Universität  Bielefeld
Fakultät für Psychologie
Wintersemester 1992/93
Seminar: Psychopathologie I: Psychiatrische Krankheitsbilder
Dozentin: Dipl.-Psych. Ursula Zingeler
Veranst.-Nr.: 25 11 36
Vorgelegt von: Peter Dietrich
Hausarbeit zum Thema: Therapiemöglichkeiten Schizophrener?
 
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Inhalt:
I. Einleitung

II. Klassische Therapieansätze

           1. Therapie nach der biogenetischen Theorie
           1.1 Insulinschocktherapie
           1.2 Elektroschocktherapie

III. Moderne Therapieansätze

           1. Therapie durch Neuroleptika
           2. Psychotherapeutische Ansätze
           3. Die Sozialtherapie
           3.1 Gruppentherapie

IV. Schlußfolgerung

V. Literatur



I. Einleitung
  II. Klassische Therapieansätze
1. Therapie nach der biogenetischen Theorie  
1.1 Die Insulinschockbehandlung 1.2 Die Elektroschockbehandlung  
III. Moderne Therapieansätze  
1. Therapie durch Neuroleptika

2. Psychotherapeutische Ansätze

- Klientenzentrierte Gesprächstherapie nach ROGERS. Stützende Verfahren. Bei diesen Methoden will man dem Patienten das zugrundeliegende Problem seines Leidens nicht bewußt machen, sondern "zugedeckt" lassen. Solche Methoden sind alle Maßnahmen, die Suggestivwirkung haben. Man nimmt auf das Denken, Fühlen und Wollen des Patienten Einfluß. Die wichtigsten Verfahren sind die Verhaltenstherapie, z.B. als Selbstsicherheitstraining, und die "kleine Psychotherapie".

- Aufdeckende Verfahren. Diese analytischen Verfahren basieren auf den Erkenntnissen der Tiefenpsychologie. Die bedeutendsten Richtungen sind die Psychoanalyse nach FREUD, die Individualpsycho-logie nach ADLER, die analytische Psychologie nach JUNG, die bio-funktionale Therapie nach REICH, die Existenzanalyse und Logotherapie nach FRANK, die initiatische Therapie nach v. DÜRCKHEIM u.v.a..

- Entspannungsprogramme sind die Eutonie, das autogene Training, Yoga, Meditationstechniken usw.

- Persönlichkeitsbildende Verfahren nennen sich die Gestalttherapie, die Transaktionsanalyse, die themenzentrierte Interaktion, die Primärtherapie, die Bioenergetik u.v.a.
 
Die theoretischen Grundlagen zu den verschiedenen Psychotherapien würden den Rahmen meiner Hausarbeit sprengen, deshalb werde ich nur auf einen wichtigen Aspekt der Psychotherapie näher eingehen, denn dieser ist in fast allen Therapien vorhanden. Die Grundlagen dieser Aspekte finden sich in der modernen Entwicklungs- und Lernpsychologie wieder. Die geteilten Auffassungen der Autoren PIAGET, AUSUBEL, BANDURA oder KOHLBERG hat GAGN`È folgendermaßen zusammengefaßt:

- Kinder lernen sich mit ganz bestimmten konkreten Problemen intellektuell auseinanderzusetzen. Die sich daraus ergebenden intellektuellen Fertigkeiten haben die Eigenschaft, auf andere Probleme übertragbar zu sein, die mit den ursprünglichen Aufgaben gewisse Komponenten gemeinsam haben. So wie diese Fertigkeiten kontinuierlich angesammelt werden, haben sie aufgrund der Prozesse von Lernübertragung die Möglichkeit, weitere Fertigkeiten zunehmenden Grades von Abstraktheit und Allgemeinheit zur produzieren.

- Kinder können jeden von uns intendierten intellektuellen Gegestand lernen, vorausgesetzt, sie haben seine Voraussetzung gelernt. Wenn man dafür zu sorgen hat, daß jemand einige neue Regeln lernen oder einige neue Probleme lösen soll, beobachtet man zunächst, was er bereits weiß. ... Dann geht man daran, ihn die intellektuellen Fähigkeiten lernen zu lassen, die ihn ... von seinem gegenwärtigen' Stand zu dem Punkt bringen, in dem er die neue Fähigkeit lernen kann.

- Im Verlaufe dieses Lernens wird man in der Regel finden, daß er eine Vielfalt von anderen, neuen Möglichkeiten des Lernens entwickelt, weil Lernwirkungen die Tendenz haben, sich über Tranzfer zu akkumulieren" (GAGN`È, 1975).

