II. Klassische Therapieansätze
1.
Therapie nach der biogenetischen Theorie
1.1
Insulinschocktherapie
1.2
Elektroschocktherapie
1.
Therapie durch Neuroleptika
2.
Psychotherapeutische Ansätze
3. Die Sozialtherapie
3.1 Gruppentherapie
Für mich dagegen ist diese Hypothese nur schwer verständlich, denn der so behandelte Patient bzw. der so behandelte Organismus des Patienten ist ja nach den unphysiologischen Schocks permanent mit der Rekonvaleszenz beschäftigt. Nachdem sich der Körper des Patienten regeneriert hat, leidet dieser erneut unter den Symptomen der Krankheit und der Patient wird wiederholt einer Schockbehandlung ausgesetzt oder der Psychiater setzt die Intervalle der Behandlung so eng, daß sich der Körper des Patienten erst gar nicht wieder erholen kann.
Unter Punkt 1.2 und Punkt 1.3 habe ich die wesentliche Vorgehensweise der Schockbehandlungen erläutert, da diese Form der Therapie weitgehendst der Vergangenheit angehört, obschon es immer noch Psychiater gibt, die diese Art der Behandlung befürworten. Heute dagegen wird der Patient in erster Linie mit Neuroleptika behandelt, also mit Psychopharmarka und psychotropen Substanzen, die dito direkt auf den Körper wirken. Da aber die Behandlung mit Neuroleptika neueren Ursprunges ist, werde ich unter Punkt III auf diese Form der moderne Therapie näher eingehen.
Dieses würde bedeuten, daß intelligente Patienten "bei den es sich lohnt" die geistigen Fähigkeiten intakt zu halten ohne weiteres einem erhöhten Mortalitätsrisiko ausgesetzt werden. Und bei den unintelligenten Patienten ist durch die "Insulinkur" nicht nur ein hohes Mortalitätsrisiko vorhanden, sondern es wird auch ein Gedächtnisverlust in Kauf genommen. Ebenso wichtig zu erwähnen ist, daß die Chance einer Remission nach einer "Insulinkur" nur um 10% höher ist als bei Nicht-Behandlung (vgl. WEITBRECHT, 1968). "Man hat also jahrelang Schizophrene einem immerhin erheblichen Todesrisiko durch eine Therapie ausgesetzt, die nur geringfügig häufiger zu Remissionen führte als bei Nicht-Anwendung dieser Therapie - wobei eine Remission ja auch keine Heilung darstellt, denn auf sie kann immer ein weiterer Schub erfolgen" (KRÜLL, 1975).
Muskelrelaxantien verabreicht, die die Konvulsionen erheblich mindern, dennoch kann es zu Atembeschwerden führen, weil ja das Zwerchfell auch gelähmt wird. In jüngster Zeit wird der Schock in Narkose durchgeführt, was den Vorteil hat, daß der Patient weniger Angst vor der Behandlung hat.
Die Patienten werden 2-3mal wöchentlich, insgesammt "je nach Erfolg" 8-12mal der Schockbehandlung ausgesetzt. "Unerwüschte Komplikationen" des Elektroschocks sind nach KLOOS Stimmritzen-krampf (Therapie: Einführung eines Tubus in die Luftröhre) und Gedachtnisverlust. Das Mortalitätsrisiko beträgt 0,06% bei einem Elektroschock und das Risiko erhöht sich immer, da der Patient ja meist eine ganze Serie von Schocks hinter sich bringt. Abschließend bleibt noch zu erwähnen, daß die sog. Kuren (Schlaf -Dämmerkuren, auf die ich nicht näher eingegangen bin, und die Schockbehandlungen heute weitgehend durch die Therapie mit Psychopharmaka verdrängt worden sind.
