Fallstudie Technikum für Autotransport - Sofia

In dieser Berufsschule werden Schüler nach der 8.Klasse aufgenommen. Es sind, wie in den meisten bulgarischen Berufsschulen, zwei Ausbildungsgänge möglich:

· vierjährige Ausbildung - Technikum mit Abschluß bzw. Techniker oder Technologe. Dies entspricht dem deutschem Ingenieur.

· dreijährige Ausbildung - SPTU mit Abschluß: hochqualifizierter Arbeiter. Dies entspricht dem deutschen Facharbeiter.

Für diese Berufsschule gibt es nach Angaben des Direktors nach der Wende 1989 besonders großes Interesse von Seiten der Schüler und deren Eltern. Die Ursache ist, daß nach Abschluß der Schule die Abiturienten in der Lage sind, einen eigenen privaten Autoservice zu eröffnen.

Die meisten privaten Firmen in Bulgarien sind bei Gericht als Firmen mit mehrfacher Tätigkeiten registriert wie z.B.: Transport, Reparatur, Export, Import, Vermittlung, landwirtschaftliche Tätigkeiten u.a. Deshalb kann man schwer zwischen Firmen mit reiner Autoreparatur - und Automonteurstätigkeit differenzieren.

Trotzdem kann man mit ca.200 privaten Firmen in oben erwähntem Bereich nur für den Region Sofia rechnen.1(Stand: September 1995)

Aus diesen Gründen wurde für das Schuljahr 1995/1996 die Aufnahme der Schüler für die oberen Berufsschulen erweitert: 8 Klassen Technikum und 19 Klassen SPTU.

Die Klassen in der bulgarischen Berufsschule werden Kurs genannt. Für alle Schüler im 1. Kurs, abgesehen von dem konkret gelernten Beruf, ist das Praktikum dasselbe:

Metallbearbeitungspraktikum - 6 Stunden, 1 Mal wöchentlich, das ganze Schuljahr lang.

Es wird in drei Abschnitten durchgeführt:

· Schlosserarbeiten : 18 Wochen,

· Dreharbeiten : 9 Wochen,

· Wärme-(thermische)Bearbeitung des Metalls : 9 Wochen.2

Dieses Praktikum wird in der Berufsschule durchgeführt in einer speziell dafür geeigneten Werkstatt. Hier wird jedes Jahr eine reale Produktion, die vorher bestellt und beantragt wird, hergestellt. Ähnlich wie in anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks, aber im Unterschied zu der BRD wird diese Produktion weiterverkauft. Die Produktion wird als Endprodukt oder als Zwischenprodukt anderen Betrieben, Firmen, Geschäften, privaten Berufsschulpersonen u.a. Verbrauchern angeboten. Die produzierten Werkstücke

sind so ausgewählt, daß sie oft Elemente der drei Bearbeitungsmöglichkeiten: Schlosser-, Dreh- und Schweißarbeiten kombinieren können.

Ein eigenes Geschäft hat diese Schule nicht. Diese Produktion ist der Betriebsproduktion gegenüber konkurrenzfähig entweder durch ihre hohe Qualität oder ihren niedrigen Preis.

 

Einige Beispiele aus der Produktion

Scheiben, Bolzen, Nieten, Klammern für Lager, Zubehör für verschiedene Hilfsoperationen in einigen Fertigungen u.a.(s. Foto)

In den meisten Fällen werden als Material für die produzierten Werkstücke Reste aus anderen Betrieben, nicht verwendbare Vorräte, Abfälle aus Metall u.a. genutzt, die zu möglichst niedrigen Preisen angekauft werden, so daß man einen Gewinn erwirtschaften kann. Der Verkaufspreis der fertigen Produktion wird von der Berufsschule bestimmt, gemäß Richtlinien und Vorgaben, die vom Staat gegeben sind. Den Gewinn verrechnet man einmal im Jahr, und er wird in der Buchhaltung der Schule bearbeitet und gespeichert. Die Daten werden nicht offiziell veröffentlicht. Der Direktor teilt die Ergebnisse dem Schulpersonal mit. Einmal jährlich werden die Gewinne durch eine Finanzrevision vom Staat kontrolliert. Die monatliche oder vierteljährliche Bearbeitung und Registrierung der Gewinne ist schwierig und wird nicht praktiziert, da hier viele andere zeitliche Faktoren Einfluß haben wie: Inflation, ständig steigende Preise der Rohstoffe und Energie, nicht verkaufte Produktion u.a.

