industrie, Bauwesen

33715

31056

29334

28075

28945

29702

29809

Land- u. Forstwirtsch.

5140

4949

4643

4379

4508

4445

1486

Tourismus, Wirtschaft

1901

1871

1578

1472

1385

1419

1301

Technikum nach Art 1980/81 1983/84 1984/85 1985/86 1986/87 1987/88 1988/89
Insgesamt

26178

25035

25887

23692

22958

24390

26715

Technikum

25494

24363

25216

23038

22244

23704

26031

Industrie

15486

14372

14846

13367

13092

14293

15355

Bauwesen

2238

1308

1370

1375

1268

1364

1356

Landw. Maschinen

952

814

734

640

572

606

517

Land- u. Forstwirtsch.

1671

1616

1662

1543

1584

1590

1496

Transport

344

308

297

252

253

288

384

Kommunikation

328

299

336

274

275

232

257

Wirtschaft

4052

3240

3498

3103

3138

3396

3794

Medizin

2018

2105

2158

2174

1798

1608

2452

Gastronomie

405

301

315

310

264

327

340

Kunstschulen

684

672

671

654

714

686

684

Quelle: 8

Für die vergleichende Analyse werden die Tabelle 1 und Tabelle 9 bis Tabelle 12 verwendet. Daraus ist eine Wechselbeziehung zwischen den Daten der Industrie, Berufsschulen und Auszubildenden erkennbar. Dem erhöhten Bedarf an Fachkräften in der sich vorteilhaft entwickelnden Industrie entspricht auch eine Erhöhung der Zahl von Berufsschulen und Auszubildenden.

Dieselbe Beobachtung kann man aber in den anderen beiden Branchen nicht machen. Die Anzahl der Berufsschulen in der Landwirtschaft zeigt eine relative Stabilität, während die Anzahl der Absolventen sich zwei- bis dreimal in dem beobachtetem Zeitabschnitt gravierend verringert. Die starke Nachfrage nach Fachkräften für die Landwirtschaft wird nicht befriedigt. Dies führt uns zu folgenden Thesen:

die Zahl der Berufsschulen in der Landwirtschaft wird künstlich beibehalten und dadurch auch der Stamm an beschäftigtem Lehrpersonal.

auf die Krise der Landwirtschaft wirkt sich gleichzeitig die der Industrialisierung entsprechende globale Migration des Volkes vom Dorf in die Stadt negativ aus.

nicht zuletzt auch infolge der schlechten Arbeitsbedingungen erleiden die landwirtschaftlichen Berufe einen zunehmenden Imageverfall, und so verringert sich die Nachfrage unter den Jugendlichen zusehends.

Die Zahl der Auszubildenden im Bereich Landwirtschaft verringert sich schneller als die der dort Beschäftigten, was für einen Mangel an qualifizierten Fachkräften bzw. für eine nicht ausreichende Qualifizierung der dort Beschäftigten spricht.

Dieselben Beobachtungen kann man auch im Wirtschaftszweig Bauwesen machen, der in den meisten Jahren des Sozialismus durch eine tiefe Krise gekennzeichnet ist. Die Anzahl der Beschäftigten und der Berufsschulen bleibt zwar stabil, aber die Absolventen werden von Jahr zu Jahr weniger, was besonders deutlich durch die Tabelle 12 zu erkennen ist.

Die expansiven Wachstumsprozesse, die für fast alle Industriezweige eine gleichförmige Entwicklung zeigen 9 sind typisch für die Ostblockstaaten. Diese Entwicklung kann man aber für die restlichen Zweige nicht bestätigen.

Die Arbeitsmarktstruktur muß Ergebnis einer Interaktion zwischen den Kategorien Nachfrage, Ausbildung und Arbeitgeber sein. Aufgrund des Gesetzes von Angebot und Nachfrage bildet sich ein Kräftegleichgewicht der quantitativen und qualitativen Parameter der Berufsbildung.10 Der Arbeitsmarkt als Meß- und Regelglied kann durch folgende Zeichnung veranschaulicht werden:

11

Die oben dargelegten Analysen beweisen, daß diese Funktion infolge eines Ungleichgewichtes in bestimmten Wirtschaftszweigen eher nicht erfüllt wird. Das Bildungs-, bzw. Berufsbildungssystem muß fähig sein, schnell auf die Änderungen der Arbeitsmarktstruktur zu reagieren und sich entsprechend anzupassen. Wissenschaftliche und empirische Untersuchungen auf demselben Gebiet zeigen jedoch im Gegenteil eine wachsende Distanz zwischen den Produktionsbedingungen des Arbeitsmarktes einerseits und den Funktionen der Bildungsinstitutionen andererseits.12

Die Untersuchung der Arbeitsmarktstruktur in Bulgarien vor der Wende kann zu folgenden Schlüssen führen:

Fast alle Jugendlichen sind in Bildungsinstitutionen integriert.

Das Abitur wird von vielen Jugendlichen angestrebt, unabhängig von der Art der Schule.

Ein relativ hoher Anteil der Jugendlichen bewirbt sich für Hochschulen und Universitäten.

Der erhöhte Bedarf an Fachkräften in der stark expandierenden Industrie der 60er und 70er Jahren wird von den Berufsschulen abgedeckt.

In bestimmten Wirtschaftszweigen wie Landwirtschaft, Bauwesen u.a. sind dagegen Diskrepanzen der Verhältnisse von Bildung, Berufsbildung und Arbeitsmarkt zu beobachten.