Daß die Verordnung von Neuroleptika nicht die Behandlung der Schizophrenie darstellt, sondern ein (oft wesentliches, nicht selten auch ausschlaggebendes) Element integrierter antipsychotischer Behandlung, ist wiederholt und nachdrücklich von zahlreichen Autoren dargelegt worden. Tolle (1983) beschreibt die aus dieser Haltung und den empirischen Befunden zur Pharmakotherapie Schizophrener erwachsenden Prinzipien des therapeutischen Umgangs mit Neuroleptika. Den Schilderungen der Patienten dieser Untersuchung sind weitere Hinweise zu entnehmen:
- Mit Recht wird vom Arzt erwartet, daß er
die bekannten Begleiteffekte und Nebenwirkungen frühzeitig
erkennt und ihnen gegebenenfalls rasch entgegenwirkt.
Dies ist aber nur möglich, wenn sie auch von
außen bemerkbar sind oder vom Kranken
beklagt werden. Weder die eine noch die andere
Voraussetzung ist immer erfüllt; so
kann ein Patient unter einer diskreten motorischen Einengung leiden,
ohne daß man sie ihm anmerkt und ohne
daß er davon spricht. Der Arzt muß also stets offen bleiben
für
Veränderungen des Erlebens seines Patienten,
die ausschließliche Ausrichtung seines Interesses an den
die Behandlung begründenden
psychopathologischen Erscheinungen oder geläufigen somatischen
Begleiteffekten reicht nicht aus.
So leicht dies zu fordern ist, so schwer
fällt es immer wieder in der konkreten Situation. Daß
diese eigentlich selbstverständliche
Offenheit den Ärzten so schwer fällt, hängt mit der Überzeugung
zusammen, nicht der Patient, sondern der
Arzt sei kompetent für die Beurteilung der Medikation und ihrer
Effekte. Die Unsicherheit, bei einem bestimmten
Patienten zu entscheiden, ob die depressive
Verstimmung oder Potenzstörung nun wirklich
morbogen oder pharmakogen ist bzw. wie die Gewichte
verteil sind, mahnt zur Vorsicht.
Umgekehrt ist sich der Patient nicht selten
trotz gegenteiliger Auskunft des Arztes sicher, daß bestimmte
Veränderungen auf die Medikation zurückzuführen
sind. Der knappe Hinweis auf wissenschaftliche
Ergebnisse ist meist nicht geeignet, die
subjektive Richtigkeit dieser Auffassungen zu erschüttern.
Hilfreicher ist es für den Kranken,
wenn ihm darüber hinaus deutlich wird, warum er bestimmte
Beschwerden vorübergehend auf sich nehmen
sollte.
Damit wird ein Punkt berührt, der in
der täglichen Praxis Umdenken erfordert: Medizin wird gegen
Beschwerden eingenommen; sie soll Stimmen
verstummen lassen, Unruhe oder Angst beseitigen.
Seitdem man aber
gelernt hat, in schizophrenen Symptomen auch autoprotektive Anstrengungen
zu sehen,
sollte dem Behandlungsziel der Beseitigung
einer Störung eine andere Perspektive zur Seite gestellt
werden:
Es kann dem Patienten
nicht immer genügen, wenn wahnhafte Beziehungen, halluzinatorische
Ansprache
oder paranoide Scheinbegegnung (von BAEYER
1955) verschwinden, ohne daß sich neue
Möglichkeiten
eröffnen und nur Leere oder Einsamkeit
an ihre Stelle treten. Nur wenn der Arzt aus Sicht des Kranken
sich nicht nur um die Beseitigung von Störungen
bemüht, sondern auch um die Wiedergewinnung von
Lebensmöglichkeiten, wird er sich gut
aufgehoben fühlen; zumindest gilt das für die Kranken, die hierzu
nicht allein in der Lage sind (was zeitweise
für viele Patienten gilt).
Allein die Möglichkeit, etwas zuvor krankheitsbedingt
Ummögliches zu bewältigen, ist jedoch auch noch kein ausreichender
Maßstab. Ob ein Kranker wieder ohne Angst vor Verfolgern in die Stadt
gehen kann ist die eine Frage; ob er aber wieder mit Interesse die Schaufenster
betrachten, mit Freude sich etwas kaufen kann oder ob er teilnahmslos dahergeht,
ist eine andere und langfristig nicht weniger wichtige Frage. Oft leiden
die Patienten über lange Zeit unter einer Einschränkung ihrer
Lebensfreude,Anteilnahme oder emotionalen Erlebnisfähigkeit. Der Arzt
muß offen bleiben für diese stillen Beeinträchtigungen;
das Gespräch darüber kann sie zwar nicht aufheben, aber den Kranken
entlasten und vor einsamen Entscheidungen (Abbrechen der Medikation) etwas
besser schützen.