In dieser lernpsychologisch gesicherten Möglichkeit, Fähigkeiten - also auch und gerade alltägliche - durch geplante exemplerische Übungen erlernbar zu machen, liegen sowohl die wissenschaftliche Rechtfertigung als auch bereits der Grundriß eines therapeutischen Programms dafür, psychotische Verhaltensstörungen wie Sozialdefizite zu behandeln.

 
3. Die Sozialtherapie  
3.1 Gruppentherapie - Interpersonelles Lernen: Der Heilfaktor wirkt auf negative Gefühle und verdrängte bzw. unakzeptierte Teile des Selbst, die ihr Sosein vor allem der vergangenen Interaktion mit den Eltern verdanken. Von diesen wurden unerwünschte Verhaltensweisen und unakzeptierte Persönlichkeitbereiche des Kindes bestraft. Diese Erziehungstendenz wurde von selten des Kindes durch internalisierte elterliche Normen und Handlungsrichtlinien verstärkt. Angesichts solcher Bedingungen tendiert das Kind dazu, Teile des eigenen Selbst sowie problematische Handlungstendenzen zu verdrängen. Darüber hinaus ist das Kind genötigt, die Wahrnehmung des Selbst und der sozialen Interaktion mit den Eltern zu verzerren. Mit Hilfe derartiger Anpassungsleistungen entgeht das Kind der Strafe durch die Eltern. Einmal gelernt, gehören Verzerrungen, Verdrängungen und negative Emotionen zum Standardrepertoire des Individuums. Der Klient nun aktiviert nach Yalom in der Gruppensituation früher gelernte negative Affekte und offeriert sie einem oder mehreren Gruppenmitgliedern. Durch die Analyse und Reflexion der sozialen Gruppensituation, dem feedback der Gruppenmitglieder usw. kann dem unbegründet, negativ reagierenden Klienten klar werden, daß die Wahrnehmung der augenblicklichen Situation durch das Hineinkommen seiner früheren Erfahrungen verzerrt wird. Dies hilft ihm, sein Verhalten im Hier-und-Jetzt< angemessener auf die aktuelle Situation abzustimmen.

- Gruppenkohäsion: Der Zusammenhalt, den die Gruppenmitglieder untereinander empfinden, stellt bei Yalom einen der wichtigsten Heilfaktoren dar. Gruppenkohäsion, wird dementsprechend als ein außerordentlich bedeutsamer Prädiktor für das Eintreffen positiver Therapieeffekte angesehen. Yalom operationalisiert Gruppenkohäsion durch das subjektive Kriterium Bestrebung des einzelnen Mitgliedes, in der Gruppe zu bleiben<. Akzeptierung der eigenen Person durch sich und die übrigen Gruppenmitglieder stellt eine wichtige Voraussetzung für eine hohe Gruppenkohäsion dar. Dabei wird unterstellt, daß ein Individuum einerseits andere nur akzeptieren kann, wenn es sich selbst akzeptiert und andererseits sich nur dann akzeptiert, wenn es von anderen akzeptiert wird. Um die volle Zustimmung der anderen Gruppenmitglieder zu erreichen, muß ein Individuum stufenweise seine Verhaltensweisen im Sinne einer Anpassung an die Gruppennormen verändern.

- Katharsis: Yalom spricht emotionalen Entladungen, die durch affektgetönte Aussprache herbeigeführt werden, karthartische Eigenschaften zu. (aus REVENSTORF, Seite 13/14, 1985)

Die Arbeit von Yalom (1970) ist sicherlich eine Grundlage zur Entwicklung einer Gruppentherapie. Sie arbeite sehr klar die Vorstellung heraus, daß Gruppentherapie im Vergleich zur Einzelbehandlung über eine Reihe von spezifischen, nur ihr eigenen Wirkfaktoren verfügt. Diese Sichtweise bedeutet jedoch nicht, daß Einzeltherapie prinzipiell weniger effektiv ist als eine Gruppenbehandlung, da auch der Invividualansatz spezielle Heilfaktoren für den Veränderungsprozeß erschließt. Vielmehr gilt es, die unterschiedlichen Wirkweisen von Gruppen- und Einzelbehandlung für unterschiedliche Problembereiche und Therapieziele nutzbar zu machen. Daß diese Therapieformen in der Praxis von Erfolg gekrönt ist, zeigt schon allei der heutige Ansturm auf Therapeuten die eine Gruppentherapie anbieten und die Erfolge, die zu verzeichnen sind.
 