Mißverhältnisse zwischen Ausbildungsniveau der Beschäftigten einerseits und ihrer unter- bzw. überqualifizierten Beschäftigung.13

Die meisten Ostblockländer, und hier ist Bulgarien keine Ausnahme, folgen dem Modell des „Angebotsansatzes” , einem Modell der Bildungsplanung. Es geht von den individuellen Bildungswünschen und Bildungsneigungen der Bevölkerung aus.14

Man kann hier nicht wie bei einem Land mit marktwirtschaftlicher Orientierung von einem Arbeitsmarkt oder einer Struktur desselben sprechen.15

Die Arbeitsmarktstruktur nach der Wende

Beschäftigung nach Wirtschaftszweigen

Im staatlichen Sektor

Tabelle 13 Beschäftigte allgemein

Wirtschaftszweige

1990

1991

1992

1993

1994

Allgemein

4096848

3564037

3273661

3221838

3241601

Industrie

1498323

1229898

1067161

978692

942862

Bauwesen

336657

252619

204461

209205

192202

Landwirtschaft

735159

679009

676715

698237

738172

Forstwirtschaft

22368

17445

17292

14338

13331

Transport

241626

222710

193150

196907

188458

Kommunikation

44687

44375

43557

44049

44153

Handel, mat.Versorgung

372137

342481

328885

331860

368850

Andere produzierende

29036

27616

27163

30799

32500

Wohnungsversorgung

91710

80163

68110

65949

75431

Wissenschaft

90918

67418

52578

36442

30287

Bildung

272781

268280

263129

262893

254972

Kultur und Kunst

47206

38419

34347

41484

41183

Gesundheitswesen

221011

207193

204141

200386

195219

Finanzen

24579

27044

35104

36884

44038

Geschäftsführung

54491

50454

51753

67146

75263

Andere nicht produz.

14159

8913

6115

6567

4680

Quelle:16

Tabelle 13 gibt uns eine sehr gute Vorstellung über die Änderungen, die in der Zahl der Beschäftigten nach der Wende eingetreten sind. Die Beschäftigungsquote ist ein unzweifelhaftes Kennzeichen der Entwicklung der jeweiligen Branche. Die schon einige Jahre vor der Wende begonnene Deindustrialisierung ist in den Jahren 1990-1993 mit einem Rückgang der Beschäftigten um ca. 300.000 bis 500.000 pro Jahr deutlich verstärkt worden. Eine relative Stabilisierung ist erst in den Jahren 1993 und 1994 zu erkennen, aber wieder mit der Tendenz zum Personalabbau um ca. 10.000 bis 20.000 Stellen pro Jahr. Im Bauwesen hat sich die vor der Wende zu beobachtende Rezession fortgesetzt, besonders drastisch in den Umbruchsjahren 1990/1991 mit einer Personalverringerung um ca. 100.000 Mitarbeiter. Erst in den folgenden Jahren 1992-1994 ist eine Stabilisierung zu verzeichnen. Etwas verbessert ist die Lage der Landwirtschaft, in der im beobachteten Zeitabschnitt 1990-1994 eine stabile, unverminderte Anzahl beschäftigt ist. Es ist sogar ein ganz kleiner Zuwachs zu verzeichnen. Für ein Agrarland wie Bulgarien wäre es allerdings wichtig, daß dieser Zuwachs bedeutend gesteigert würde, was jedoch infolge einer unvorteilhaften Kreditpolitik des Staates und einer bereits über Jahre hinweg verfestigten Abkehr der jüngeren Generation von der Landwirtschaft nicht gelingt. Drastisch ist die Beschäftigungsquote in der Forstwirtschaft gesunken. Im Jahre 1994 arbeiten hier fast die Hälfte weniger. Über die Jahre stabil bleiben die Zweige Kommunikation und Handel. In der Wissenschaft sind die Beschäftigten auf fast 1/3 reduziert worden, eine Tendenz die der vor der Wende entgegengesetzt ist. Die Zahl der Wissenschaftler hat im Jahre 1994 im Vergleich mit 1989 um 18,8% abgenommen. Die wissenschaftlichen Fachkräfte auf dem Gebiet der Landwirtschaft sind um mehr als 30% reduziert worden, auf dem Gebiet der Technik um mehr als 36,5%. Allgemein hat das technische und landwirtschaftliche Personal um 26% abgenommen.17 Die anderen Zweige der Industrieproduktion zeigen eine sehr langsame Steigerung. Nicht so jedoch in den Branchen Finanzwesen und Verwaltung, was allerdings nicht förderlich für das wirtschaftliche Wachstum ist, sondern eher als eine Belastung angesehen werden muß. In beiden Zweigen sind die Beschäftigungszahlen in knapp 4 Jahren um 20.000 Personen gestiegen. Die in der Landespolitik verbreitete Neigung, den administrativen Personalbestand zu vergrößern, wurde schon in den Jahren vor der Wende heftig kritisiert, aber auch leider nach der Wende nicht überwunden.

Im privaten Sektor

Tabelle 14 Beschäftigte im privaten Sektor in %

Wirtschaftszweige

1990

1991

1992

1993

1994

Allgemein

5,9

10,1

17,7

28,3

36

Industrie

0,5

0,9

1,2

2,4

3,6

Bauwesen

0,3

0,7

0,9

2,1

2,5

Landwirtschaft

3,9

4,8

9,7

14,4

17,9

Forstwirtschaft

0

0

0

0

0

Transport

0,2

0,5

0,5

1,2

1,3

Kommunikation

0

0

0

0

0

Handel, mat.Versorgung

0,6

2,4

4,3

5,8

7,8

Wohnungsversorgung

0,2

0,3

0,3

0,4

0,6

Wissenschaft

0

0

0

0

0

Quelle:18

Im Unterschied zu anderen Ostblockländern wie der ehemaligen DDR, CSSR und Ungarn, in denen auch vor der Wende kleine Teile bestimmter Wirtschaftszweige in privaten Händen waren, macht Bulgarien auf dem privaten Sektor seine ersten Schritte. Die Entwicklung dieses Sektors ist aufgrund verschiedener administrativer Hindernisse sehr mühsam. Erst Mitte des Jahres 1996 beginnt durch die Gründung des Fonds „Privatisierung” eine Erleichterung dieses Prozesses.