Medikamentöse Begleiteffekte können gelegentlich
direkt die Selbstheilungskräfte des Patienten beeinträchtigen.
Fühlt der Kranke sich in seiner Ich-Aktivität oder Ich-Vitalität
bedroht und versucht durch motorische Aktivität sich seiner selbst
zu vergewissern, wird er mitunter durch motorische Einengung oder neuroleptische
Dämpfung weiter beunruhigt. Statt nur durch stetige Erhöhung
des Neuroleptikums diese Versuche der Selbstver-gewisserung zu unterbinden,
sollten ihm Möglichkeiten der körperlich-leiblichen Aktivität
eröffnet werden, die das Erleben der eigenständigen Bewegung
fördern (z.B. Ballspiele; vergl. hierzu vor allem SCHARFETTER &
BENEDETTI 1978).
Nicht immer sind die psychotischen Störungen
bereits bei der Klinikaufnahme so störend und quälend, daß
sofort mit einer neuroleptischen Therapie begonnen werden muß. Nutzt
der Arzt in solchen Fällen die Gelegenheit, das Leiden des Schizophrenen
ernsthaft zu verstehen (und nicht nur eine Diagnose zu stellen), wird den
Patienten die spätere ärztliche Empfehlung einer neuroleptischen
Medikation umso eher überzeugen (vergl. ERNST
1988).
Bei der Wahl des Neuroleptikms ist zu beachten, daß sich die verschiedenen Substanzen nicht so sehr durch ihre unterschiedliche antipsychotische Wirksamkeit unterscheiden (wie die Begriffe "hochpotent" und "niederpotent" suggerieren), sondern in erster Linie durch das Spektrum der Nebenwirkungen (wodurch allerdings einer ausreichenden Dosierung Grenzen gesetzt werden können, z.B. durch orthostatische Begleiteffekte). Gerade die möglichen Nebenwirkungen, auf die der Kranke selbstverständlich vorzubereiten ist, sollten bei der Auswahl des Medikamentes berücksichtigt werden.
Neuroleptika sind sparsam und individuell zu dosieren ("soviel wie nötig, so wenig wie möglich"), denn trotz ihrer guten therapeutischen Wirkung (auch aus Sicht des Kranken) handelt es sich um Pharmaka mit manchmal sehr unangenehmen Begleiteffekten. Feste Therapieschemata verhindern eine flexible Dosierung. Die anfänglich erforderliche Dosis kann in der Regel schon bald reduziert werden. "Im allgemeinen droht eine Überdosierung weniger zu Beginn als im späteren Verlauf der Behandlung" (ERNST 1988). Auch wenn der Patient nicht mehr viel Neuroleptikum erhält, sollte die Frage der Dosierung nicht dadurch entschieden werden, wie hoch die Medikation in der Akutphase sein mußte, sondern danach, wieviel Neuroleptikum jetzt noch erforderlich ist.
In allen Stadien der Behandlung sollte der Behandelte soweit als möglich als Handelnder in die Therapie miteinbezogen werden. Ein Neuroleptikum wird nicht "verabreicht"; allein diese abwertende Formulierung weist auf eine Distanzierung von dem Kranken hin, die abzulehnen ist. Das Miteinbeziehen des Patienten beginnt mit der oralen Einnahme (die auch pharmakologisch der parenteralen Gabe vorzuziehen ist), wo immer dies möglich ist und endet bei der Medikamentenmitbestimmung im Rahmen der Rezidivprophylaxe. (Hierunter ist zu verstehen, daß der Patient in Absprache mit seinem Arzt allmählich lernt, die Medikationsdosis innerhalb vereinbarter Grenzen seinen aktuellen Belastungen und seinem jeweiligen Befinden anzupassen.)