Ab dem zweiten Kurs wird das sogenannte Berufspraktikum erlernt. Für diese Zwecke dienen zwei extra dafür geeignete Werkstätten auf dem Gelände der Berufsschule. Diese Werkstätten sind real tätig und unterscheiden sich kaum von einer normalen Servicewerkstatt. Es werden alle möglichen realen Autos, Lastautos, Mikrobusse und andere kleine bis mittelgroße Verkehrsmittel von Kunden repariert. Die Kunden zieht man durch Werbung in Medien und am Gebäude der Schule, durch die schon geleistete Arbeit und Dienste an Kunden usw. an.

Es werden hier Autoreparatur -, Autoklempner - und Autoblech -reparaturtätigkeiten ausgeübt. Jedesmal werden zahlreiche Arbeitsschritte erlernt. In der Berufsschule werden diese Werkstätten als Berufs- oder spezielle Werkstätten bezeichnet.

Die Ergebnisse sind hier anstelle von Werkstücken Reparaturen oder Dienstleistungen.

Beispiel einer Autoreparatur

Defekt am Starter des Autos. Die Schüler demontieren ihn, diagnostizieren, besprechen mit dem Lehrer und den Meister die möglichen Wege zur Reparatur, reparieren, bauen es wieder ein, überprüfen es und übergeben es wieder dem Kunden. Bei Rückgabe des Autos wird die Reparatur vom Kunden sofort bezahlt. So werden hier die Gewinne viel leichter und schneller registriert. Für die einzelnen Reparaturen gibt es eine bestimmte und feste Preisliste.

Vor der Wende im Jahre 1989 wurden diese beiden Werkstätten vollkommen von der Berufsschule geleitet und gesteuert. Nach 1989 sind sie zwar Eigentum der Schule, aber die Arbeitsprozesse werden von einer privaten Firma durchgeführt.(s. Foto)

Nutzeffekte sind für beide Seiten vorhanden. Die Firma nutzt die Hallen, die Maschinen, das Werkzeug und schließlich kostenlos den Fleiß und die Arbeit der Schüler. Die Berufsschule erfüllt durch die Firma die allerwichtigste Aufgabe: Erlernen des Berufes für die Schüler bei realen Bedingungen und Situationen aus dem Berufsleben. Die Firma bezahlt der Berufsschule einen Teil aus dem realisiertem Gewinn.

Tabelle1:Gewinn

Ausbildungsort

1993/94 Lewa

1993/94 DM

1994/95 Lewa

1994/95 DM

Werkstatt
Metall

40 000

878,25

50 000

1097,81

Spezielle
Werkstatt

60 000

1317,37

70 000

1536,94

Quelle:3

Kurs des Tages am 15.09.1995 : 1 DM = 45,545 Lewa (BNB).4

 

Am Ende jedes Schuljahres wird der Gewinn zwischen allen Teilnehmern des Berufspraktikums prozentual verteilt: Schülern, Berufsschullehrern, Hilfspersonal, Schulleitung. Ein bestimmter Prozentsatz des Gewinns bleibt für verschiedene Zwecke der Schule wie Renovierung, Aufbau von neuen Schulräumen u.a.

Am Ende des 4.Kurses wird von den Schülern eine dritte Art von Praktikum durchgeführt, das ist das sogenannte Betriebspraktikum. Es dauert 3 Wochen am Ende des Schuljahres und wird in einem Betrieb außerhalb der

Schule realisiert. Das ist eine konkrete Vorbereitung und Einführung für das reale Berufsleben.

Die Betriebe sind hauptsächlich staatlich gesteuert: z.B. städtische Verkehrsbetriebe, große Reparaturhallen u.a.

Vor der Wende 1989 wurde die Hälfte aller Praktika dieser Schule in solchen Betrieben durchgeführt. Nach der Wende wurden viele Betriebe geschlossen.

Aus diesen Gründen wurde das Betriebspraktikum auf nur 3 Wochen des letzten Schuljahres reduziert. Während des Betriebspraktikums bekommen die Schüler keinen Lohn.

