Deutsch-Ostafrika

Referat über die Deutsche Kolonialpolitik am Beispiel Deutsch Ostafrikas


Inhalt

Übersicht zum Inhalt (und zum Anhang)

I. Einleitung

II. Die Kolonialdiskussion

2.1 Die Kolonialdiskussion im Deutschen Reich vor 1884

2.2 Bismarck und das Parlament

III. Vor dem Aufstand

3.1 Bevölkerung und Geographie Deutsch Ostafrikas

3.2 Die Anfänge des Schutzgebietes

3.3 Das Helgoland-Sansibar Abkommen

IV. Der Maji Maji Aufstand

4.1 Der Weg zum Aufstand in Deutsch Ost Afrika

4.2 Der Maji-Maji Aufstand

4.3 Die Folgezeit (+ Tabelle)

V. Anhang

5.1 Biographie von Carl Peters

5.2 Biographie Bismarcks

5.3 Weitere Karte Afrikas

5.4 Literaturnachweis

Deutsch Ost-Afrika

I. Einleitung

Dieses Referat beschäftigt sich mit der Kolonialisierungspolitik Deutschlands in Deutsch Ost Afrika ab 1870.

Es soll Einblicke in die Zusammenhänge geben, zusammenfassen und einige Informationen gesammelt darstellen.

1884, also vor genau 113 Jahren, begann mit der Proklamation Südwestafrikas als deutschem Schutzgebiet die Kolonialepoche für das deutsche Kaiserreich, die nur 30 Jahre bis 1914 währte. In dieser kurzen Zeitspanne wurde das Reich zu seinem ersten und einzigen Krieg zwischen 1870 und 1914 gezwungen.

Dieser Krieg war der große Konflikt zwischen dem Deutschen Reich und den Eingeborenen der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, den Herero und Nama, in den Jahren 1904 - 07.

Parallel dazu erhoben sich die Stämme im Süden von Deutsch-Ostafrika von 1905 bis 1906. Dieser Aufstand soll im Laufe dieses Referats näher dargestellt und beleuchtet werden. Es wird zuerst ein Abriß zur Kolonialdiskussion in Deutschland und zur Geschichte der Deutsch Ost Afrika Kolonie, zur Geographie und zur Bevölkerungsstruktur gegeben. Daran wird sich eine Darstellung der Situation der Eingeborenen zu Beginn der großen Aufstände anschließen. Dabei soll aufgezeigt werden, wie sich die deutsche Kolonialpolitik auf die einheimische Bevölkerung ausgewirkt hat und welche Probleme auftraten, die dann zur Erhebung der Stämme führten. Weiterhin folgt ein kurzer Ablauf der politischen Ereignisse nach dem Aufstand in Deutsch Ost Afrika bis 1962.

II. Die Kolonialdiskussion

2.1 Die Kolonialdiskussion im Deutschen Reich vor 1884

Im Deutschen Reich setzte die Diskussion um den Erwerb von Kolonien am Ende der 1870er Jahre ein.

Wichtigstes Argument der Vorteile für das Kaiserreich war der "Export der sozialen Frage", um ein Ventil für die sozialen Spannungen in Deutschland zu schaffen.

Durch die Industrialisierung war nicht nur ein großes Arbeiterproletariat entstanden, das als soziale Gruppe genug Zündstoff besaß, um das deutsche Reich gesellschaftlich und politisch aus den (konservativen) Angeln zu heben, sondern durch die Verbesserung der hygienischen Zustände und der medizinischen Versorgung auch ein rapider Bevölkerungsanstieg erfolgt, der zu sozialen Problemen führte. Dieser Zündstoff sollte durch "Menschenexport" in die eigenen Kolonien entschärft werden. Das Auswandern der Migrationswilligen in nicht deutsche Gebiete, was andererseits als "volkswirtschaftlicher Energieverlust" empfunden wurde, sollte durch die Einrichtung von deutschen Siedlungskolonien verhindert werden.

Diese Rechnung ging aber nicht auf: Nur 1200 Deutsche zog es während der dritten großen Auswanderungswelle 1880-93 in die deutschen außereuropäischen Gebiete. Der weitaus größte Teil der Emigranten versuchte sein Glück wie bisher auf dem amerikanischen Kontinent.

Neben der sozialen Frage stand (besonders seit 1890) auch immer mehr der wirtschaftliche Nutzen von Kolonien im Vordergrund der Diskussion.

Durch die Einigung des Reiches 1870/71 war das nationale Selbstbewußtsein enorm gestiegen. Man war nun die führende Macht in Mitteleuropa und brauchte sich vor England und Frankreich nicht mehr zu verstecken. Wirtschaftlich war man am Expandieren; nun sollte auch im außenpolitischen Bereich eine Angleichung an die europäischen Großmächte erfolgen. Dazu fehlte dem jungen Reich aber der außereuropäische Besitz. Frankreich und England waren "gestandene Kolonialmächte".

In Deutschland hatte dies zu nationalen Minderwertigkeitsgefühlen geführt. Weltmacht zu sein bedeutete damals Kolonien zu haben. Es grassierte aufgrund der fast vollständig aufgeteilten Welt die Angst, zu spät zu kommen. Bewundernd schaute man besonders auf das britische Empire, das durch seine überseeischen Besitzungen und seinen Handel zur Großmacht geworden war. Eine ernsthafte Konkurrenz, so glaubte man, konnte nur durch eine eigenständige Kolonialpolitik aufgebaut werden.

