Historischer Galilei


1. Galileo Galilei
2. Geschichtliche Bedeutung Galileis
3. Das Leben des Galileo Galilei
4. Der geschichtliche Hintergrund
5. Literarische Werke über Galilei
6. Literaturverzeichnis


I. Galileo Galilei
Galileo Galilei war italienischer Mathematiker, Physiker und Philosoph im 17. Jahrhundert. Er gilt als Begründer des experimentellen Denkens aller Naturwissenschaftler. Außerdem versuchte er die wissenschaftliche Wahrheit von der scholastisch - traditionellen Lehre der Kirche abzugrenzen und forderte die Emanzipation der Wissenschaft.

II. Geschichtliche Bedeutung Galileis
Galilei hat zahlreiche Entdeckungen und physikalische Erkenntnisse der Wissenschaft übergeben. Diese sind heute schon teilweise überholt. Sein hauptsächlicher Beitrag für die Wissenschaft besteht jedoch darin, daß er eine neue Auffassung der physikalischen Erkenntnisse begründet hat. Vor ihm fragte man nach "warum" eines physikalischen Vorgangs. Vor allem die Forschungen von Aristoteles basierten auf dieser Methode. Galilei fragte nach dem "wie" eines Prozesses. Er war der erste, der die Gesetze der Physik in mathematische Formeln umsetzte. Er stellte seine Fragen an das Experiment und nicht an die Vernunft. Eine Reihe wissenschaftlich kontrollierter Experimente ist für ihn ein Beweis für eine Gesetzmäßigkeit. Galilei begründete damit das neue Zeitalter der Wissenschaft. Die Naturwissenschaft nach Galilei benutzte die Methoden Galileis um weiterzukommen und Neues zu entdecken.
Galilei war einer der ersten Italiener, die sich für die Darstellung ihrer Forschungsergebnisse ihrer Muttersprache bedienten. Andere Wissenschaftler benutzten Latein als Sprache der Wissenschaft. Sie wollten damit verhindern, daß das einfache Volk von ihren Lehren etwas mitbekam und ggf. zu fragen begann. Galilei war jedoch offener gegenüber dem Volk. Er versuchte die Menschen zu überzeugen und sie zum eigenen Denken anzuregen. Er veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in Form von leicht verständlichen Dialogen.