So kann man das Berufsbildungssystem in Bulgarien im Vergleich mit demselben in Deutschland nur teilweise als dual betrachten. Der Ausbildungsort Betrieb ist in den meisten bulgarischen Berufsschulen sehr wenig oder fast

nicht vertreten. Schwierig ist es mit diesem Ausbildungsort besonders in der gegenwärtigen Periode: Übergang zur freien Marktwirtschaft mit vielen geschlossenen Betrieben. Der Betrieb stellt den Abiturienten Praktikumsplätze zur Verfügung, was durch einen Vertrag zwischen Berufsschule und Betrieb geregelt ist. Die rechtlichen Grundlagen des Vertrags bestehen wie auch in Polen zwischen der Berufsschule und dem betroffenen Betrieb.5

In Deutschland besteht dieser Vertrag zwischen Schüler und Betrieb, bzw. Firma.

In Bulgarien wird das Praktikum aus methodisch - didaktischer Sicht in allen drei Stellen:

· Werkstatt Metallbearbeitung;

· Werkstatt Beruf (Autoreparatur usw.);

· Betrieb

nach gleichem Modell durchgeführt. Dieses Modell ist in hohem Maß pädagogisch orientiert. Überall ist die leitende Person der Berufsschullehrer. Der praktische Unterricht beginnt mit einer theoretischen Einführung über ein bestimmtes Thema, das im Lehrplan vorgesehen ist. Die Einführung dauert zwischen 20 und 90 Minuten und danach wird die konkrete Arbeit von dem Berufsschullehrer zwischen den Schülern verteilt. Er kontrolliert und betreut auch die Arbeit bis zum Ende des Unterrichts, übernimmt die fertigen Werkstücke, überprüft die schon gemachten Reparaturen, ist für das Werkzeug verantwortlich, überprüft die Arbeits-, bzw. Praktikumsplätze usw.

Das pädagogische Modell der Berufsschule im Ostblock wird sehr oft kritisiert. Die Kritik kommt von Seiten der Wissenschaftler des Ostens im Bereich Berufspädagogik selber.

An allen drei Stellen sind auch Meister vorhanden, die Personal des Betriebes sind, aber keinen Anteil an dem Unterrichts- und Praktikumsprozeß haben. Die Meister sind für die Maschinen, Wartung und Fertigung verantwortlich. In Deutschland ist es umgekehrt: die Meister oder die sogenannten Vorarbeiter haben einen direkten Kontakt zu den Schülern und sind für die berufliche Ausbildung verantwortlich und eng damit verbunden.

In Bulgarien, ähnlich wie in Ungarn wird die einen Beruf erlernende Person einfach nur Schüler oder Praktikant genannt, wobei in Deutschland der Begriff „Lehrling" oder „Azubi" verwendet wird.6

„....hat sich Charakter und Aufgabe der Berufsschule zur Jahreswende 1969/1970 entscheidend geändert. Regelte das 4 Gesetz des Jahres über die Handwerks - und Handelsschüler ein „duales" Berufsausbildungssystem (vergleichbar dem der BRD, in dem die Beziehung zwischen „Lehrling" und Ausbildungsbetrieb durch einen Lehrvertrag geregelt und die Berufs- bzw. Facharbeiterschule eine berufsbegleitenden Teilzeitschule war), so übertrug das am 1.Januar 1970 in Kraft getretene 6 Gesetz des Jahres 1969 der Berufsschule Verantwortung und Steuerungsfunktion hinsichtlich der gesamten Facharbeiterausbildung. Der auszubildende Facharbeiter steht seither nicht mehr in einem Lehrverhältnis zu einem Ausbildungsbetrieb, sondern er ist nur noch Schüler."7

Ähnlich wurde es auch in allen anderen Ostblockländer geregelt. Die Verantwortung des Auszubildenden dem Betrieb gegenüber wird dadurch vermindert. Auch sinkt dadurch sein Ansehen in der Öffentlichkeit.

„In terminologischer Hinsicht ist zu beachten, das der Begriff „Lehrling" in der VR Ungarn seit der Nachkriegszeit wegen seines schlechten Images nicht mehr verwendet wird, statt dessen wird - auch soweit die betriebliche Ausbildung betroffen ist - stets von Schülern bzw. Facharbeiterschülern gesprochen."8

Der Unterricht in Werkstatt und Betrieb wird in Stunden erteilt, die eine Länge von 55 Minuten haben. Zwischen den einzelnen Stunden sind kurze Pausen von 5 Minuten. Nach den Regeln und Gesetzen des bulgarischen Gesundheitsministerium sind für alle Schüler in allen Schulen nicht mehr als 7 Unterrichtsstunden gestattet. Wenn diese Regel nicht eingehalten wird, wird bei einer Kontrolle der zuständige Direktor der Berufsschule bestraft. Gewöhnlich verläuft das Praktikum nur mit einer Pause zwischen den Stunden im Rahmen von 20 bis 30 Minuten.