2.2 Bismarck und das Parlament

Reichskanzler von Bismarck hatte sich seit Gründung des Reiches stets gegen Kolonien ausgesprochen.

Außenpolitisch befürchtete er Probleme mit England, das eine expansive Kolonialpolitik des Reiches als unfreundlichen Akt werten könnte. Bismarcks sorgsam aufgebautes Sicherheitssystem in Europa beruhte in den 70er Jahren auf der Isolation der Franzosen. Das Empire durfte also nicht in die Arme Frankreichs getrieben werden, nur weil man als Großmacht "unbedingt" Kolonien brauchte.

Sehr bewußt war sich der Reichskanzler auch der Kosten, die auf den Staatsetat zukommen würden. Kolonien mußten verwaltet und beschützt werden, was den Aufbau einer Verwaltung mit Beamten und die Aufstellung einer Schutztruppe bedingte, die zusätzlich zu finanzieren waren. Diese Ausgaben standen nach Ansicht Bismarcks in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen der Kolonien. Dazu mußte auch eine große Flotte in Dienst gestellt werden, um den Handel zu schützen und notfalls ein Eingreifpotential zu haben, das relativ schnell bewegt werden könnte.

Bismarck (1881): "So lange ich Reichskanzler bin, treiben wir keine Kolonialpolitik. Wir haben eine Flotte, die nicht fahren kann... und wir dürfen keine verwundbaren Punkte in fernen Weltteilen haben, die den Franzosen als Beute zufallen, sobald es losgeht".

Daß er dann doch seine Zurückhaltung aufgab und 1884 die ersten Gebiete in Südwestafrika unter deutschen Schutz stellte, hatte viele Gründe. Wirtschaftspolitisch war der Hauptgrund wohl die Sorge um den Außenhandel. Die Kolonialmächte (besonders Frankreich, England und Spanien) errichteten große Zollschutzzonen um ihre Einflußbereiche, die den freien Handel beschränkten und die deutschen Interessen nicht berücksichtigten. Gerade aber der Freihandel hatte dem Reich die Möglichkeit gegeben, auch ohne Kolonien wirtschaftlich in Übersee Fuß zu fassen. Die Lobby der großen (hanseatischen) Handelshäuser drängte den Reichskanzler, ihren Handel ebenfalls unter staatlichen Schutz zu stellen, um ihre Nachteile auszugleichen.

Günstig war es da für Bismarck, daß England und Frankreich gerade größere Konflikte im kolonialen Bereich hatten. In Afghanistan stand das Empire kurz vor einem Krieg mit Rußland, der dann auch nach Indien auszugreifen drohte. Um Ägypten gab es Streit mit den Franzosen, der offen ausgetragen wurde. Aufgrund dieser günstigen Konstellation (England und Frankreich waren abgelenkt) entschloß sich Bismarck dann im April 1884, die Besitzungen des Kaufmanns Adolf Woermann in Deutsch Süd West Afrika unter Reichsschutz zu stellen. Danach folgten im Laufe des Jahres Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika, die ebenfalls offiziell als deutsche Gebiete anerkannt wurden.

Bezeichnend ist der Terminus "Schutzgebiete" anstatt Kolonien für die Politik Bismarcks. Mit dem Begriff "Schutzgebiete" wollte er den deutschen Regierungsinteressen gerecht werden, die eine wirkliche Reichskolonialverwaltung nicht für erstrebenswert hielten. Andererseits wollte man auch die europäischen Kolonialmächte nicht zu sehr "reizen" und setzte die selbst erworbenen Gebiete graduell tiefer an.

Ein weiterer Grund für das Einlenken Bismarcks waren die innenpolitischen Verhältnisse. Neuwahlen des Reichstags standen für den 28. Oktober 1884 an. Bismarck wollte diejenigen Kräfte im Parlament stärken, die seine Politik unterstützten. Das waren bisher immer im besonderen Maße die Nationalliberalen gewesen, die als die kolonialen Befürworter galten. Da er Angst vor einem Mitte-Links-Bündnis (SPD und Liberale, sowie das Zentrum) hatte, wollte er die Nationalliberalen an seine Seite ziehen, damit sie sich nicht mit den Linksliberalen verbinden würden.

Diese Rechnung ging aber nicht auf. Die Nationalliberalen konnten ihre Mandate nicht erhöhen und auch die Konservativen gewannen nicht genug Sitze, um Bismarck eine sichere Mehrheit im Reichstag zu geben. Trotzdem war zumindest der Vormarsch der Linksliberalen gebremst worden, was auch für die Kolonialpolitik wichtig war, hatten sich doch die Linksliberalen besonders gegen den Kolonialerwerb ausgesprochen.

Sehr differenziert zu den anderen Parteien zeigte sich das katholische Zentrum bei der Kolonialdiskussion. Im Vordergrund seiner prokolonialen Argumente stand der Missionsgedanke. Schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts waren katholische Missionen in Afrika tätig. Diese Arbeit zu unterstützen war auch im Interesse des Zentrums. Dazu kam, daß die Eingeborenen in den Kolonien aktiven Sklavenhandel betrieben. Den Kampf gegen diese menschenunwürdige Tradition führte die Reichsregierung immer wieder an, um die Zustimmung des Zentrums, z. B für die Aufstockung des kolonialen Wehretats, zu bekommen. Man war also nicht prinzipiell gegen ein koloniales Engagement, doch hatte man immer wirtschaftliche, finanzielle und moralische Bedenken gegen das Vorgehen in Afrika. Da das Zentrum eine sehr breite Sozialstruktur in seiner Wählerschaft hatte, gab es auch viele Stimmen gegen den expansiven Imperialismus. Die Palette reichte von Zustimmung bis Ablehnung, doch zog auch das Zentrum ab den 90er Jahren bei den wichtigen Entscheidungen (Flottenetat) mit.

