>>Das Schwarze Korps<< - ein Presseerzeugnis der SS - brachte 1937 einen Bericht ueber Verhandlungen vor einem Sondergericht im DR.
   
Darin wurde auch  ein Bibelforscherfall behandelt. Beim Vergleich verschiedener Fallgruppen kommt das "SK"  zu einer Abstufung:
Am schwersten sei der greise Mann mit sechs Monaten bestraft worden.
Hier, im Falle des alten Sektierers haette man eine grossmuetige Behandlung, wenn nicht gar Freispruch erwartet, für dessen unsinniges Geschwaetz und Gehabe - wie man meint - wiederum nur Narren empfänglich sein können.
Entscheidend sei aber nicht, daß der unentwegte Bibelforscher ein bedauernswerter Greis ist. Entscheidend sei hier, dass er trotz staatlichen Verbotes Propaganda für eine Sekte macht, deren Staatsgefährlichkeit der Laie gar nicht übersehen kann.<<
   
Titel des SK-Berichtes: "Die Kleinen laesst man laufen..."
Aus diesen eher harmlosen Analysen macht das Mitteleuropaeische WTS-Buero in Bern 1937 eine entstellende Anzeigenkampagne als Vergeltung fuer einen frueheren SK Bericht ueber einen "Kehraus-Ball" auf den Magdeburger Bibelhausgelaende.:

 

 

 

'>>Das Schwarze Korps ford

ert die Todesstrafe.<< <

 
  In der Luzerner Resolution und dem >>Offenen Brief<< wurde dann wieder der Fall des Willy Ruhnau -  Harbecks Kurier zwischen Bern, Danzig und dem Reichsdiener Fritz Winkler - den deutschen Behörden vorgeworfen.
 
Doch der Danziger WTS Kurier Willy Ruhnau überlebte bis mindestens 1943 seine Inhaftierung.
   

Die glaeubige JZ Marie Pape aus Thale - Mutter des Schriftstellers Guenter Pape - verfasste keine unterwuerfige Eingabe an das Sondergericht, sondern eine Beschwerde samt Richter- und Staatsschelte.

Das Einlegen von Rechtsmitteln aller Art war bei den Sondergerichten unerwuenscht und kaum moeglich: Keine Berufungen nur Gnadengesuche.

>>Wohl kann ich verstehen, daß das Sondergericht nicht anders handeln kann,..., da ja das Sondergericht nicht die Wahl hat, Gerechtigkeit walten zu lassen; sondern das hinausführen muss, was die Geheime Polizei wünscht, ungeachtet, ob es zu Recht oder Unrecht geschieht. Der Reichsakanzler A. Hitler sagte einmal...: "wenn das Recht endgültig der Gewalt weicht, wird eine dauernde Unsicherheit den Ablauf aller normalen Funktionen im Völkerleben stören und hemmen." Dieses trifft haargenau auf die deutsche Gerechtigkeit zu, denn die Bekämpfung der >>Zeugen Jehovas<< ist in diesem Lande auf einer ungeheuren Lüge aufgebaut und mit einer Skrupelosigkeit sondergleichen durchgeführt. Denn dass mit ganz schmutzigen Mitteln gegen das Volk Gottes  vorgegangen ist, um dieses auszurotten, beweisen schon allein die Lügenberichte über selbiges im >>Schwarzen Korps<< Anfang dieses Jahres, [...] , ohne die unzähligen Mißhandlungen, welche an Jehovas Zeugen verübt worden sind. Sogar einige Tötungen sind vorgekommen, [...] Dieses gereicht der deutschen Nation bestimmt nicht zur Ehre, auch kann von Jehovas Zeugen nicht verlangt werden, den Nationalsozialismus zu achten, solange seine eigenen Vertreter die Autorität desselben vollständig untergraben und mit Brutalität und Gewalt das Recht beugen.<<
   
Der zustaendige Landgerichtpräsident nahm wegen der Beleidigungen seiner SoG-Richter von einem Strafantrag Abstand. "Die Aeusserungen  der Beschuldigten stellen auch ferner unwahre Behauptungen tatsächlicher Art dar, die geeignet sind , das Ansehen der Reichsregierung und das der NSDAP. schwer zu schädigen. Dies gilt namentlich für die behaupteten Misshandlungen und Tötungen von Bibelforschern."
Die Eingabe der Frau Pape sollte aber bei der nächsten anstehenden Bestrafung nicht ohne Einfluss bleiben.

In einer neuen Vernehmung verteidigte Frau  Pape entschieden Ihren Brief  in allen Punkten und wollte jederzeit dafür einstehen.

Sie blieb dabei, dass die Pressemeldung im >>Schwarzen Korps<< und nun auch in der Zeitung >>Der Mitteldeutsche<< unwahr und erlogen seien.
Raeumte aber ein, ob auch Zeugen Jehovas getötet worden sind, wisse sie nicht aus eigener Anschauung, wohl aber aus dem im Sommer desselben Jahres erschienenen "Offenen Briefes<<, in dem gesagt wuerde, dass Jehovas Zeugen getötet worden seien. "Ich habe die feste Ueberzeugung, dass in dem Brief die Wahrheit gesagt worden ist. "

   
Erstaunlicherweise hat Frau Pape diese   Verbreitung seinerzeit falscher
Beschuldigungen ueberlebt - auch in dem KL Ravensbrueck - weil sie
nicht oeffentlich gemacht wurden.