III. Das Leben des Galileo Galilei
Galileo Galilei wird am 15. Februar 1564 in Pisa geboren. Sein Vater ist ein nicht sehr begüterter florentinischer Adliger. 1581 beginnt Galileo auf der Universität in Pisa auf Wunsch seines Vaters ein Medizinstudium. Er bricht jedoch bald ab und widmet sich ganz dem Studium von Mathematik und Naturwissenschaften. An der Florentiner Accademia del Disegno studiert er die Schriften Aristoteles. Mit 19 Jahren erfindet er die Pendelgesetze, mit 22 die hydrostatische Waage. Mach vier Jahren beendet er die Ausbildung ohne einen Abschluß. Aufgrund seiner guten Beziehungen erhält Galilei jedoch eine Professur für Mathematik in Pisa. Sein jährliches Einkommen beträgt 60 Skudi verbunden ist. In der Zeit seiner dreijährigen Tätigkeit als Professor beweist er die Unrichtigkeit des Satzes von Aristoteles "Verschiedene Körper fallen verschieden schnell". Dem 26-jährigem wird jedoch von den Gelehrten keine Beachtung geschenkt mit der Begründung, ein so junger Mensch habe an den Fundamenten der Wissenschaft nicht zu rütteln. Es ist nicht bewiesen aber wahrscheinlich, daß Galilei vom Schiefen Turm von Pisa seine Fallversuche durchgeführt hat. Nachdem er eine von einem Verwandten des Großherzogs erfundene Baggermaschine kritisiert, wird er endgültig aus seiner Heimatstadt verwiesen, 1592 erhält er eine etwas besser besoldete Stelle als Mathematikprofessor im Padua (Republik Venedig). Später sagt Galilei, es sei die glücklichste Zeit seines Lebens gewesen. Seine Vorlesungen werden von sehr vielen Hörern besucht. Die Universität in Padua ist eine der ältesten hohen Schulen Italiens (gegründet 1222); an dieser Universität hatte Koperernikus Ende des 15. Jahrhunderts Medizin studiert, Galileo rechtet in seinem Haus eine feinmechanische Werkstatt ein. Wegen seiner Geldsorgen gibt Galilei Privatunterricht an zahlreiche begüterte Schüler. Der Hauptgrund für die finanziellen Probleme Galileis ist nicht etwa sein relativ kleiner Gehalt sonder seine hohe Ausgaben. Wegen seiner patrizischer Herkunft war er seiner Familie gegenüber finanziell verpflichtet und sein Lebensstil war außerdem sehr anspruchsvoll.. Während seines Aufenthalts in Padua macht Galilei zahlreiche bedeutsame Erfindungen. Er baut das vor einem Jahr in Holland erfundene Fernrohr nach und verbessert es von 3-facher auf 10-fache Vergrößerung, Damit beobachtet er den Himmel. Er sieht, daß die Milchstraße aus einzelnen Sternen besteht, daß der Mond Berge hat und nicht leuchtet, sondern von der Sonne angeleuchtet wird. Mit der Entdeckung der 4 Jupitermonde und der Phasen der Venus bestätigt sich endgültig seine sympathisierende Haltung zur Kopernikanischen Lehre vom heliozentrischen Weltsystem. Damit ist er sich sicher, daß das Ptolomäische geozentrische Weltbild, das auch von der Kirche vertreten wird, nicht stimmen kann. Galilei ist bereits vorher ein Befürworter des Kopernikanischen Weltsystems gewesen. Dies bestätigt ein Briefwechsel mit Johannes Kepler aus dem Jahre 1597. Er besaß jedoch in der Zwischenzeit keine Beweise, um seine Zeitgenossen davon überzeugen zu können. Er veröffentlicht seine Forschungsergebnisse in einem Traktat "Sidereus Nuntius" (Sternenbote), in dem Galilei lediglich seine Beobachtungen beschreibt, jedoch keine mathematischen Beweise liefert. Die Schrift erscheint acht Wochen nach seiner Entdeckung. Allen Astronomen wird klar, daß Galilei einen überzeugenden Beweis für die kopernikanische Theorie gefunden hat. 1610 zieht Galilei als Hofmathematiker des Großherzogs von Florenz Cosimo de Medici nach Florenz. Cosimo ist bereits sein 1605 sein Schüler. Er erhofft sich eine besser Bezahlung und mehr Zeit und Freiheit für seine Experimente. 1611 entschließt sich Galilei zu einer Reise nach Rom, um die kirchliche Oberbehörde von der Richtigkeit des heliozentrischen Weltbildes zu überzeugen. Der Versuch mißlingt. Galilei forscht weiter mit dem Teleskop und entdeckt die Sonnenflecken. Damit beweist er, daß die Sonne sich um die eigene Achse dreht. 1613 entwickelt Galilei einen Brief an den Benediktiner B. Castelli, in dem er seine Vorstellungen über das Verhältnis der Bibel zum heliozentrischen System schildert und die Neuinterpretation der heiligen Schrift fordert. Dies führt zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Kirche, die 1616 schließlich mit dem Verbot dieser Lehre antwortet. Galilei hält sich zunächst formal an dieses Verbot. 1618 nach der Besteigung des Thrones vom Papst Urban VIII. versucht Galilei erneut die Kirche von seinem Weltbild zu überzeugen. Mit der Schrift "Il Saggiatore" ("Prüfer mit der Goldwaage") wendet er sich an den Urban VIII., da dieser Papst ihm liberaler und fachkundiger erscheint. Die Veröffentlichung bleibt ohne Resonanz, bis Galilei 1632 einen Dialog "Dialogo sopra i due massimi sistemi" verfaßt und veröffentlicht, in dem Vertreter beider Weltbilder miteinander disputieren und der Befürworter des kopernikanischen Weltbildes besser Argumente vorbringt und am Ende gewinnt. Noch im selben Jahr wird das Buch auf kirchlichen Befehl eingezogen. Am 16.6.1633 werden alle Schriften Galileis, die mit seiner Theorie zu tun haben, verboten. Galilei selbst wird als Ketzer verhaftet. Es beginnt ein Prozeß, der am 22. Juni 1633 mit dem Widerruf der Theorie des 69jährigen Galilei endet. Der Legende nach soll Galilei jedoch nach dem Prozeß gesagt haben: "Eppur si muove" ("Und sie (die Erde) bewegt sich doch"). Er wird zu unbefristeter Haft in seinem Landhaus in Arcetri bei Florenz verurteilt. Dort verfaßt er sein für die weitere Entwicklung der Physik wichtigstes Werk, die "Discorsi e dimonstrationi matematiche" - Demonstartionen über zwei neue Wissenszweige, die Mechanik und die Fallgesetze betreffend. 1637 erblindet Galilei auf beide Augen. Er läßt das Buch aus dem Land schmuggeln. Galilei stirbt 8. Januar 1642 in Arcetri.