Bis Ende des Jahres 1994 gibt es in den Branchen Forstwirtschaft, Kommunikation und Wissenschaft keine private Unternehmen. Ziemlich langsam entwickeln sich die Zweige Transport, Bauwesen, Industrie, die einen 5- bis 6-fachen Zuwachs des Personals in 4 Jahren zeigen. Als positiv kann man den Personalzuwachs in der Landwirtschaft und im Handel bewerten, der jährlich mit beinahe arithmetischer jedoch nicht geometrischer Progression erfolgt. Diese Daten entsprechen der Prognose vieler Experten, daß sich das Land durch eine stärkere Hinwendung zur Landwirtschaft viel schneller und besser aus der Krise befreien könnte. Tabelle 13 und Tabelle 14 zeigen uns einen kleinen, noch nicht stabilen privaten Sektor im Vergleich zu dem staatlichen, was für einen verzögerten Aufbau der freien Marktwirtschaft sprechen könnte. Obwohl es momentan an einem vorausschauenden nationalen Programm für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes fehlt, lassen sich die Prioritäten der wirtschaftlichen Umstrukturierung doch schon markieren.19

 

Die Arbeitslosigkeit

Nach der Wende zeigt uns die Statistik zum ersten Mal auch Arbeitslosenzahlen, die bis 1989 nicht existierten. Über die sogenannte „verdeckte Arbeitslosigkeit” fehlen offizielle Daten. Eine ausführliche, wissenschaftlich fundierte, systematische Analyse über die Lage der Nation fehlt bis jetzt.20 Eine vorsichtige, vorausschauende Analyse des Fachkräftebestandes im Lande könnte dazu führen, daß man auf eine Ausbildung von Fachkräften, die auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt sind, bzw. auf die Berufsschulen, die sie vorbereiten, verzichten würde.21

 

 

Tabelle 15: Arbeitslose nach Gruppen

Jahr

19

92

19

93

19

94

Gruppe

Gesamt

Hochsch.
Absolv.

Gesamt

Hochsch.
Absolv.

Gesamt

Hochsch.
Absolv.

Reg. Arbeitslose

576893

34930

626141

30365

488442

22340

Darunter Arbeiter

173919

 

178391

 

134355

 
Fachkräfte

117936

34930

116907

30365

86788

22340

Jng. und Techniker

62733

15463

64273

14173

46777

10485

Landwirtschaft

13269

4162

12849

3200

9619

2336

Wirtschaft

17259

5064

16767

4119

12883

2931

Gesundheitswesen

3720

1221

4130

1234

2934

978

Bildung

12019

6317

11143

5380

8545

4314

Kunst

12019

6317

11143

5380

8545

4314

Andere    

5107

1488

4047

714

Ohne Berufe

285038

 

330843

 

267299

 

Quelle:22

Anhand der Tabelle 15 ist deutlich zu erkennen, daß die Fachkräfte aus den Wirtschaftszweigen der Industrie wie Maschinenbau, Metallbearbeitung, Elektrotechnik und Landwirtschaft am meisten von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, darunter auch Fachkräfte mit Hochschulabschluß. Die Arbeitslosenquote beträgt ca. 20% - mit der Randbemerkung, daß es eine Gruppe gibt, die nicht offiziell als Arbeitslose in den Büros registriert ist. Im Jahre 1990 beträgt die Beschäftigungsquote ca. 50%, im Jahre 1994 ca. 40%. Besonders drastisch ist die Steigerung der Arbeitslosenzahlen um die Jahreswende 1993/1994. Sehr beunruhigend auch die hohe Quote der infolge Alters nicht arbeitsfähigen Personen im Land. Im Jahre 1990 beträgt sie 30%, im Jahre 1994 schon 40%. Nach Prognosen von Soziologen wird diese Quote am Anfang des 21. Jahrhunderts schon 55 - 60% betragen; ein ziemlich ungünstiger demografischer Hintergrund, vor dem sich die technologische Entwicklung dann vollziehen muß. Die nun verringerten Arbeitskräfteressourcen blockieren die Möglichkeiten einer extensiven wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.23

Nicht in diesem erhöhten Maß von Arbeitslosigkeit betroffen sind die anderen untersuchten Zweigen wie Wirtschaft, Kunst, Gesundheitswesen und Bildung. Unter den Arbeitslosen gibt es im Vergleich mit den Fachkräften bedeutend mehr ungelernte Personen, aber die Steigerung der Entlassungszahlen in den einzelnen Jahren ist nicht so groß. Die Gruppe der Fachkräfte zeigt im Vergleich mit der ohne Beruf eine gewisse Flexibilität, Neigung und Interesse gegenüber einer eventuellen Umschulung oder Weiterbildung. Trotzdem wird diese Einstellung zur Weiterbildung Erwachsener von bulgarischen Wissenschaftlern als nicht genügend bewertet, da nur 10 % aller Arbeitslosen an Umschulungskursen teilnehmen. Auch die angebotenen Kurse entsprechen noch nicht vollkommen der Nachfrage des Arbeitsmarktes.24