Je länger die akute Symptomatik zurückliegt, desto mehr verblaßt ihr Schrecken, und die oft nur diskreten Begleiteffekte der Neuroleptika drängen sich in den Vordergrund des Erlebens. Der Arzt sollte gerade in späteren Behandlungsabschnitten nicht versäumen, gelegentlich in Erinnerung zu rufen, worin der Vorteil der Fortführung der Medikation liegt. Dabei sind die individuell unterschiedlichen Erfahrungen des Patienten aufzugreifen (z.B.: Welchen Situationen ist der Kranke unter dem Schutz des Neuroleptikums jetzt gewachsen, die ihn früher überforderten und eine psychotische Welle auslösten?). Die lästigen Begleiteffekte, deren Abstreiten oder Bagatellisieren therapeutisch falsch wäre, bekommen so ein Gegengewicht. Das Fehlen von Beeinträchtigungen durch ein Medikament ist auf Dauer allein kein ausreichender Grund, es regelmäßig einzunehmen, (aus WINDGASSEN, 1989; S.152-154).
2. Psychotherapeutische Ansätze
- Aufdeckende Verfahren. Diese analytischen Verfahren basieren auf den Erkenntnissen der Tiefenpsychologie. Die bedeutendsten Richtungen sind die Psychoanalyse nach FREUD, die Individualpsycho-logie nach ADLER, die analytische Psychologie nach JUNG, die bio-funktionale Therapie nach REICH, die Existenzanalyse und Logotherapie nach FRANK, die initiatische Therapie nach v. DÜRCKHEIM u.v.a..
- Entspannungsprogramme sind die Eutonie, das autogene Training, Yoga, Meditationstechniken usw.
- Persönlichkeitsbildende Verfahren nennen sich
die Gestalttherapie, die Transaktionsanalyse, die themenzentrierte Interaktion,
die Primärtherapie, die Bioenergetik u.v.a.
Die theoretischen Grundlagen zu den verschiedenen
Psychotherapien würden den Rahmen meiner Hausarbeit sprengen, deshalb
werde ich nur auf einen wichtigen Aspekt der Psychotherapie näher
eingehen, denn dieser ist in fast allen Therapien vorhanden. Die Grundlagen
dieser Aspekte finden sich in der modernen Entwicklungs- und Lernpsychologie
wieder. Die geteilten Auffassungen der Autoren PIAGET, AUSUBEL,
BANDURA oder KOHLBERG hat GAGN`È
folgendermaßen zusammengefaßt:
- Kinder lernen sich mit ganz bestimmten konkreten Problemen intellektuell auseinanderzusetzen. Die sich daraus ergebenden intellektuellen Fertigkeiten haben die Eigenschaft, auf andere Probleme übertragbar zu sein, die mit den ursprünglichen Aufgaben gewisse Komponenten gemeinsam haben. So wie diese Fertigkeiten kontinuierlich angesammelt werden, haben sie aufgrund der Prozesse von Lernübertragung die Möglichkeit, weitere Fertigkeiten zunehmenden Grades von Abstraktheit und Allgemeinheit zur produzieren.
- Kinder können jeden von uns intendierten intellektuellen Gegestand lernen, vorausgesetzt, sie haben seine Voraussetzung gelernt. Wenn man dafür zu sorgen hat, daß jemand einige neue Regeln lernen oder einige neue Probleme lösen soll, beobachtet man zunächst, was er bereits weiß. ... Dann geht man daran, ihn die intellektuellen Fähigkeiten lernen zu lassen, die ihn ... von seinem gegenwärtigen' Stand zu dem Punkt bringen, in dem er die neue Fähigkeit lernen kann.
- Im Verlaufe dieses Lernens wird man in der Regel finden, daß er eine Vielfalt von anderen, neuen Möglichkeiten des Lernens entwickelt, weil Lernwirkungen die Tendenz haben, sich über Tranzfer zu akkumulieren" (GAGN`È, 1975).
In dieser lernpsychologisch gesicherten Möglichkeit, Fähigkeiten - also auch und gerade alltägliche - durch geplante exemplerische Übungen erlernbar zu machen, liegen sowohl die wissenschaftliche Rechtfertigung als auch bereits der Grundriß eines therapeutischen Programms dafür, psychotische Verhaltensstörungen wie Sozialdefizite zu behandeln.