IV. Geschichtlicher Hintergrund
Italien im 17. Jahrhundert
Italien war eine "verspätete" Nation. Ihre politische und staatliche Einheit ging erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vonstatten. Die Städte Venedig, Genua, San Marino und Lucca hatten ein republikanisches Staatswesen. Die bedeutendste Republik war Venedig (Anfang des 17. Jahrhunderts). Das republikanische Staatswesen war eigentlich keine demokratische Staatsform im heutigen Sinne. Die politische Macht wurde von männlichen Vertretern der Patrizier und zahlreichen Adelsfamilien ausgeübt. Im 17. Jahrhundert brachte Italien kulturelle Leistungen in Architektur und Musik von hohem Rang vor. Im Gegensatz dazu waren die politischen Verhältnisse schlechter, da sich die Handelswege wegen der Türkengefahr immer mehr in Richtung der Atlantikküste verlagerten. Italien verlor dadurch auch den Anschluß an neue ökonomische Entwicklungen wie z.B. Manufakturwesen. Italien kehrte somit zwangsläufig zu einer feudalen, agrarisch geprägten Lebensweise zurück.
Italien blieb von der Reformation gänzlich unberührt, sie wurde neben Spanien zum Kernland der Gegenreformation. Die Gegenreformation wurde von den Päpsten Pius V. (1566-72), Gregor XIII. (1572-85) und Sixtus V. (1585-90) durchgesetzt. Ihre Ziele waren nicht nur geistige und religiöse Erneuerungsbewegungen durchzusetzen, sondern auch die alten Machtpositionen zu erhalten. Die kirchliche Obrigkeit hatte zu Beginn des 17. Jahrhunderts nahezu in allen italienischen Staaten einen dominierenden Einfluß gewonnen. Dieser Einfluß war nicht nur auf das religiöse und geistige Leben ausgerichtet, sondern erstreckte sich auch auf den politisch-gesellschaftlichen Bereich. Die Inquisition, das förmliche Rechtsverfahren gegen Häretiker (Ketzer) und Ungläubige wurde nicht so systematisch durchgeführt wie in Spanien vom Philipp II.
Lediglich Venedig versuchte sich der Dominanz Roms zu entziehen. Diese Republik versuchte den Klerus zu besteuern und die Politik der Kirche des Landes unterzuordnen. Dies führte zu einem heftigen Konflikt mit dem Papst Paul V. Der Papst verbannte den Dogen und verhängte das Interdikt (Verbot aller religiösen Aktivitäten) über das Gebiet der Republik. Die Republik antwortete mit der Ausweisung der Jesuiten und der "Dienstverpflichtung" anderer Kleriker.

V. Literarische Werke über Galileo Galilei:
Romane:
Z. von Harsànyi "Und sie bewegt sich doch" 1937
M. Brod "Galilei in Gefangenschaft" 1948
Gertrud von Le Fort "Am Tor des Himmels" 1954
A. Koestler "Die Nachtwandler" 1959
Dramen:
Bertolt Brecht "Das Leben des Galilei" 1955
F. Zwillinger "Galileo Galilei" 1962

VI. Literaturverzeichnis
Brockhaus Enzyklopädie
Materialien über Bertolts Brecht "Galileo Galilei"


Verfaßt von Viktor Nikulin und Kalle Bertram - Klasse: 12 - Note: 11 Punkte

(C) 1996

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