 

Tabelle 16: Arbeitslose im 1. Halbjahr 1996

Wirtschaftszweige Gesamt Hochsch. Technikum SPTU Mittl. PTU < 25 J < 45J. <50 J. >50J.
Industrie

81427

1889

8029

16891

6327

47687

7734

54355

10253

9085

darunter Frauen

50636

1067

5025

10118

4904

29117

5360

34192

6423

4661

Energieversorgung

560

18

70

122

32

314

48

375

74

63

darunter Frauen

287

12

33

51

24

164

29

198

36

24

Bergbau

546

12

70

109

39

310

54

386

64

42

darunter Frauen

161

6

23

40

18

72

32

107

13

9

Erdölindustrie

53

1

8

18

3

21

2

42

3

6

darunter Frauen

16

1

2

5

1

6

2

13

0

1

Schwarzmetalle

383

7

50

73

23

220

25

264

53

41

darunter Frauen

142

3

19

22

13

81

12

103

14

13

Buntmetalle

506

1

64

109

35

275

49

328

70

59

darunter Frauen

185

0

24

43

23

82

35

112

25

13

Maschinenbau

10940

321

1364

2455

903

5816

868

7351

1425

1296

darunter Frauen

5477

160

748

1147

638

2731

482

3728

730

537

Elektr./Elektronik

6692

275

1000

1582

751

3007

359

4656

893

784

darunter Frauen

4511

180

735

1131

603

1815

257

3188

620

446

Chemieindustrie

2394

60

202

420

198

1496

277

1615

273

229

darunter Frauen

1459

38

142

257

145

867

218

950

175

116

Baumaterialien

1683

26

138

316

100

1097

139

1126

215

203

darunter Frauen

675

11

71

96

61

433

73

450

101

51

Holzbearbeitung

4263

63

289

798

269

2827

373

2771

560

559

darunter Frauen

2413

37

152

419

212

1579

229

1608

321

255

Papierindustrie

218

6

18

43

19

131

19

152

27

20

darunter Frauen

130

2

10

22

16

79

10

101

13

6

Glas und Porzellan

1191

9

48

224

46

859

148

839

125

79

darunter Frauen

796

6

34

153

35

565

100

570

82

44

Textilindustrie

5722

72

444

1281

414

3480

622

3954

685

461

darunter Frauen

4171

47

292

953

359

2495

497

2885

513

276

Bekleidungsind.

5252

48

342

1202

504

3122

530

3620

638

464

darunter Frauen

4570

35

274

1038

463

2729

468

3189

554

359

Leder/Schuhe.

1211

17

104

289

88

703

133

834

143

101

darunter Frauen

920

10

76

216

78

536

108

629

110

73

Nahrungsmittel

14699

238

1258

2503

949

9667

1813

9349

1867

1670

darunter Frauen

9889

137

884

1535

766

6509

1284

6337

1278

990

Bauwesen

16849

521

1820

3158

933

10313

1299

10480

2551

2519

darunter Frauen

4721

269

759

601

397

2658

550

2947

756

468

Landwirtschaft

64353

751

3489

7001

2678

50294

4695

37286

9930

12442

darunter Frauen

35814

353

1936

2820

1743

28893

3347

21346

5750

5371

Forstwirtschaft

3809

33

226

640

188

2711

397

2375

514

523

darunter Frauen

2035

16

108

272

128

1504

244

1276

288

227

Transport

6386

191

759

1534

555

3256

319

3987

981

1099

darunter Frauen

2264

79

403

495

389

871

168

1440

385

271

Kommunikation

633

32

119

159

98

208

60

392

94

87

darunter Frauen

434

18

91

105

76

130

54

262

67

51

Handel

21424

780

2850

5348

2707

9437

2145

13145

3073

3061

darunter Frauen

13915

532

2092

3592

2215

5251

1471

8654

2092

1698

Wohnungsversorgung

4487

43

216

446

174

3594

503

2962

498

524

darunter Frauen

2287

23

128

188

111

1828

305

1534

251

197

Wissenschaft

6865

547

1100

1497

777

2796

727

4242

938

958

darunter Frauen

3894

343

714

781

578

1370

434

2491

558

411

Bildung

12300

1487

1235

2339

1565

4451

2877

6962

1274

1187

darunter Frauen

9552

1140

949

1665

1359

3366

2212

5579

984

777

Kultur und Kunst

1206

226

195

200

176

358

99

721

203

183

darunter Frauen

689

149

126

123

122

127

61

425

125

78

Gesundheitswesen

5387

322

702

1225

620

2196

642

3275

765

705

darunter Frauen

3942

203

521

831

504

1604

493

2431

578

440

Finanz/Versicherg.

889

215

240

158

172

73

92

550

145

102

darunter Frauen

640

140

191

93

142

50

51

403

118

68

Geschäftsführung

13601

573

1144

1805

836

9086

1362

8287

1840

2112

darunter Frauen

6688

292

637

731

535

4398

744

4223

937

748

Andere nichtprod.