Mitteilung von Information
Unterschieden werden zwei Bedeutungskomponenten. Die eine der beiden beinhaltet den Beziehungsaspekt des Informationsaustausches zwischen Individuen, die andere erfast einerseits Aufklärung über Entstehung und Ursache von Störungen und andererseits Erklärungen zum Therapieverlauf im weitesten Sinne. YALOM führt die therapeutische Effekte von geistig gegebenen Ratschlägen der Gruppenteilnehmer nicht nur auf konkrete, den Ratschlägen inhärente Problemlösungswege zurück, sondern auch auf das zeitlich parallele Senden und Wahrnehmen von Anteilnahme- und Solidaritätssignalen (Beziehungsaspekt). Daneben nimmt er an, das die Kenntnis über Ursprung und Ursachen einer Störung eine deutliche Besserung herbeiführt. Die Übersicht über Ablauf, Sinn und Struktur der Therapie soll erhöhte Therapiemotivation und geringere Therapieabbrüche nach sich ziehen.
- Einflößen von Hoffnung: Hoffnung wirkt resignativen Tendenzen entgegen und eröffnet dem im Leiden gefangenen Patienten optimistische Perspektiven. Erfolgreiche, auf dem Weg der Besserung vorangeschrittene Klienten dienen den weniger geheilten, als positives Modell. Ein weiterer wesentlicher Faktor für die so wichtige Erfolgserwartung stellt die Einschätzung der professionellen Kompetenz des Therapeuten durch den Klienten dar.
- Universalität des Leidens: Yalom spricht der Erkenntnis eines Patienten, daß andere Individuen ebenfalls Leiden und Defizite aufweisen, einen günstigen Einfluß auf das Selbstwertgefühl und damit erhebliche therapeutische Wirkungen zu. Darüber hinaus werden Gefühle der Gemeinsamkeit und Solidarität (Kohäsion) geweckt, die ebenfalls positiv beurteilt werden können. Altruismus: Altruistisches Verhalten dient der Verbesserung des Selbstwertgefühles. Der Klient erfährt durch sein selbstloses Handeln, daß er für andere etwas tun kann. Diese Erfahrung wird von dem Gefühl begleitet, noch für etwas und für andere nützlich und wertvoll zu sein.
- Die korrigierende Rekapitulation der primären Familiengruppe: Der soziale Rahmen der Gruppe kann in hohem Maße geeignet sein, Gefühle und Verhaltensweisen der früheren Familien- und Elternbeziehung hervorzurufen. Mit der Realisierung und Manifestierung vergangener Emotionen und Verhaltensschemata ist die Möglichkeit der therapeutischen Durcharbeitung von Unbearbeitetem gegeben. Dabei wird der (die) Therapeut(in) häufig in die Vater-(Mutter-) Rolle gedrängt. Die Gruppenmitglieder ihrerseits übernehmen den Part der Geschwister, die um die Gunst der Eltern ringen. Die Entwicklung von Techniken des mitmenschlichen Umgangs: Die Interaktion in der Gruppe bietet die Möglichkeit, inadäquate Kommunikationsmuster offenkundig werden zu lassen. Die Gruppe als umgrenztes soziales Feld hilft jedoch nicht nur, diagnostische Aufgaben zu bewältigen, sondern sie kann auch als Übungsfeld für neue Verhaltensweisen genutzt werden. Nachahmendes Verhalten: In der Gruppe können Verhaltensweisen anderer wahrgenommen und kopiert werden. Der Begriff Nachahmendes Verhalten, wird unter ausdrücklichem Bezug auf den Ansatz von BANDURA verwandt.