IV. Schlußfolgerung Einerseits muß ich erwähnen, daß ich während meiner Arbeit an dieser Thematik viel Freude hatte und andereseits mußte ich feststellen, daß ich nicht alle wissenschaftlichen Aspekte ausführen bzw. erwähnen könnte. Es existieren einfach zu viel unterschiedliche Hypothesen der Therapie Schizophrener. Dennoch ist mir deutlich geworden, daß es viele Ursachen der Krankheit gibt und dementsprechend viele Therapieformen. In der Akutphase der Schizophrenie ist in erster Linie der Aufenthalt in einer Klinik wichtig. Der Patient sollte erst mit Neuroleptika behandelt werden, um die Angst und die Hallozinazionen zu vermindern. Gleichermaßen sollte schon eine Psychot-herapie beginnen, um dem Krankheitsverlauf einerseits zu beobachten und andererseits medikamentöse Beeinträchtigungen des Patienten weitgehenst zu entschärfen. Danach sollten erste Kontakte zu sozialen Netzwerken geknüpft werden, damit der Patient so schnell als möglich in eine Rehabilitationseinrichtung gehen kann und aus der Klinik entlassen werden kann. In der Reha- Einrichtung sollte der Patient in der Gruppe, sofern er dazu in der Lage ist, sein Selbstvertrauen wiederfinden. Denn, ein jeder von uns macht sich ein Bild von der Welt, wenn dieses Weltbild nicht mehr seiner Anschauung entspricht, dann hat dieser Mensch Schwierigkeiten in dieser zu leben. Entweder flüchtet dieser Mensch, dessen Weltbild nicht mehr stimmig ist, in eine Traumwelt oder er möchte nicht mehr leben. Deshalb ist es unbedingt notwendig, jenen Menschen, die den Glauben an ein bestimmtes Weltbild verloren haben, ein neues zu vermitteln, mit dem sie leben können.  

V. Literatur
 
AUSUBEL, D.P.: Psychologie des Unterrichts. Weinheim, 1974.

BAEYER, W.v.: Der Begriff der Bewegung in der Psychiatrie. Nervenarzt 26:369-376, 1955.

BANDURA, A. Seif efficacy: Towards a unifying theory of change. Psychol. Review, 1977.

BLEULER, E.: Lehrbuch der Psychiatrie. 10. Aufl. umgearb. von M. Bleuler. Berlin, Göttingen, Heidelberg,
                    1960. 
ERNST, K.: Praktische Klinikpsychiatrie für Ärzte und Pflegepersonal. 2. Aufl. Springer, Berlin, Heidelberg,
                    New York, 1988.

FREUD, S.: Zwang, Paranoia, Perversion. Studienausgabe, Band VII, Fischer, Frankfurt, 1973.

GAGN`È, R.M.: Die Bedingungen des menschlichen Lernens. Hannover, 1975; 1980.

KLOOS, G.: Grundriß der Psychiatrie und Neurologie mit besonderer Berücksichtigung der
                Untersuchungstechnik. München, 8. Aufl., 1968.

KRÜLL, M.: Schizophrenie und Gesellschaft. Zum Menschenbild in Psychiatrie u. Soziologie. München: Beck,
                    1977.

REVENSTORF, D.: Psychotherapeutische Verfahren. Band IV, Verlag W. Kohlhammer; Stuttgart, Berlin, Köln,
                    1985.

SCHMAHL, R.: "Wie wird man schizophren?". Hausarbeit bei Dipl. -Psych. U. Zingeler, 1993.

SCHULTE, W., TOLLE, R.: Psychiatrie. Heidelberg, Berlin, New York, 17 2. überarb. u. erg. Aufl., zuerst 1971.

SPOERRI, T.: Kompendium der Psychiatrie. Klinik und Therapie für Studierende und Ärzte. Basel, New York,
                    München, 6. vollst, überarb. Aufl., 1970.

SÜLLWOLD, L. & HUBER, G.: Schizophrene Basisstörungen. Springer, Berlin, Heidelberg, Paris, London,
                    New York, 1986.

TOLLE, R.: über den Therapeutischen Umgang mit Neuroleptika. Erlangen, 1983.

WEITBRECHT, H.J.: Psychiatrie im Grundriß. Berlin, Heidelberg, New York, 2. überarb. Aufl., 1968.

WINDGASSEN, K.: Schizophreniebehandlung aus der Sicht des Patienten. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg,
                    London, Paris, Tokyo, Hong Kong, 1989.

YALOM, I.D.: The theory and practice of group psychotherapy. New York: Basic Books, 1970.


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