Für die 80er Jahre sah die Zustimmung noch anders aus. In der Berliner Afrikakonferenz von 1884/85 wurden die Besitzansprüche und Interessengebiete der europäischen Kolonialmächte festgeschrieben. Deutschland war damit ohne größere außenpolitischen Probleme zur Kolonialmacht geworden.

Die Gefahr einer Entfremdung von England war gebannt, da die französische Rivalität in London viel argwöhnischer betrachtet wurde. Bismarck war froh, daß durch die Bestimmungen der Berliner Konferenz zumindest in Teilen einer Freihandelspolitik in Afrika mehr Raum gegeben wurde. Dies war ihm immer noch wichtiger als eigene Kolonien.

III. Vor dem Aufstand

3.1 Die Bevölkerung und Geographie Deutsch OstAfrikas

Wichtige Punkte bei der Gebietsaufteilung der deutschen Kolonie Ostafrika sind das Küstenland, die verschiedenen Seengebiete (Tanganjika-See, Njassa-See, Viktoria-See und Kiwu-See), das Kilimandscharogebiet und das "Dach Afrikas", das Zentralplateau, welches die größte geographische Einheit bildet. Das Land ist fruchtbar und für Plantagenbau gut geeignet.

Die einheimische Bevölkerung war sich insgesamt einiger als in Südwestafrika. Es gab nicht zwei große rivalisierende ethnische Volksgruppen wie die Herero und Nama in Deutsch Südwest Afrika, sondern über 95% der Stämme gehörten zur Bantu-Volksgruppe. Dies und die sich daraus ergebene gemeinsame Sprache waren ein wichtiges Bindeglied der tansanischen Völker untereinander.

Die Gesamtzahl der einheimischen Bevölkerung, sie wird nach 1900 auf sieben bis acht Millionen geschätzt, bei einer etwas größeren Fläche als Südwestafrika (Deutsch-Ostafrika hat eine Fläche von knapp 1.000.000 km²), zeugt auch von den besseren Ernährungsbedingungen für die Bevölkerung.

Dazu kamen noch arabische und indische Bevölkerungsgruppen, die Handel (dazu gehörte auch der Sklavenhandel) betrieben.

Durch die Einführung der Gewürznelke 1818 in Sansibar, brauchten die dortigen Plantagen einen enormen Nachschub an Sklaven, der aus dem ostafrikanischen Hinterland kam. Weitere wichtige Exportgüter waren Elfenbein, Kupfererzeugnisse und Salz.

Alles in allem waren die Strukturen in Ostafrika viel besser für die Wirtschaft und den Handel geeignet als die in Südwestafrika.

3.2 Die Anfänge des Schutzgebietes (1885-1890)

Auch in dieser Region gab es vor dem offiziellen Gebietserwerb schon deutsche Kaufleute, die an der ostafrikanischen Küste Handel trieben. Diese Firmen residierten auf der Insel Sansibar, die der ostafrikanischen Küste vorgelagert ist, und wirkten von dort aus im Überseehandel. Der regierende Fürst der Insel, Sultan Seyid Bargasch ben Said, war kein Freund der Engländer und bat schon 1875 um Schutz beim Deutschen Reich, worauf Bismarck aber nicht einging. Trotzdem fand weiterhin ein reger Handel zwischen Deutschland und Sansibar statt. Auf dem Festland hatten die deutschen Kaufleute keine Stützpunkte, da dort der ganze Handel von Arabern und Indern organisiert wurde. Aus diesem Grund gab es keine Initiative von deutschen Handelshäusern (wie in Togo oder Südwestafrika), sondern eine Einzelperson begann dort mit dem Gebietserwerb.

Diese Person war Dr. Carl Peters. Er hatte 1884 eine Expedition ausgerüstet, deren Schutz er sich vom Reich erbat, was aber ausdrücklich abgelehnt wurde. Er begab sich aber trotzdem mit einer Gruppe ins ostafrikanische Landesinnere und konnte durch dubiose Geschäftspraktiken den ansässigen Häuptlingen ein riesiges Territorium abhandeln.

Nach Abschluß der Expedition, die vom 10. November bis zum 17. Dezember dauerte, ging er zurück nach Deutschland, wo er um Schutzbriefe für das erworbene Gebiet bat. Bismarck lehnte zuerst ab. Da Peters aber drohte, die Gebiete König Leopold v. Belgien anzubieten, der in Zentralafrika ein eigenes Kolonialreich (Belgisch-Kongo) etablierte, mußte Bismarck einlenken. Die neugegründete Deutsch-Ostafrikanische-Gesellschaft (DOAG) Peters bekam den kaiserlichen Schutzbrief nach dem Vorbild der englischen Charterkolonien.

Damit hatte das Deutsche Reich sich in einem Teil Afrikas engagiert, der viel sensibler war als Südwestafrika.