- Gruppenkohäsion: Der Zusammenhalt, den die Gruppenmitglieder untereinander empfinden, stellt bei Yalom einen der wichtigsten Heilfaktoren dar. Gruppenkohäsion, wird dementsprechend als ein außerordentlich bedeutsamer Prädiktor für das Eintreffen positiver Therapieeffekte angesehen. Yalom operationalisiert Gruppenkohäsion durch das subjektive Kriterium Bestrebung des einzelnen Mitgliedes, in der Gruppe zu bleiben<. Akzeptierung der eigenen Person durch sich und die übrigen Gruppenmitglieder stellt eine wichtige Voraussetzung für eine hohe Gruppenkohäsion dar. Dabei wird unterstellt, daß ein Individuum einerseits andere nur akzeptieren kann, wenn es sich selbst akzeptiert und andererseits sich nur dann akzeptiert, wenn es von anderen akzeptiert wird. Um die volle Zustimmung der anderen Gruppenmitglieder zu erreichen, muß ein Individuum stufenweise seine Verhaltensweisen im Sinne einer Anpassung an die Gruppennormen verändern.
- Katharsis: Yalom spricht emotionalen Entladungen, die durch affektgetönte Aussprache herbeigeführt werden, karthartische Eigenschaften zu. (aus REVENSTORF, Seite 13/14, 1985)
Die Arbeit von Yalom
(1970) ist sicherlich eine Grundlage zur
Entwicklung einer Gruppentherapie. Sie arbeite sehr klar die Vorstellung
heraus, daß Gruppentherapie im Vergleich zur Einzelbehandlung über
eine Reihe von spezifischen, nur ihr eigenen Wirkfaktoren verfügt.
Diese Sichtweise bedeutet jedoch nicht, daß Einzeltherapie prinzipiell
weniger effektiv ist als eine Gruppenbehandlung, da auch der Invividualansatz
spezielle Heilfaktoren für den Veränderungsprozeß erschließt.
Vielmehr gilt es, die unterschiedlichen Wirkweisen von Gruppen- und Einzelbehandlung
für unterschiedliche Problembereiche und Therapieziele nutzbar zu
machen. Daß diese Therapieformen in der Praxis von Erfolg gekrönt
ist, zeigt schon allei der heutige Ansturm auf Therapeuten die eine Gruppentherapie
anbieten und die Erfolge, die zu verzeichnen sind.
BLEULER,
E.: Lehrbuch der Psychiatrie. 10. Aufl. umgearb. von M. Bleuler. Berlin,
Göttingen, Heidelberg,
1960.
ERNST, K.: Praktische Klinikpsychiatrie für
Ärzte und Pflegepersonal. 2. Aufl. Springer, Berlin, Heidelberg,
New York, 1988.
FREUD, S.: Zwang, Paranoia, Perversion. Studienausgabe,
Band VII, Fischer, Frankfurt, 1973.
GAGN`È, R.M.: Die Bedingungen des menschlichen
Lernens. Hannover, 1975; 1980.
KLOOS, G.: Grundriß der Psychiatrie und Neurologie
mit besonderer Berücksichtigung der
Untersuchungstechnik. München, 8. Aufl., 1968.
KRÜLL, M.: Schizophrenie und Gesellschaft.
Zum Menschenbild in Psychiatrie u. Soziologie. München: Beck,
1977.
REVENSTORF, D.: Psychotherapeutische Verfahren.
Band IV, Verlag W. Kohlhammer; Stuttgart, Berlin, Köln,
1985.
SCHMAHL, R.: "Wie wird man schizophren?". Hausarbeit
bei Dipl. -Psych. U. Zingeler, 1993.
SCHULTE, W., TOLLE, R.: Psychiatrie. Heidelberg,
Berlin, New York, 17 2. überarb. u. erg. Aufl., zuerst 1971.
SPOERRI, T.: Kompendium der Psychiatrie. Klinik
und Therapie für Studierende und Ärzte. Basel, New York,
München, 6. vollst, überarb. Aufl., 1970.
SÜLLWOLD,
L. & HUBER, G.: Schizophrene Basisstörungen. Springer, Berlin,
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TOLLE, R.: über den Therapeutischen Umgang mit Neuroleptika. Erlangen, 1983.
WEITBRECHT,
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WINDGASSEN, K.: Schizophreniebehandlung aus der
Sicht des Patienten. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg,
London, Paris, Tokyo, Hong Kong, 1989.
YALOM, I.D.: The theory and practice of group psychotherapy.
New York: Basic Books, 1970.