In Deutschland verläuft das Praktikum in dem Ausbildungsort Betrieb oder Baustelle wie ein normaler Arbeitstag.

In der Firma BOSCH - SIEMENS - Haushaltsgeräte GmbH, Traunreut z.B. ist der Arbeitstag aller Praktikanten auf die Zeit von 7.00 bis 15.00 Uhr festgesetzt.

Zum Zwecke des Vergleichs der beiden Berufsbildungssysteme in Deutschland und Bulgarien eignen sich z.B. die Werkstätten in Bulgarien und die gewerblichen Ausbildungsstätten in Deutschland.

Im Folgenden wird das Technikum für Autotransport in Sofia mit der gewerblichen Ausbildung der deutschen Firma SIEMENS AG in Leipzig verglichen.

 

Vergleich mit Deutschland

Tabelle 2 Vergleich Ausbildungsgänge

Technikum „Autotransport" Sofia Werkstatt/Betrieb

SIEMENS AG Leipzig
Gewerbliche Ausbildung/Betrieb

1. Zulassungsverfahren

Mit Prüfung in Mathematik oder Physik, vom Bildungsministerium abgestimmt. Die Prüfung dauert ca. 5 Std.

Mit von der Firma entworfenem Eignungstest. Der Test wird im Rahmen von ca.2 St. Durchgeführt.

Die Ergebnisse werden mit Zensur bewertet; hohe Subjektivität bei der Bewertung; großer Streß für die Teilnehmer.

Die Ergebnisse sind mit Punkten. Subjektivität - ausgeschlossen. Der Streß ist minimiert.

Eine hohe Zensur im Fach ist nicht immer aussagekräftig in Bezug auf die techn. Fähigkeiten.

Anhand des Punkteresultats läßt sich sofort die technische Eignung feststellen.

2. Auszubildende.

Kein Vertrag mit dem Betrieb oder Firma.

Vertrag mit der Firma.

Bekommen keinen oder einen geringen Lohn, als Teil des Nettogewinns der Schulwerkstatt.

Bekommen ein festes Gehalt von der Firma.

Sind stark motiviert wegen:
Eigener Produktion der Berufsschule. Später eigene Firma zu gründen.

Sind stark motiviert wegen:
durchschnittlich hohem Gehalt;
Perspektive, Arbeitsplatz in der Firma zu bekommen.

Keine Verantwortung oder Interesse an der Firma und dem Betrieb.

Hohe Verantwortung der Firma gegenüber.

Ständiges Wechseln des Arbeitsplatzes, Betriebes.

Relative Stabilität des Arbeitsplatz.

Verschlechterte Arbeitsdisziplin.

Hohe Arbeitsdisziplin.

Starke Motivation wegen Abitur - Abschluß

Kein Anstreben des Abiturabschlusses

Bekommen schwer die Gewohnheit des Arbeitstages.

Schon vom ersten Tag bekommen sie die Einstellung von Arbeitern.

Arbeiten ungern, weil sie es als Ausbeutung ansehen.

Die Mehrheit arbeitet sehr gern und beherrscht schnell die Arbeitsschritte.

Suchen in der Übergangsperiode zusätzliche Arbeit, um die Familie zu unterstützen; verlieren viel Zeit und Kraft; das hindert die Ausbildung.

Sind nicht gezwungen, zusätzliche Arbeit zu suchen; sind nicht von den Eltern finanziell abhängig, widmen sich nur der Ausbildung.

Die Fachliteratur fehlt, ist schwer zu finden, manchmal sehr alt, sorgen selber für die Bücher, machen in der Stunde viele Notizen.

Die Firma sorgt für die Bücher und alle möglichen Lehrmittel. Die Information wird jährlich aktualisiert an die Bedingungen der Firma angepaßt.

Ohne Vertrag mit der Firma oder Betrieb.

Mit Arbeitsvertrag mit der Firma oder Betrieb.

3. Ausbilder. Berufsschullehrer.

Bereiten selber die Unterrichtsstunden vor. Verlieren viel Zeit, arbeiten ineffektiv.

Die Firma stellt alle möglichen Lehr - und Unterrichtsmittel zur Verfügung.