Der Sultan von Sansibar, der als überregionaler Herrscher auch die Macht über Teile des Festlands hatte, sah sich durch die deutsche Expansion in seinen Handelsinteressen gefährdet. Außerdem war er als Herrscher über den nördlichen Teil Ostafrikas (Usambara, Kilimandscharogebiet) nun Nachbar der Deutschen, die im mittleren Teil des Landes ihre Besitzungen hatten, und fürchtete um seinen Einfluß. Dazu kamen die Interessen der Engländer, die sich durch das neue deutsche Schutzgebiet gefährdet fühlten. So ging der Seeweg nach und von Indien direkt an der ostafrikanischen Küste vorbei, was von besonderer strategischer Bedeutung für das Empire und damit viel wichtiger als die Westküste Afrikas war. Außerdem ging der Landweg von Ägypten nach Südafrika durch dieses Gebiet, der ein wichtiger Lebensnerv des englischen Afrikahandels war. Dementsprechend war man in London viel besorgter über den deutschen Gebietserwerb als noch in Südwestafrika.

Der Sultan versuchte seine Interessen durch eine Annäherung an England zu wahren. Doch als die Engländer ihm militärische Unterstützung versagten und Teile der deutschen Flotte vor Sansibar erschienen, erkannte er die deutschen Besitzungen an und erlaubte ihnen den Hafen Daressalam zu nutzen.

Am 1. November 1886 konnte Berlin sich auch mit der britischen Regierung auf einen Vertrag über Ostafrika einigen: Der Herrschaftsbereich des Sultans wurde faktisch auf Sansibar begrenzt. Das Gebiet südlich des Kilimandscharo bis zum Viktoria-See und die Südküste bis Portugiesisch-Ostafrika wurde deutsches Einflußgebiet; der nördliche Teil kam unter britische Kontrolle (Kenia).

Doch damit gaben der Sultan und die arabischen Händler, die sich durch die Handels- und Ordnungspraktiken der Deutschen bedroht fühlten, nicht ab. Im September 1888 organisierten sie einen Aufstand gegen die ungebetenen Eindringlinge. Die deutschen Handelsstationen und deren Gebiete wurden daraufhin schnell von der DOAG geräumt. Nur ein kleiner Teil des Territoriums, das Gebiet um Daressalam, konnte gehalten werden. Da man selbst keine Sicherheitskräfte besaß und auch nicht finanzieren konnte, wurde das Reich um Hilfe gebeten. Da Bismarck das Gebiet nicht aufgeben wollte, beantragte er im Reichstag Mittel für die Aufstellung einer Schutztruppe. Um die (noch) große Gruppe der antikolonial eingestellten Parlamentarier auf seine Seite zu bekommen, nahm er den Sklavenhandel der Araber als Aufhänger für ein deutsches Eingreifen. Damit konnte er vor allem das Zentrum beeindrucken, hatte doch Papst Leo XIII. die europäischen Staaten zur Abschaffung des Menschenhandels aufgerufen.

Im Januar 1889 bewilligte der Reichstag zwei Millionen Mark für die Niederschlagung des Aufstandes. Parallel dazu wurden die europäischen Staaten aufgefordert, die ostafrikanische Küste mit einer Blockade zu belegen. Neben Frankreich, Belgien, Italien und Portugal beteiligte sich auch Großbritannien an der Seeblockade. Dabei ging es ihnen weniger um die Sicherung der europäischen Kultur und deren Werte in Afrika. Salisbury, der englische Premierminister, wollte vielmehr verhindern, daß die Deutschen nach einer erfolgreichen Niederschlagung des Aufstandes auch Sansibar in ihre Gewalt bringen würden, was aus englischer Sicht unbedingt verhindert werden mußte. Man glaubte, die Deutschen bei einer eigenen aktiven Teilnahme an der Seeblockade besser "im Auge zu haben".

Zwar konnte durch die Blockade nicht viel erreicht werden, doch der nach Ostafrika entsandte deutsche Reichskommissar Hermann Wissmann ging mit seiner Schutztruppe erfolgreich gegen die Aufstände vor.

Zuerst schlug er den Aufstand an der Küste nieder, wobei ihn Einheiten der Kriegsmarine unterstützten. Danach zog er mit bewaffneten Expeditionen ins Hinterland, um dort die deutsche Oberhoheit wiederherzustellen. Endgültig war der Aufstand 1890 niedergeschlagen, nachdem Sultan Bena Meri im Norden und die Stadt Kilwa im Süden der Küste "befriedet" worden waren.

3.3 Das Helgoland – Sansibar Abkommen

Carl Peters hatte im Verlauf der zweiten Hälfte der 80er Jahre weitere Expeditionen unternommen. Dabei war er auch nach Uganda gekommen und hatte dort Schutzverträge abgeschlossen. Dies war den Engländern überhaupt nicht recht, da sie sich in Ägypten nun bedroht fühlten. Da auch die Franzosen und Italiener Interesse an den Nilquellen und dem ägyptischen Sudan hatten, wollte die britische Regierung eine endgültige Festlegung der Kolonialgebiete und dabei vor allem einen Rückzug Deutschlands aus Uganda. Salisbury drängte auf eine schnelle Einigung, da Peters immer "ungestümer" im britischen Hinterland agierte. Nach langen Verhandlungen mit der Regierung Caprivi, die immer wieder unterbrochen wurden, kam es zum Durchbruch, als Salisbury am 13. Mai die Abtretung der Insel Helgoland in Aussicht stellte.

Man einigte sich, neben der Abtretung Helgolands, auf die Festlegung der deutschen Grenzen in Ostafrika. Die Westgrenze bildete der Tanganjika-See, die Nordgrenze die Linie Viktoria-See (wobei im Nordwesten Gebiet dazugekommen war) - Kilimandscharo - Tanga (Ostküste). Im Süden ging die Grenze durch den Nyasa-See bis nach Portugiesisch-Ostafrika (Mosambique). Sämtliche Ansprüche auf Uganda, Sansibar und das Witu-Gebiet im Norden wurden an England abgetreten. Dafür erhielt das Reich in Südwestafrika noch einen Zugang zum Sambesi, den sog. Caprivizipfel.