23310

1176

2598

4465

2107

12551

5047

13178

2525

2560

darunter Frauen

12237

720

1487

2123

1520

6079

2323

7323

1468

1123

Quelle:25

 

Auch die Tabelle 16 der aktuellen Arbeitslosigkeit im Land bis einschließlich 30.06.1996 zeigt uns ein sehr wenig geändertes Bild der Beschäftigung und bestätigt die oben schon analysierten Daten. Es zeigt sich eine leichte, aber sehr mühsam sich durchsetzende Tendenz zur Stabilisierung und Begrenzung der Arbeitslosenzahlen im Vergleich mit dem Jahre 1994. Besonders betroffen sind Frauen (über 50% aller Arbeitslosen), die Bevölkerungsgruppe zwischen 25 und 44 Jahren, einschließlich der Absolventen vieler Hochschulen und angelernter Arbeiter mit Grundschulabschluß oder niedrigerer Ausbildung und einige ältere Arbeitnehmer. Rund 45% der Arbeitslosen sind jünger als 30 Jahre 26. Die obengenannten Gruppen von Arbeitslosen werden auch in Deutschland mit großer Aufmerksamkeit untersucht und werden als unterrepräsentiert angesehen, so daß ihnen besondere Förderung in der beruflichen Bildung gewidmet wird.27 Die Weiterbildung und Umschulung auch Arbeitsloser in der Situation des Umbruchs wird in Bulgarien als zu gering bewertet, besonders fehlt eine Verbindung zwischen der schulischen und außerschulischen Ausbildung von Erwachsenen.28 Nur ca. 20% der registrierten Arbeitslosen haben eine Berechtigung zum Empfang von Arbeitslosengeld. Der Fonds zur Zahlung dieses Geldes reicht für die 100%ige Absicherung aller Arbeitslosen nicht aus.29

Die Tabelle 15 zeigt uns eine noch feinere Differenzierung der Arbeitslosen nach Wirtschaftszweigen. Die kritischen Zweige bleiben weiterhin Maschinenbau, Metallverarbeitung, Landwirtschaft, Bauwesen, Lebensmittelindustrie, die einen sehr hohen Anteil an der Arbeitslosigkeit haben. Diese Angaben zeigen uns eine große Problematik mit vielen offenen Fragen:

Was ist der Sinn einer eventuellen Weiterentwicklung des Maschinenbaus im Land in Anbetracht einer allgemeinen Rezession desselben im gesamteuropäischen Rahmen?

Die Landwirtschaft befindet sich in einer derartig paradoxen Situation, daß dieser Zweig bei einem großen Defizit an Fachkräften aufgrund mangelnder Attraktivität gleichzeitig auch mit der größten Arbeitslosigkeit zu kämpfen hat. Frankreich konnte dagegen durch die Landwirtschaft einen hohen Lebensstandard erreichen und aus Jahren der Krise freikommen. Wie kann man die Landwirtschaft für die Bevölkerung Bulgariens attraktiver machen?

Wie kann man eine Neubelebung der für das Land wichtigen Zweige Bauwesen und Lebensmittelindustrie erreichen?

Die Altersgrenze für die Erwerbstätigkeit bleibt nach wie vor unverändert und liegt - vergleichbar mit der in Japan - zwischen 55 und 60 Jahren, für die Frauen 55 Jahre, für die Männer 60 Jahre.30

Nach der Wende wurde den Arbeitnehmern die Möglichkeit gegeben, freiwillig noch zusätzlich 3 Jahre nach der Erreichung der Rentengrenze zu arbeiten - Frauen wie Männern.

Der Einstellung neuer Arbeitnehmer geht in staatlichen sowie in privaten Unternehmen seit 1989 ein Vorstellungsgespräch voraus. Es ist dies eine Form, die vor der Wende nicht bekannt war, und die Schulen und Berufsschulen bereiten die Jugendlichen auch jetzt immer noch nicht darauf vor. Die Präzision und Ausführlichkeit in der Durchführung dieser Gespräche ist mit der Systematik in Japan oder der BRD nicht vergleichbar.31

Vor der Wende waren die geleisteten Arbeitsjahre und die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Partei für den Aufstieg in die Berufskarriere maßgeblich. Das gehört mittlerweile der Vergangenheit an. Nach der Wende sind für die privaten Firmen die Fähigkeiten und Kenntnisse des Personals von ausschlaggebender Bedeutung. Auch hier gibt es noch viel Lern- und Nachholbedarf wie: „Teamwork” , Umgang mit Kunden, Führung von dienstlichen Gesprächen, Verhandlungen und Telefonaten, Bedienung von PC und moderner Bürotechnik u.a.

Die Zugehörigkeit zur Gewerkschaft (einer einzigen) war vor der Wende Pflichtangelegenheit der Arbeitnehmer und in dem Sinn z.B. mit der betrieblichen Realität einiger japanischer Großunternehmen vergleichbar. Nach der Wende existieren in Bulgarien schon mehrere Gewerkschaften und die Zugehörigkeit ist nicht mehr Pflicht. Natürlich erhebt sich die Frage nach der wirklichen Effizienz dieser Arbeit, und ob hier eine wirkliche Verteidigung der Interessen von Arbeitnehmern stattfindet oder einfach nur politische Kämpfe ausgetragen werden. Westlichen Beobachtern zufolge nutzte eine dünne Schicht die Wende in Bulgarien, um durch Korruption an Macht und Geld zu kommen.32

 

Bildung und berufliche Bildung.