Quellen für technische Neuigkeiten sind schwer zu finden. Werden nicht periodisch qualifiziert u. weitergebildet. Finanzierung fehlt.

Werden ständig weitergebildet mit Mitteln der Firma, die eng mit der Praxis verbunden ist.

Wegen niedrigen Gehalts wechseln sie oft den Arbeitsplatz. Schlechte Arbeitsdisziplin.

Sind stark interessiert, den Arbeitsplatz zu behalten.
Hohe Disziplin.
Keine Kontrolle notwendig.

4. Werkstatt/Gewerbliche Ausbildung

Veraltete Maschinen, Werkzeug, Meßgeräte.

Technik auf allerneuestem Stand vorhanden.

Schwierigkeiten bei der Lieferung von Materialien.

Genug Materialien vorhanden.

Reale Produktion, die weiter verwendbar ist. Produktion wird vorher geplant, bringt Nettogewinn.

Die Produktion und der Nettogewinn sind nicht das Ziel, sondern die Übung.

Einige Übungen werden wegen teuerer Materialien nur vorgezeigt.

Alle geplanten Übungen werden von allen Schülern durchgeführt.

5. Auszubildende im Betrieb

Geringen jährlichen Aufenthalt - wochenweise

Hauptausbildungsplatz. Aufenthalt monatelang, ca. mehr als die Hälfte der gesamten Lehrzeit.

Leitende Person ist wieder der Berufsschullehrer.

Leitende Person ist der Meister, der Vorarbeiter.

Ständig wechselnder Arbeitsplatz.

Relativ stabiler Arbeitsplatz.

Bleiben weit weg von dem Betriebsklima.

Sind in einem realen Betriebsklima.

Haben keine Arbeitsnorm. Sind nicht interessiert an den Endprodukten des Betriebes.

Arbeiten mit einer Norm, nehmen Teil an der Produktion des Betriebes.

Sind manchmal nur Beobachter oder Aushilfe.

Die beiden Funktionen sind für die Auszubildenden fast ausgeschlossen.

Brauchen eine Anpassungszeit, falls sie später eingestellt werden.

Können vom ersten Tag anfangen zu arbeiten ohne Verluste .

Es fehlt die psychologische Motivation, daß sie hier arbeiten werden.

Ein großer Teil bleibt später hier. Starke psychologische Motivation.

Bekommen Flexibilität, sind an Schwierigkeiten gewohnt.

Sind an Schwierigkeiten nicht gewohnt, sehr anspruchsvoll.

 

Natürlich könnte man die Vergleichende Tabelle noch genauer und detaillierter ausführen. Es soll lediglich ein Hilfsmittel für die Analyse der beiden Berufsbildungssysteme sein, um Vorteile und Nachteile herauszufinden und dadurch Vorschläge für die Reform erarbeiten zu können.

Das Technikum für Autotransport in Sofia (s. Foto) hat im gegenwärtigen Moment der Umstrukturierung auf das Modell der freien Marktwirtschaft hin viele reale Schwierigkeiten. Die meisten Problemen sind dem gesamten Schulsystem in Bulgarien gemein wie z.B. viele und häufig geänderte Schulreformen, Lehrprogramme und Verweise des Bildungsministeriums. Zu den allgemeinen Problemen der Schule und hiermit auch der Berufsschule gehört die Instabilität des Schulpersonals. Einerseits bedeutet das: niedriges Gehalt, andererseits: die Lehrer mit großer Erfahrung und vielen Kenntnissen sind gezwungen, bessere Arbeitsstellen zu suchen wie private Ausbildungskurse, private Schulen und Firmen, die zur Zeit immer noch wenig und schwach sind, Arbeit an zwei Arbeitsstellen gleichzeitig usw.. Zur Veranschaulichung folgt hier eine

Tabelle 3 : Vergleich Gehälter

Beruf: Gehalt (Lewa) Gehalt (DM):
Lehrer, Berufsschullehrer in staatlichen Schulen

max. 5.700

125,15

Lehrer in privaten Schulen

max. 12.000

263,47

Beamte der Bank (staatliche
sowie private

10.000
bis 20.000

219,56
bis 439,12

Quellen: 9 10 11

Das Gehalt wird den Lehrern als Bargeld ein - oder zweimal monatlich ausgezahlt und kommt aus der Staatskasse. Da letztere von dem Defizit belastet wird, kommt es oft zu einer Verspätung der Auszahlung, die sich im Rahmen von Wochen bis Monaten bewegt. Dieses Problem kann man auch psychologisch betrachten, da es eine stark negative Auswirkung auf die Arbeitsmotivation ausübt.

