1 Einleitung

1.1 Zielsetzung

Reformvorschlag.

Hauptziel dieser Arbeit ist der Reformvorschlag für das bulgarische Ausbildungswesen. Dieser soll keine abstrakte Theorie sein, sondern konkrete Maßnahmen beinhalten, die dieses Wesen praxisnah gestalten und den neuen wirtschaftlichen Bedingungen entsprechen. Alle ehemaligen Ostblockländer, darunter auch Bulgarien, sind nach der Wende im Jahre 1989 auf Reformkurs gegangen. Diese Staaten versuchen, ihre eigenen Vorstellungen einer Transformation von der Planwirtschaft hin zur freien Marktwirtschaft umzusetzen. Ob dies gelingen wird oder nicht, hängt von unser aller Bemühungen ab und wird sich auch in internationalen Zusammenhängen auswirken.

Motivation.

Die Motivation, diese Arbeit zu schreiben, ist der starke Wunsch der Autorin, ihrem Heimatland Bulgarien in dieser äußerst schwierigen Situation zu helfen. Auch in der Ausbildung müssen Änderungen vorgenommen werden, so daß die neuen Fachkräfte der Zukunft international anerkannt und konkurrenzfähig sind. Die Arbeit beruht auf langjährigen Erfahrungen, Beobachtungen und wissenschaftlichen Untersuchungen im Bereich des bulgarischen Berufsbildungswesen. Die tiefe Überzeugung, daß diese Erfahrungen zusammengefasst und dem Land zur Verfügung gestellt werden müssen sowie eine überdurchschnittliche Liebe zum Beruf waren die ganze Zeit führend in der Vorbereitung dieser Arbeit.

 

1.2 Vorgehen

Darstellung und Analyse:

Die Arbeit umfaßt sechs Kapitel. Am Anfang wird das Land sowie die aktuelle Situation nach der Wende mit allen Problemen und Schwierigkeiten vorgestellt. Zum Wesentlichen gehören die Kapitel: Das Bildungswesen in Bulgarien, Das Berufsbildungssystem in Bulgarien, Die Arbeitsmarktstruktur und die Reformvorschläge. Kernpunkt ist der zweifache Vergleich: Berufsbildungssysteme ehemaliger Ostblockländer unter sich einerseits, und mit dem dualen System andererseits. Dieser Vergleich ist nicht Selbstzweck, sondern wissenschaftliches Instrument zum besseren Verständnis der vorhandenen Strukturen. Die Arbeit insgesamt ist eine Sektoranalyse.1 Diese dient zur Findung objektiver Vor- und Nachteile eines untersuchten Systems. Ihre Aufgabe ist es, die Entwicklung prozeßhaft zu erfassen und Innovationschancen zu identifizieren, ohne dabei Lösungen vorwegzunehmen.2 Als Analyse stellt sie eine Verkürzung der Realität dar und hilft der Objektivierung der Projektkonzeption.3 So ist die Arbeit weitgehend statistische Momentaufnahme und damit kein hinreichendes Instrument zur Entwicklung von Prognosen.4

Begründung der Konstellation:

Dieser Aufbau ist nicht zufällig ausgewählt. Er zielt darauf ab, die wechselseitige Abhängigkeit der drei Faktoren: Bildung, Berufsbildung und Arbeitsmarkt herauszukristallisieren. Er führt uns zu der logischen Überlegung: wie effektiv war das bisherige System, an welchen Punkten ist es gescheitert und was ist das Positive, das wir auch in der Zukunft beibehalten können.

Entwicklung des Reformmodells:

Die Auswahl eines kooperativen Modells „lateinamerikanischer” Prägung für die Anfangsphase der Reform ist eine Schlußfolgerung aus der Analyse der obenerwähnten Kapitel. Jede Ausbildung, die unternehmensfern bleibt, ist eine Illusion und zum Scheitern verurteilt. Deshalb wird versucht, das positive im Land - das Produktionsschulprinzip - beizubehalten und die neu gegründeten KMU allmählich immer mehr (gesetzlich fundiert) an der Ausbildung zu beteiligen. Dieses Modell ist den einheimischen Bedingungen nicht fremd und berechtigt zu der Hoffnung auf eine schnelle Anpassung und Übernahme.

1.3 Material und Methode

Das von mir verwendete primäre Material sind Quellen aus der bulgarischen und russischen Bildung und Berufsbildung im Original in meiner eigenen Übersetzung. Als besonders hilfreich erwiesen sich auch die sorgfältig erarbeiteten und systematisiert gesammelten Berufserfahrungen als Berufsschullehrerin an zwei bulgarischen Technika, Unterricht in mehreren gewerblichen - technischen Fächern, sowie Praxis an Drehmaschinen und zahlreiche Weiterbildungen im Bereich der Berufsbildung. Von großer Bedeutung für die Zwecke des Vergleiches waren die eigene Forschung und Teilnahme an dem dualen System in zwei große deutsche Unternehmen: Siemens - Niederspannungsschaltanlagen, Leipzig und Bosch - Siemens Haushaltsgeräte, Traunreut. Als sekundäres Material benutzte ich die deutschsprachige Literatur zur Technik der Berufsbildungs- und Entwicklungshilfe sowie zu Forschungsmethoden aus der internationalen Berufspädagogik. Die gute Beherrschung beider Sprachen, Kenntnis der Mentalität beider Völker sowie ein großes Wissenspotential in der Berufsbildung geben Anlaß zu der Hoffnung, daß die Arbeit einen wissenschaftlichen Beitrag zu der Reformstrategie leisten kann.

1.4 Danksagung

Hier möchte ich zuerst meinen Eltern danken, deren starker Wunsch es war, daß ich mich unablässig weiterentwickele. Dann meinem Ehemann Helmut Stresemann, der diese Idee kontinuierlich weitergeführt hat, mein Promotionsstudium in jeder Hinsicht unterstützt und alle modernste Hard- und Software für die Zwecke der Dissertation zur Verfügung gestellt hat. Natürlich wäre die Arbeit ohne Prof. Dr. Greinert nicht zustande gekommen. Besonders danke ich ihm für seine fachliche Beratung und die Worte der Anerkennung und Ermutigung für mich. Ich danke auch Herrn H.-J. Kloth (CDG), der mir die Möglichkeit gegeben hat, gemäß meinem Wunsch das duale System in 2 verschieden Bundesländern zu untersuchen. Weiterhin danke ich auch vielen anderen Menschen, die mich beraten und mir geholfen haben: Prof. Dr. E. Uhe, Dr. J. Meyser (TU), Dr. L. Alex, Chr. Eberhardt (BiBB), Dr. Löns, Dr. M. Makedonska (NIO).