Tabelle 17 Arten von Schulen nach der Wende

Arten von Schulen 1990/91 1991/92 1992/93 1993/94 1994/95
Insgesamt

4165

4159

4134

4077

4100

Allgemeinbildende

3458

3439

3403

3360

3359

Spezielle

126

131

132

136

131

PTU

4

5

6

6

9

SPTU

236

230

237

220

228

Techn., Kunstschulen

257

268

269

268

285

Halbhochschulen

46

46

47

47

48

Hochschulen

38

40

40

40

40

Tabelle 18 Anzahl der Schüler nach der Wende

Anzahl der Schüler 1990/91 1991/92 1992/93 1993/94 1994/95
Insgesamt

1550380

1500031

1457768

1420351

1431795

Allgemeinbildende

1110733

1068206

1027457

987999

980491

Spezielle

14696

14243

13795

14193

13502

PTU

2631

2785

2533

3323

4194

SPTU

113139

111609

110384

107839

100355

Techn., Kunstschulen

125728

121919

111329

103396

112046

Halbhochschulen

31943

29672

30261

27791

25161

Hochschulen

151510

151597

162009

175810

196046

Tabelle 19 Allgemeinbildende Schulen

Allgemeinb. Schulen 1990/91 1991/92 1992/93 1993/94 1994/95
Insgesamt

3458

3439

3403

3360

3359

Anfangsschulen

668

632

619

613

592

Progymnasium

32

32

34

31

32

Grundschulen

2152

2158

2153

2120

2125

Gymnasium

63

57

83

138

151

Vollst. Mittelschulen

543

560

514

458

459

Tabelle 20 Absolventen von Allgemeinbildenden Schulen

Allgemeinb. Schulen 1990/91 1991/92 1992/93 1993/94 1994/95
8.Klasse

117460

115261

110876

100732

103880

darunter im Dorf

29832

29513

27764

26817

25911

11(12).Klasse

41892

43648

41801

34645

37344

darunter im Dorf

2066

2045

2034

1779

1815

Tabelle 21 Absolventen nach Fachschulen

PTU nach Art 1990/91 1991/92 1992/93 1993/94 1994/95
Insgesamt

620

654

1051

724

876

Industrie, Bauwesen

483

367

779

565

641

Land- und Forstw.

137

287

272

159

235

SPTU nach Art 1990/91 1991/92 1992/93 1993/94 1994/95
Insgesamt

26595

25726

26925

28884

27942

Industrie, Bauwesen

24132

23175

24089

22911

22174

Land- und Forstw.

1055

1137

1075

1694

1755

Tourism., Wirtsch.

1408

1414

1761

4279

4013

Technikum nach Art 1990/91 1991/92 1992/93 1993/94 1994/95
Insgesamt

28031

27231

28519

27392

25954

Technikum

27341

26675

27861

26665

25259

Industrie

16852

16758

17763

16802

15341

Bauwesen

1472

1679

1917

1822

1878

Landw. Maschinen

698

650

700

738

833

Land- und Forstw.

1584

1494

1794

2017

2383

Transport

582

555

717

920

879

Kommunikation

198

110

310

184

157

Wirtschaft

4408

4265

4325

3667

3237

Medizin

1197

876

-

-

-

Gastronomie

350

288

335

515

551

Kunstschulen

690

556

658

727

695

Tabelle 22 Zahl der privaten Schulen

  1992/93     1993/94     1994/95  
  Schulen Klassen Schüler Schulen Klassen Schüler Schulen Klassen Schüler
Insgesamt

9

30

539

22

76

1348

31

147

2516

Anfangsschule

7

27

499

11

46

689

11

62

809

Progymnasium

1

1

23

2

3

112

2

7

69

Grundschule            

1

4

76

Gymnasium

1

2

17

9

27

547

8

44

943

SPTU            

1

4

60

Technikum            

8

26

559

Tabelle 17 bis 22 Quelle:33

Tabelle 17 bis Tabelle 22 dienen der Analyse der Bildung und des Berufsbildungssystems im Land.

Der von uns betrachtete Zeitabschnitt nach der Wende (1990-1995) zeigt uns eine Verringerung der Zahl der allgemeinbildenden Schulen um insgesamt ca. 100 und der Schüler um ca. 130.000 . Dies liegt in zweierlei Ursachen begründet - der Bevölkerungsabnahme und dem Desinteresse gegenüber allgemeinbildenden Schulen. Dies ist eine der Zeit vor der Wende entgegengesetzte Tendenz.

Zwar ist unter den allgemeinbildenden Schulen an erster Stelle die Anzahl der Grundschulen (1. bis 8. Klasse) und der Absolventen dieser Schulen stabil geblieben. Dies weist diesen Bildungsweg als traditionell und bewährt aus. Nach den Angaben der Volkszählung von 1992 besitzen 30,6% der Bevölkerung Grundschulbildung, 16% Anfangsschulbildung (1.-4. Klasse) und 8,3 % eine nicht abgeschlossene Anfangsschulbildung. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung besitzt demnach eine unzureichende Bildung. Dies muß als ein die Intensivierung der öffentlichen Modernisierung begrenzender Faktor angesehen werden.34
Hingegen ist in der Zahl der Anfangsschulen (1. bis 4. Klasse) sowie der allgemeinbildenden Schulen (durchgehend von der 1. bis zur 11./12.Klasse) eine Abnahme deutlich zu beobachten. Dem entspricht auch die verringerte Zahl der Schüler, die insgesamt allgemeinbildende Schulen besucht bzw. absolviert haben.

Aus dieser Erscheinung kann geschlussfolgert werden, daß sich nach der Wende immer mehr junge Leute hin zu Berufsschulen oder Berufsausbildungsgängen orientieren. Nicht nur - wie es früher der Fall war - die Eltern, sondern immer mehr Jugendliche sehen diese Notwendigkeit ein. Der hohe Bildungsehrgeiz einer breiten Gruppe junger Leute gibt Anlass zur Hoffnung auf positive Veränderungen in den Bildungsstrukturen. Diese Gruppe junger Leute strebt nach eigenem Willen, aber auch nach dem Wunsch ihrer Eltern unbedingt den erfolgreichen Abiturabschluß mit anschließendem Studium an. Diese Tendenz deckt sich mit der nach der Wende gewachsenen Zahl von Gymnasien. Das zeigt eindeutig, daß man im Land immer noch auf die Bildungswünsche der Bevölkerung eingeht. Andererseits deutet die Zahl der Abiturienten auf einen erhöhten Anteil an vorzeitigen Abbrüchen. Also sind Angebot und Nachfrage noch immer nicht im Einklang. Von einer regulativen Verkopplung des Arbeitsmarkts mit den allgemeinbildenden Schulen kann nicht die Rede sein. Auch besteht keine Entsprechung zwischen der Zahl der Gymnasien und deren Schülern - eine mangelhafte Kapazitätsauslastung.