Aus diesen Gründen verlassen immer mehr hochqualifizierte und erfahrene Lehrer ihre Arbeitsplätze. Dies hat zur Folge, daß die Schulleitung oft niedrig qualifizierte Arbeitskräfte einsetzt, was den allgemeinen Qualifikationspegel stark absinkt.

Zu den gegenwärtigen Problemen der Schule zählen auch z.B. Renovierung, Aufbau von neuen Räumen, Lehrmittel, Bekämpfung einiger Insekten usw.

Neue Probleme, die nach der Wende im Jahre 1989 entstanden, sind die große Gruppe der sozialen Problemen:

· Alkohol- und Drogenabhängigkeit der Schüler;

· Arbeitslosigkeit in vielen Familien und dadurch reduziertes Interesse an den Lernprozessen und allen Tätigkeiten in der Schule;

· Politische Auseinandersetzungen in den Familien, Schulen, Betrieben u.a.;

· Starken Einfluß von religiösen Sekten in der Schule;

· Auswirkungen ideologischer Einrichtungen des Westens auf die Schüler;

· Gesteigerte Kriminalität auch in der Schule;

· Telefonterror mit Bedrohung für Bombenanschläge in der Schule.

 

Spezifische Probleme

Das Technikum für Autotransport hat auch seine spezifischen Probleme, die typisch für alle Berufsschulen sind. An erster Stelle steht nach den Angaben des Direktors: einen optimalen Weg für die Berufsausbildung zu finden und den Kampf sich endlich aus der Planwirtschaft herauszuziehen. Er ist auch der Meinung, daß das Erlernen eines Berufes absolut notwendig ist.

Ohne Berufsbildungssystem ist es überhaupt nicht möglich, eine neue Gegenwart des Landes aufzubauen, aber welches das richtige ist, wird auch die Zukunft zeigen.

Leider sind die privaten Firmen immer noch nicht daran interessiert, die Berufsausbildung zu unterstützen und direkt am Ausbildungsprozess teilzunehmen.

Gesetzlich ist dies bis jetzt auch nicht geregelt.

Die meisten privaten Firmen, die in Bulgarien nach 1989 gegründet wurden, sind kleine bis mittelgroße Betriebe und haben die Bereitschaft, 1 bis 2, höchstens 3 Auszubildende zu übernehmen, aber es fehlen die rechtlichen Grundlagen, die Organisation und letztlich auch die Anreize für beide Seiten.

Ein Sponsor, der die Arbeit der Berufsschule finanziell und auch mit Ideen und Vorschlägen unterstützen würde, ist sehr schwer zu finden.

Sehr schwierig ist auch das lange Suchen nach und die Lieferung von Rohstoffen, Materialien, neuen Werkzeugen, Maschinen u.a., die für die Berufsschule notwendig sind. Die in der Berufsschule produzierten Werkstücke sind manch mal sehr schwer verkäuflich, da einige von ihnen von schlechter Qualität sind, und so ist die Betriebsproduktion nicht konkurrenzfähig. Die Berufsschule ist gezwungen, diese Werkstücke zu sehr niedrigen Preisen zu verkaufen, was eine Auswirkung auf den Nettogewinn hat.

In der Periode des Sozialismus 1944-1989 wurden die Auszubildende in vielen Berufsschulen verpflichtet, in bestimmten Betrieben derselben Fachrichtung 3 Jahre lang zu arbeiten. Ähnlich war es auch in anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks wie z.B. in Rumänien:

„Ebenso wie bei den Lehrlingsschulen müssen sich die aufgenommenen Bewerber verpflichten, nach Abschluß der Ausbildung mindestens 3 Jahre lang eine Tätigkeit in dem der Schule zugeordneten Betrieb abzuleisten.” 12

Die Berufsschule nahm auch Teil an dieser Verteilung und Zuordnung der Abiturienten zu den jeweiligen Betrieben und registrierte jeden Schüler, der seine Ausbildung abgeschlossen hatte. Jetzt ist diese Verpflichtung entfallen.

Da die Registrierung fehlt, kann man heutzutage sehr schwer feststellen und verfolgen:

· Zahl der Abiturienten, die im selben Beruf bleiben;

· Zahl der Abiturienten, die in anderen Bereichen arbeiten;

· Arbeitslose Jugendliche.