Die Proteste der Kolonialanhänger in Deutschland gegen diese Abmachung waren sehr stark; gerade durch den Verzicht auf Sansibar fühlte man sich um eine starke Position betrogen. Die Diskussion, ob dieser Vertrag besser für die Engländer oder die Deutschen war, ist in den folgenden Jahren immer wieder geführt worden.

IV. Der Maji Maji Aufstand

4.1 Der Weg zum Aufstand

Die Festigung der deutschen Herrschaft ging in Ostafrika gebietsweise vonstatten. An der Küste und im mittleren Hinterland hatte man durch die Niederschlagung der Araberaufstände die Machtstellung gesichert. Gouverneur v. Schele gelang 1893-95 auch das Gebiet im Norden (um den Kilimandscharo) zu befrieden. Man versuchte dort die ethnischen Unterschiede der Völker auszunutzen und durch wechselweise Unterstützung der jeweils stärksten Gruppe die Kontrolle zu behalten. trotzdem gab es dort immer wieder Unruhen.

In vielen Gebieten wurde mit der kollaborationsbereiten Oberschicht zusammengearbeitet. In den westlichen Gebieten, Ruanda - Burundi und das Seengebiet im Nordwesten, war bis weit in das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts keine direkte deutsche Verwaltung möglich. Dort wurden entweder die Oberschichten unterstützt, die als kleine Gruppe eine größere unterdrückten, oder wie in Burundi deutschfreundlichen Herrschern auf den Thron geholfen.

In den anderen Gebieten, wo es höchstens deutsche Bezirksämter gab, wurden die Häuptlinge durch eine Beteiligung am Steueraufkommen "gekauft".

Im Süden, dem Gebiet wo 1905 der Aufstand ausbrach, wurde eine deutsche Herrschaft erst seit Ende der 90er Jahre aufgebaut.

Am weitesten war die deutsche Kolonisation im Nordosten vorangegangen, wo auch eine wirtschaftliche Entwicklung einsetzte, wie ein größerer Kolonialhandel oder der Plantagenbau. Auch der Eisenbahnbau war bereits 1893 von Tanga (Küste) in Richtung Victoria-See angefangen worden.

Im Westen wurden die alten regionalen Strukturen durch die deutsche Herrschaft nicht angetastet, sondern beibehalten und unterstützt. Dadurch war dort der Grund für eine Erhebung zumindest nicht direkt gegeben. Der Nordosten und das mittlere Küstenhinterland (um Daressalam) waren relativ stark kolonisiert, also hatte man hier eine bessere Kontrolle und der Widerstandswille war zunehmend erlahmt. Nur der Süden war wie erwähnt erst spät zu einer direkten Verwaltung gekommen. So mußten hier die deutschen Ordnungs- und Verwaltungsmaßnahmen rasch nachgeholt werden, was eine schrittweise Gewöhnung der Eingeborenen an das System unmöglich machte.

Daher geht man davon aus, daß die Einführung der Hüttensteuer der wichtigste Grund für den Aufstand war.

Die Hüttensteuer war 1897 eingeführt worden, um die Geldwirtschaft in Ostafrika einzuführen, was die Eingeborenen dazu bringen sollte, in deutsche Dienste zu treten, weil sie nur dort Geld bekamen. Da die Arbeitsleistungen der Eingeborenen nicht mehr ausreichten, um die expansive Kolonialwirtschaft anzukurbeln, wurde die Hüttensteuer erhöht. Vom 22.03.1905 wurde per Verordnung die Steuer je Hütte vervierfacht. Dazu kam, daß auch keine Naturalien mehr angenommen wurden wie noch zuvor, sondern alles bar bezahlt oder abgearbeitet werden mußte.

Dazu muß man auch wissen, wie die Eingeborenen bei der Arbeit behandelt wurden. Es war eine regelrechte Fronarbeit, die die Schwarzen leisten mußten. Viele starben bei der harten Arbeit oder wurden körperlich mißhandelt.

Desweiteren wurden sogenannte "Kommunalschamben" eingerichtet, dies waren landwirtschaftliche Produktionsstätten, in denen das gesamte Dorf Arbeitsdienst ableisten mußte. Der Ertrag ging nur zu einem Drittel an die Arbeiter, den Rest steckten sich die Ortsvorsteher in die eigene Tasche.

Da es diese Dorfschamben besonders im Süden gab, und da auch die ersten Erhebungen in den Schamben begannen, kann man davon ausgehen, daß ihre Einrichtung ein weiterer wichtiger Grund für den Ausbruch des Aufstandes war.

Zu all diesen Gründen kommt noch ein weiterer Umstand, der zwar nicht unbedingt entscheidend war, der aber die Verbreitung des Aufstandes im Süden förderte und ihm den Namen gab: Der Maji-Maji-Kult.

Aus den Bergen um Kilwa, wo der Aufstand seinen Ursprung nahm, waren seit Ende des Jahres 1904 verschiedene Berichte gekommen, daß dort ein Zauberer wirke. Dieser Zauberer besaß eine Medizin ("Maji" = Wasser) . Damit übergoß er die zu ihm gekommenen und diese sollten dann nicht nur alle Sorgen los sein, sondern auch noch unverwundbar werden.

Dieser Kult, der sich rasch verbreitete, schmiedete die Einheimischen ideologisch zusammen und schuf ein Gemeinschaftsgefühl.