Etwa 40% aller Schüler im Land lernen in allgemeinbildenden Schulen, deren Anzahl etwa 55% aller Schulen beträgt.35 Die Suche der Abiturienten nach anderen Weiter- und Fortbildungsmöglichkeiten auf eigene Initiative hin bedeutet, daß der notwendige Strukturwandel in der allgemeinbildenden Schule immer noch nicht vollzogen ist.

Ganz anders sieht das Bild bei den Berufsschulen aus. Die Zahl der PTU´s ist von 4 auf 9 gestiegen bei gleichzeitiger Verdoppelung der Auszubildendenzahlen. Dieser Berufsbildungsweg setzt sich unter den Jugendlichen zunehmend durch, nicht nur wegen der Wichtigkeit eines Berufes, sondern auch wegen der relativ schnellen Vorbereitung für das Berufsleben durch Wegfall des Abiturs. Die Zahl der Technika ist um 30 angewachsen bei gleichzeitigem Rückgang der Anzahl der Schüler um ca. 12.000, was für eine Tendenz zur Verkleinerung der Klassenverbände spricht. Die Anzahl der dritten Art von Berufsschulen (SPTU) ist relativ stabil mit einer Tendenz zur Verringerung (8 weniger in 5 Jahren), aber auch hier hat sich die Schülerzahl um ca. 13.000 verringert, was das allgemeine Bild in den Technika widerspiegelt. Vergleiche mit dem Schuljahr 1989/90 zeigen uns, daß die Zahl der Auszubildenden der Berufsschulen und Kunstschulen im Schuljahr 1993/94 insgesamt um 25% zurückgegangen ist.36

Die Arten von Berufsschulen nach Branchen und deren Absolventen gemäß Tabelle 21 zeigen eine leichte Änderung, die etwas mehr an die aktuelle Beschäftigungsstruktur angepaßt ist. Die Zahl der absolvierenden Auszubildenden in Industrieberufsschulen verringert sich nur sehr langsam, nicht vergleichbar mit dem drastisch erhöhten Tempo der wachsenden Beschäftigungslosigkeit in den selben Zweigen. Zu diesem Vergleich gehört auch die Bewertung, daß der Aufstieg der Berufsschulen in den 60er und 70er Jahren der gigantischer Industrialisierung im Land viel entsprechender verlaufen war.

Dafür haben die Absolventen in der Land- und Forstwirtschaft, dem Bau- und Transportwesen und der Gastronomie allmählich zugenommen. Diese Steigerung äußert sich besonders in der Branche des internationalen Tourismus, einem Zweig mit langjähriger Tradition, und der Finanzwirtschaft.(Tabelle 21)

Beziehungen Wirtschaft - Bildung - Berufsbildung

Ein gegenwärtiges Problem der Berufsschulen ist deren immer noch nicht veränderte Struktur, die lediglich der Wirtschaftssituation am Ende der 80er Jahren entsprechen kann. Die Arten der SPTU sollten weiter ausdifferenziert und attraktiver gestaltet werden 37 . Man kann sagen, daß das Berufsbildungssystem sich der aktuellen Arbeitsmarktstruktur nur ziemlich langsam anpaßt. Die gewünschte Flexibilität der Berufsschulen ist immer noch nicht vorhanden.

In dem Übergang auf die freien Marktwirtschaft sind die Berufsschulen daran interessiert, eine vorherige Untersuchung des Bedarfs auf dem Arbeitsmarkt durchzuführen und eine vorausplanende Ausbildung zu realisieren. Unter vorausplanender Ausbildung versteht man, gleichzeitig mit der Entstehung neuer Produktionen auch Fachkräfte dafür bereitzustellen 38 .

Tabelle 22 gibt uns eine Vorstellung von der Entwicklung privater Bildungs- und Berufsbildungseinrichtungen. Nach der Wende erschienen solche zum ersten Mal. Es ist zu sehen, daß die Zahl der privaten Schulen im Schuljahr 1994/95 sich gegenüber 1992 vervierfacht hat. Darunter entstanden in 1994 erstmalig private Berufsschulen: 1 SPTU und 8 Technika. Der Besuch privater Schulen ist mit Studiengebühren verbunden, die für die meisten Eltern untragbar sind; trotzdem ziehen die meisten private Bildungseinrichtungen wegen der höheren Qualität der Ausbildung vor. Die Beobachtungen zeigen, daß sich diese Meinung unumstritten unter der Bevölkerung durchsetzt. Die traditionelle bulgarische Denkweise steht unter dem Motto: „Wissen ist das größte Kapital, daß sich nicht wegnehmen läßt” . Das zwingt einige Eltern dazu, Hypotheken auf ihre eigenen Immobilien aufzunehmen, um die Bildung ihrer Kinder zu finanzieren.