4.2 Der Maji Maji Aufstand 1905/06

Der Ausgangspunkt für den Aufstand war das Hinterland der Stadt Kilwa, das sogenannte Matumbiland. Die Revolte weitete sich über das ganze Matumbiland aus. Dabei zogen die Matumbi-Krieger erst in die Berge und ließen sich mit dem Maji-Wasser besprengen, um unverwundbar zu sein. (siehe 4.1)

Innerhalb kürzester Zeit hatten sich 2000 Matumbi zusammengefunden, die gegen deutsche Einrichtungen vorgingen.

Da die deutschen Kräfte vor Ort zu schwach waren, war an ein sofortiges Vorgehen gegen die Aufständischen nicht zu denken.

In der Zwischenzeit hatten die Matumbi überall in die Umgebung Boten geschickt, die die Aufstandsbotschaft und das Maji-Wasser mit Erfolg verbreiteten. Es beteiligten sich die Ngindo, Pogoro, Kichi, Zamaro, Luguru, Vidunda, Mbunga, Ngoni und Pangwa. Damit hatte das Aufstandsgebiet eine Größe von ca. 100.000 qkm erreicht und umfaßte fast den ganzen tansanischen Süden.

Diese Nachrichten wurden in Berlin mit größter Besorgnis aufgenommen. Der Kolonialkrieg in Südwestafrika war immer noch nicht beendet und jetzt drohte hier ein Zweiter. Sofort wurde ein Kreuzer nach Ostafrika geschickt, der die Schutztruppe, die zu dieser Zeit ca. 2500 Mann zählte, unterstützen sollte. Dazu sollten noch 200 Soldaten in Eritrea angeworben werden.

Den ersten größeren Erfolg konnten die Aufständischen erzielen, als sie am 15. August einen deutschen Polizeiposten in Liwale eroberten.

Zu gleicher Zeit wurde auch der Missionsbischof Spiss, der sich mit einigen Nonnen und Mönchen im Aufstandsgebiet befand, mit seinen Begleitern von Maji-Kriegern umgebracht.

Diese "Erfolge" stachelten die Rebellen weiter an und ermöglichten ein Ausbreiten des Kampfes auch in die südöstlichen Bezirke.

In Kilosa stellte sich am 6. September Hauptmann Fonck mit seiner Abteilung den Aufständischen entgegen. Er hatte eines der neueingeführten Maschinengewehre dabei, was sich für die Maji-Krieger als verhängnisvoll herausstellen sollte. Da die Einheimischen auf die Wirkung des Maji-Wassers vertrauten, stürmten sie in voller Breite auf die deutschen Stellungen. Dabei wurden sie zu Hunderten erschossen. Die Flüchtenden wurden gehängt.

Damit war eine Ausbreitung des Aufstandes nach Norden verhindert worden. Die abschreckende Wirkung der deutschen Strafmaßnahmen war groß genug, daß andere Stämme im Norden von einer Beteiligung am Aufstand absahen.

Neben der mißlungenen Einnahme von Kilosa war es vor allem der fehlgeschlagene Sturm auf den deutschen Außenposten in Mahenge, der den Wendepunkt des Aufstandes bedeutete.

Mahenge lag westlich auf der Höhe von Kilwa. Hier war eine schwache Kompanie.

Der hier befehlshabende Hauptmann von Hassel hatte bereits seit Anfang August Nachrichten erhalten, daß ein Angriff auf seine Station kurz bevor stünde. Deswegen stellte er noch 30 Rekruten ein, die bei der Verteidigung dringend benötigt wurden. Glücklicherweise stellten sich die meisten Regionalherrscher dieses Gebietes auf die Seite der Deutschen, so daß v. Hassel, sicher durch diese Rückendeckung, versuchte, Ende August selbst die Aufständischen anzugreifen. Bei dieser Expedition wurden sie von den Maji-Kriegern angegriffen, doch auch hier brach das Maschinengewehrfeuer die Angriffskraft der Rebellen. Über 300 von ihnen sollen getötet worden sein.

Hassel zog sich daraufhin auf Mahenge zurück und erhielt 1000 Mann Hilfstruppen der befreundeten Kiwanga. Er baute den Ort zur Festung aus und wartete auf den Angriff der Feinde. Diese kamen ende August mit 16.000 Mann in Mahenge an.

Für die Angreifer endete der Angriff im Kugelhagel von zwei Maschinengewehren.

Noch zweimal versuchten die Angreifer die Station zu erstürmen, doch ihr Glaube an die Unverwundbarkeit war schon so erschüttert, daß die deutschen Truppen und die Hilfskontingente leichtes Spiel hatten. Die Angriffe hörten auf.

Ab Ende September 1905 begannen die Deutschen mit der systematischen Befriedung der Aufstandsgebiete.

Ab Oktober begann der zweite Abschnitt des Aufstandes. Die deutsche Kolonialverwaltung hatte weitere Verstärkungen erhalten, die größtenteils aus angeworbenen Afrikanern.

Die Befriedung der aufständischen Gebiete wurde durch die neue Kampftechnik der Rebellen sehr erschwert.

Sie änderten ihre Strategie dahingehend, daß sie die "Massenangriffe" einstellten und zur Guerillataktik übergingen. So konnten sie ihre waffentechnische Unterlegenheit besser ausgleichen. Sie hatten die besseren Geländekenntnisse und konnten jederzeit die deutschen Kolonnen angreifen.

Da die deutsche Kolonialverwaltung wußte, wie lange sich ein solcher Guerillakrieg hinziehen konnte, versuchte man den Maji-Kriegern die Versorgungsbasis zu entziehen, damit diese aus Mangel an Verpflegung aufgeben mußten.

Die deutsche Führung entschloß sich zur Strategie der "verbrannten Erde":

Beschlagnahme und Vernichtung von Nahrungsmitteln und der Ernte auf den Feldern, der Fortnahme des Viehs sowie der Zerstörung der Dörfer, Brunnen, und der Nahrungsmittellager in den Kriegsgebieten hatte nun den Vorrang vor der eigentlichen Bekämpfung des Gegners. (!)

Nachdem auch der kampfstärkste Stamm bezwungen war, wurden die geflohenen Rebellenführer gesucht und hingerichtet. Diese Aktionen dauerten noch bis ins Jahr 1907.

Damit waren die Leiden für die Bevölkerung aber noch nicht zu Ende. Durch die "Verbrannte Erde"-Aktionen brach nun eine große Hungersnot aus

.

Genaue Zahlen über die Menschen, die durch direkte und indirekte Kriegseinwirkung gestorben waren, gibt es nicht. Genauso schlimm wie die Verluste an Menschen war die Verwüstung der Landschaft und des Kulturbaus.

Die Niederlage der Einheimischen war vollständig und vernichtend. Die deutsche Kolonialverwaltung hatte genauso wie in Südwestafrika den Tod von Hunderttausenden in Kauf genommen, um ihren Machtanspruch durchzusetzen.

4.3 Die Folgezeit

1915 wurde die deutsche Kolonie von Streitkräften der Union (heute Republik) von Südafrika erobert. Deutschland verzichtete im Versailler Vertrag auf seine Oberherrschaft. 1920 erhielt Südafrika das Gebiet vom Völkerbund als Mandat zugesprochen. 1946 forderte die Vollversammlung der UN von Südafrika die Einwilligung in ein Treuhandabkommen, das an die Stelle des Mandats treten sollte; Südafrika lehnte ab.

1949 trat in Südafrika eine Verfassungsänderung in Kraft, nach der das Parlament nun auch Südwestafrika vertritt. Der Internationale Gerichtshof entschied jedoch 1950, daß der Status des Mandats nur mit Zustimmung der UN geändert werden kann. Südafrika erklärte sich bereit, die Treuhandfrage mit einem speziellen Komitee der Vollversammlung zu diskutieren, doch die Verhandlungen scheiterten 1951.

Südafrika weigerte sich in der Folgezeit, auf die Forderungen der UN bezüglich eines Treuhandabkommens einzugehen, gestattete 1962 aber einem UN-Komitee nach Namibia zu reisen, um die Beschuldigung Südafrikas, gegen einheimische Völker Gewalttaten begangen zu haben, zu überprüfen. Das Komitee kam zu dem Ergebnis, daß die Vorwürfe unbegründet waren.

V. Anhang

5.1 Biographie von Carl Peters

Geboren am 27.9.1856 in Neuhaus/EIbe, gestorben am 10.9.1918 in Bad Harzburg, Pfarrerssohn, betätigte sich schon als Student als politischer Journalist. Er promovierte 1879 in Berlin in Geschichte, weilte 1880-1883 in England und habilitierte sich 1884 in Leipzig für Philosophie, ohne jedoch zu lesen. In England hatte er sich entschlossen, Deutschland ein Kolonialreich zu schaffen. Er gründete 1884 die «Gesellschaft für dt. Kolonisation», die von siedlungs- und nicht handelspolitischen Gesichtspunkten ausging und daher von vornherein auf staatliche Kolonialgründung bedacht war. Zusammen mit Gf. Pfeil reiste er über Sansibar nach Ostafrika. Er schloß hier ohne Unterstützung der deutschen Regierung und angefeindet von den Engländern Verträge mit den eingeborenen Häuptlingen, die das Kernland des späteren Deutsch - Ostafrika sicherten und erlangte dafür 1885 einen kaiserlichen Schutzbrief. Auf einer 2. Reise schloß Peters 1887 mit dem Sultan von Sansibar einen Pachtvertrag über den Erwerb des ostafrikanischen Küstengebietes. 1889 schied er aus der deutsch ostafrikanischen Gesellschaft aus und führte 1889-90 eine Expedition zur Rettung des deutschen Afrikaforschers Emin Pascha nach Uganda, mit dessen Sultan er einen Schutzvertrag abschloß. Der Helgoland-Sansibarvertrag 1890, in dem das Deutsche Reich auf alle Randgebiete seiner Ostafrikanischen Besitzungen, also auch auf Uganda, verzichtete, brachte Peters‘ Plan der Bildung eines großen Ostafrkanischen Reiches zum Scheitern. Im Protest gegen diesen Vertrag gründete er 1891 den Alldeutschen Verband, um damit einer aktiven deutschen Weltpolitik den Weg zu ebnen. 1891-95 weilte Peters als Reichskommissar, dem das Kilimandscharogebiet unterstand, erneut in Ostafrika. 1895 ließ er sich zur Disposition stellen. Als Opfer des parlamentarischen Kampfes gegen die deutsche Kolonialpolitik wurde er in ein Disziplinarverfahren wegen angeblicher Grausamkeiten während seiner Amtsführung verwickelt, die ihn Titel und Amt kosteten. Peters ging nach England, gründete eine Deutsch - Englische Gesellschaft zur Ausbeutung der Goldfelder Rhodesiens, und führte im Auftrage dieser Gesellschaft 6 Reisen nach Angola und Rhodesia durch, in dem er das alte Goldland Ophier vermutete (Das Goldland des Altertums» 1902). Den Übertritt in den englischen Kolonialdienst lehnte er ab. Von England wirkte er publizistisch nach Deutschland (England und die Engländer» 1904, «Zur Weltpolitik» 1912 Werke Bd. 3). Nach Kriegsausbruch kehrte er 1914 in die Heimat zurück und wurde vom K. rehabilitiert. Peters war der bedeutendste deutsche Kolonalpionier, der einzige wirkliche Kolonialpolitiker, ehrgeizig aber auch unausgeglichen, von einem leidenschaftlichen Nationalgefühl beseelt, Schüler der Engländer in seinen imperialistischen Welt- und Kolonialpolitik-Gedanken.