„Auf ministerieller Ebene sucht man nach sinnvoller Verbindung zwischen einer Befriedigung kurz - und mittelfristiger Marktbedürfnisse durch Privatschulen, die nach allgemeiner Auffassung schneller und adäquater auf notwendige Anforderungen an berufliche Bildung reagieren können...” 39

Der Kampf, sich einen guten Ruf zu erwerben, sowie natürlich um möglichst viele Schüler, ist ein starker Antriebsmechanismus für die privaten Bildungseinrichtungen. Dieser unübersehbare Konkurrenzkampf ist ein Begriff, der früher nicht bekannt war. Der Lehrkörper in jeder dieser Schulen wird nur nach dem Wettbewerbsprinzip ausgewählt. Als angenehmer Nebeneffekt wandelt sich die im „Sozialismus” lange Zeit propagierte Idee: „....vor allem die Sorge für den Menschen” , in den privaten Schulen von der Theorie zur Praxis. Hier stellt sich aber die Frage: um welchem Preis, und: wie viele können sich das bei der äußerst schlechten wirtschaftlichen Situation im Land leisten?

Natürlich kann die Lösung zahlreicher Probleme in der beruflichen Bildung durch private Schulen allein nicht bewältigt werden.

Vergleichende Analyse und Schlußbemerkungen

Nach wie vor der Wende bleibt die große Zuneigung der Bevölkerung zur Bildung bestehen. Aufgrund des allgemeinen Bevölkerungsrückgangs nimmt jedoch auch die Zahl der Schüler immer mehr ab. Dies führt zur Schließung vieler Schulen. Aufgrund der Migration äußert sich diese Tendenz besonders in den Dörfern.

Nach der Wende haben Prozesse begonnen, die zu einer Vertiefung der Bildungsungleichheiten führen. Die Differenzierung nach wirtschaftlichen und ethnischen Gesichtspunkten mündet in eine Differenzierung auch nach Bildungsgrad. Besonders beunruhigend ist es, daß eine große und zunehmend wachsende Gruppe junger Leute mit niedrigem Bildungsgrad oder ohne Bildung entsteht, für die eine eventuelle Arbeitslosigkeit eine reale Perspektive ist.40

Vor der Wende handelt es sich um eine planmäßige Entwicklung der Wirtschaft und der Bildung. Die obligatorische Verteilung der Absolventen der Berufsschulen auf die jeweiligen Branchen für 3 Pflichtjahre verschleiert das Bild der Defizite an Fachkräften. Es bleibt unbestritten, daß die Berufsschulen wegen ihrer Doppelqualifikationen für viele Absolventen vorwiegend ein Weg zur Hochschule sind. Der Begriff Arbeitslosigkeit existiert nicht. Von einer verdeckten Arbeitslosigkeit wird gesprochen, aber offizielle Daten fehlen. Die in den 60er und 70er Jahren begonnene Industrialisierung bringt eine proportionale Neueröffnung von Berufsschulen mit sich. Dem Fachkräftebedarf der neuen Wirtschaftszweige wird damit Rechnung getragen. Von einer engen Verkopplung von Bildung, Berufsbildung, Wirtschaft und Arbeitsmarkt kann trotzdem nicht gesprochen werden. In der Landwirtschaft, dem Bauwesen und einigen Zweigen der Industrie beginnt - allmählich bemerkbar - eine tiefe Krise.

Mit der Wende entstanden auch neue Probleme. Eine bis jetzt unbekannte Arbeitslosigkeit gewaltigen Ausmaßes herrscht im Land. Viele Betriebe stehen vor dem Aus. Die Umstrukturierung in der Wirtschaft verläuft wegen gestoppter Privatisierung, politischer Kämpfe und bestimmter Fehler der Verwaltung schwierig. Auf dem Sektor der Bildung und Berufsbildung ist eine Tendenz zur Stabilisierung bemerkbar, aber das Sensorium zum Arbeitsmarkt hin ist in vielen Fällen stark beschädigt. Die Verzahnungen der drei Gruppen Bildung, Berufsbildung und Arbeitsmarkt sind immer noch sehr schwach oder fehlen. Die Berufsschulen verharren sehr oft in einer Untätigkeit und reagieren nicht schnell genug mit Anpassung an die geänderte Arbeitsmarktstruktur. So sind die ausgebildeten Fachkräfte konkurrenzunfähig und brauchen vor der Einstellung im Unternehmen eine zusätzliche Weiterbildung oder Umschulung.41 Auch ein Ungleichgewicht zwischen Defiziten und Überschüssen an bestimmten Fachkräften ist nicht ausgeschlossen.

Die Effizienz der vorgenommenen Veränderungen und ihre Anpassung an die veränderte wirtschaftliche Situation wird hier in Frage gestellt. Die Realität in der gegenwärtigen bulgarischen Schule zeigt keine Ansätze zu wirklicher Verbesserung. Es fehlt eine konkrete Vorstellung der Mittel und Ziele der begonnenen Innovationen. Statt dessen herrschen Überstürzung und eine unvertretbare Risikobereitschaft.42

Eine Reform der Bildung und Berufsbildung ist dringend notwendig. Es ist deutlich zu erkennen, daß dieser Prozeß viele Investitionen, intellektuelle Anstrengungen und eine hohe und gleichzeitig stabile Motivation aller Teilnehmer erfordert und natürlich auch mit begleitenden Spannungen verbunden sein wird.

Die widersprüchlichen Tendenzen und die großen Schwierigkeiten und Bemühungen bei der Reform sind oft ein Grund für Enttäuschungen, Desinteresse und Demotivation. Trotzdem bleibt die Reform eine unverzichtbare Notwendigkeit, deren qualitative Erfüllung ein Garant für die erfolgreiche Durchführung der begonnen sozialen Veränderungen sein kann.