5.2 Biographie Bismarcks

Bismarck, Otto Eduard Leopold, Graf von, seit 1871 Fürst von Bismarck (1815-1898), preußisch-deutscher Staatsmann und erster Kanzler des Deutschen Reiches (1871-1890).

Bismarck wurde am 1. April 1815 in Schönhausen, nordwestlich von Berlin, als Sohn eines ostelbischen Adligen geboren. Er studierte Rechtswissenschaften in Göttingen und Berlin, war anschließend, ab 1836, Gerichtsreferendar in Aachen und übernahm 1839 die Verwaltung der väterlichen Güter in Pommern.

1847 wurde der konservative Bismarck Mitglied des vereinigten preußischen Landtages. Die Revolution von 1848, die er mit Gewalt unterdrückt sehen wollte, bestärkte ihn in seiner konservativen und monarchistischen Haltung. Nach der Revolution wurde er Abgeordneter im Erfurter Parlament, führendes Mitglied der Konservativen Partei und Mitarbeiter der konservativen Kreuzzeitung. Im Frankfurter Bundestag, dem er seit 1851 als preußischer Gesandter angehörte, trat er für die Gleichberechtigung Preußens mit Österreich, der Präsidialmacht im Deutschen Bund, ein. 1859 ging Bismarck als preußischer Botschafter nach Rußland und 1862 nach Frankreich.

Seine Hauptaufgabe als Reichskanzler sah Bismarck in der inneren Konsolidierung des Reiches und in seiner Einbindung in ein internationales Bündnissystem. Innenpolitisch suchte er durch eine "Revolution von oben", den durch Liberalisierung, Industrialisierung und Bevölkerungsexplosion veränderten politischen Anforderungen zu entsprechen. Das antiliberale katholische Zentrum wollte er durch den Kulturkampf ausschalten, provozierte damit jedoch neue innenpolitische Konfrontationen, so daß er sich 1878 schließlich zum Einlenken gegenüber der katholischen Kirche gezwungen sah. Mit dem Sozialistengesetz von 1878, das alle sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Vereinigungen verbot, sollten die "gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie" unterbunden werden. Es beschwor jedoch eine neue innenpolitische Krise herauf und verfehlte zudem sein Ziel, die Sozialdemokratie zu zerschlagen: Nach dem Auslaufen des Gesetzes 1890 wurden die Sozialdemokraten stärkste Fraktion im Reichstag. Parallel zum Sozialistengesetz initiierte Bismarck weitreichende, vergleichsweise fortschrittliche Sozialgesetze, u.a. zur Kranken-, Unfall-, Renten- und Invaliditätsversicherung. Hintergedanke bei seinem Sozialgesetzgebungswerk war, die Arbeiterschaft für sich zu gewinnen, sie von der Sozialdemokratie zu entfremden und diese somit weiter zu schwächen.

Bismarcks Außenpolitik war defensiv und auf Frieden ausgerichtet. Er bezeichnete Deutschland als "saturiert" – trotzdem engagierte er sich, zunächst allerdings zögernd, 1884/1885 kurzzeitig für den Erwerb deutscher Kolonien in Afrika und im pazifischen Raum. Sein europäisches Bündnissystem zielte auf die Isolierung Frankreichs und die Verhinderung einer Koalition gegen Deutschland: 1879 schloß er den Zweibund mit Österreich, der 1882 durch den Beitritt Italiens zum Dreibund wurde, und 1887 vereinbarte er den Rückversicherungsvertrag mit Rußland.

Kaiser Wilhelm II. entließ Bismarck am 20.März 1890 wegen unüberbrückbarer persönlicher und politischer Gegensätze aus seinem Amt. Bismarck zog sich daraufhin auf sein Landgut Friedrichsruh im Sachsenwald zurück, wo er am 30.Juli 1898 starb.

5.3 Weitere Karte Afrikas

5.4 Literaturnachweis

Gebhardt, Handbuch der Deutschen Geschichte, Band 3 Auflage 9, Union Verlag Stuttgart, S.291 - 293., S.333

Propyläen Geschichte Europa, Band 5, 1977 Propyläen Verlag Berlin

S.272 - 278

Propyläen Geschichte Deutschland, 1995 Propyläen Verlag Berlin

S.281 - 282, S.345 – 347, S.517 - 518

Der große Ploetz, 31.Auflage, 1991 Verlag Ploetz Freiburg

Biographisches Wörterbuch zur Deutschen Geschichte, Band II, 1974 Francke Verlag München

Meyers Enzyklopädisches Lexikon, Band 18, 1976 Mannheim

"Encarta 97", Microsoft Enzyklopädie

Internet:

http://www.members.aol.com

http://www.nineties.com/eugen-richter/abc9/kolonial.htm


Klasse: 13

Alle Rechte vorbehalten - Veröffentlichung nur mit Genehmigung des Autors